Red Heat

Ein Film von Walter Hill

Genre: Thriller

 

 | Erscheinungsjahr: 1988

 | Jahrzehnt: 1980 - 1989

 | Produktionsland: USA

 

Red Heat ist ein Kind seiner Zeit, unterscheidet sich trotzdem von anderen Werken aus der Endphase des Kalten Krieges: Der Thriller blickt bereits voraus in eine neue politische Ära und ist deshalb gut gealtert. In der Karriere von Arnold Schwarzenegger stellt Red Heat einen Wendepunkt dar.

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Filmkritik:

Der Film schlägt eine Brücke zwischen den verfeindeten Supermächten: Um einen internationalen Drogenschmuggler zu fassen, arbeitet die Sowjetunion mit den Vereinigten Staaten zusammen und entsendet den knallharten Ivan Danko (Schwarzenegger) nach Chicago. Das dortige Department teilt ihm den schnodderigen Sergeant Ridzik zu. Die Gegensätze der beiden Männer führen zu steter Reibung, doch der Kampf gegen das Verbrechen schweißt sie schließlich zusammen.

Red Heat erschien ein Jahr nach Lethal Weapon, dessen Erfolg für eine Welle von Buddy-Movies sorgte. Wo dieser überwiegend ins Komödiantische zielt, legt Walter Hill die Gegensätze zwischen Ridzik und Danko ernster an. Dementsprechend enthält der Humor keinen Slapstick, sondern funktioniert – insbesondere bei Ridzik – über eine gehörige Portion Zynismus.

Schwarzenegger steuert derweil die leichter bekömmliche Ironie bei. Damit begann der Österreicher die Weiterentwicklung seiner Karriere: Nach einem Jahrzehnt mit kompromisslosen Actionfilmen wie Terminator und Predator erkannte Schwarzenegger, dass bierernste Genrefilme nicht länger modern waren – sein (selbst)ironischer Auftritt in Red Heat stellt den Auftakt einer Reihe von (Action)Komödien wie True Lies dar, die Schwarzeneggers Erfolg in den Neunziger Jahren weiter ausbauten.

Im besten Sinne altmodisch fällt hingegen die Regie von Walter Hill aus. Als Nachfolger von Genrefilmern wie Don Siegel und Sam Peckinpah (für den Hill das Drehbuch zu Getaway schrieb) verpasst er dem Geschehen eine grimmige Geradlinigkeit, die das zerfahrene Drehbuch zusammenhält. Der Spagat zwischen Spannung und Humor gelingt Hill ebenfalls; Erfahrung sammelte der Regisseur bereits einige Jahre zuvor mit Nur 48 Stunden.

Selbst als die Entspannungspolitik von Michail Gorbatschow das Ende des Kalten Krieges absehbar machte, produzierte Hollywood noch fleißig antisowjetische Propaganda. So hetzte Sylvester Stallone seinem Rocky im vierten Teil (1985) einen russischen Koloss auf den Hals und schickte Rambo 1988 nach Afghanistan, um die Kommunisten im Alleingang zu besiegen.

Obwohl Red Heat zur selben Zeit wie Rambo 3 produziert wurde, verzichtet er auf plumpe Russlandkritik und wagt stattdessen eine deutliche Annäherung zwischen West und Ost. Das hindert den Film nicht daran, zahlreiche russische Stereotype zu nutzen – sie bilden nun mal die humoristische Grundlage. Entscheidend ist, dass das Drehbuch auch den Kapitalismus als Klischee begreift und Amerika als Land der Gangster, Pornos und Fast Food-Restaurants ausstellt.

Vergessen wir auch nicht, dass Schwarzeneggers Ivan Danko ein physisches Idealbild darstellt und darüber hinaus auch geistige Kapazitäten offenbart – und sei es nur beim Schachspiel. Derart Positives lässt sich über Belushis Art Ridzik nicht behaupten: Der erfüllt alle Klischees eines tumben amerikanischen Polizisten, spielt in jedem wichtigen Moment des Films die zweite Geige und verknüpft seine Inkompetenz mit einer unsympathischen Art.

Das Zusammenspiel der beiden gegensätzlichen Figuren sorgt nicht nur für unterhaltsame Reibereien, sondern findet tatsächlich eine gemeinsame Basis – mit dem Niedergang des Eisernen Vorhangs droht die Globalisierung des Verbrechens. Dem treten Danko und Ridzik entgegen und schrecken dabei auch nicht vor unlauteren Methoden zurück.

Wie so viele Werke der Reagan-Ära besitzt auch Red Heat eine reaktionäre Komponente: Nicht von ungefähr bemerken die beiden Cops ihre Gemeinsamkeiten ausgerechnet bei einem Verhör, wo sie beide die Bürgerrechte eines Verbrechers missachten. Dennoch legt der Film eine andere Geisteshaltung an den Tag als reaktionäre Reißer wie Stallones Die City Cobra oder Don Siegels Dirty Harry, indem er seine Protagonisten als Relikte einer vergangenen Zeit einordnet.

Red Heat unterscheidet sich von den vorgenannten Filmen, weil er nicht wegen, sondern trotz der unlauteren Methoden mit Danko und Ridzik sympathisiert. Er stellt ihre Kompromisslosigkeit nicht cool, sondern destruktiv dar und deutet mehrmals an, dass sie Ausdruck einer gewissen Hilflosigkeit sind. Das fällt besonders im Vergleich mit dem Antagonisten Viktor Rosta auf, der im Zeitenwandel eine Chance sieht und Danko Orientierungslosigkeit vorhält: „Without me, you don’t even exist.“

Die pessimistische Weltsicht der beiden Hauptfiguren übersetzt Red Heat in eine ungemütliche Filmwelt: Chicago besteht hier ausschließlich aus schummrigen und dreckigen Schauplätzen, die von unmoralischen und gescheiterten Charakteren bevölkert werden. Damit sorgt der Film für eine unfreundliche Stimmung, ohne ständig Gewalt auffahren zu müssen – die Actionszenen fallen kurz und zielgerichtet aus. Auch die musikalische Untermalung von James Horner trägt zur Atmosphäre des Films bei.

Schwächen treten vor allem auf der Handlungsebene auf: Die Figuren bleiben durchweg oberflächlich, der Plot ist einfallslos und kreist um lieblose McGuffins. Dem Unterhaltungswert tut dies aufgrund der präsenten Darsteller und des interessanten politischen Subtextes keinen Abbruch. Red Heat ist im Gegensatz zu vielen ähnlichen Werken gut gealtert.

★★★★☆☆

1980 – 1989

Nach zwei Jahrzehnten, die sich zunehmend auf anspruchsvolle Werke fokussierten, fand in den Achtziger Jahren ein Umschwung statt. Genrefilme erlebten ein Comeback und Hollywood setzte zunehmend auf aufwendige Blockbuster. Das Unterhaltungskino begann, die Kinolandschaft zu dominieren.

Thriller

Ähnlich wie der Actionfilm basiert auch das Thriller-Genre nicht auf inhaltlichen, sondern auf formalen Gesichtspunkten. Eine größtmögliche, im Optimalfall konstant gehaltene Spannung ist das Ziel. Dafür bedienen sich Thriller in der Regel einer konkreten Bedrohungslage. Wird die Gefahr überwiegend über Andeutungen und Suspense transportiert, findet gerne der Terminus Psychothriller Anwendung.