The Survivalist

Ein Film von Stephen Fingleton

Genre: DramaThriller

 

 | Erscheinungsjahr: 2015

 | Jahrzehnt: 2010 - 2019

 | Produktionsland: Großbritannien

 

Der britische Endzeitthriller The Survivalist entwirft sein postapokalyptisches Szenario mit einem realistischen Ansatz, zieht daraus ein Höchstmaß an Konflikten und glänzt durch enorme Spannung.

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Filmkritik:

Der Debütfilm des britischen Regisseurs Stephen Fingleton spielt nach einer fatalen Apokalypse, die der Vorspann wunderbar ökonomisch zusammenfasst: Zwei parallel steigende Diagrammlinien werden gezeigt; ein Graph steht für die Menschheitspopulation, der andere für die Erdölfördermenge. Als diese zweite Linie plötzlich einbricht und gen Null tendiert, reißt sie die erste Linie mit sich – die Menschheit ist nahezu ausgelöscht.

The Survivalist spielt mindestens ein, vielleicht aber auch mehrere Jahrzehnte nach dieser Katastrophe und zeigt das Leben des namenlosen Protagonisten in den ersten fünfzehn Minuten ohne ein gesprochenes Wort. Der Mann lebt allein in einer Hütte im Wald, baut gebrechliche Gemüsepflanzen an, erzeugt Dünger aus seinen Ausscheidungen und gewinnt brennbares Lampenöl aus Baumrinden. Alles hat seine Ordnung und Funktion im Leben dieses Mannes – wäre es anders, er könnte nicht überleben. Der anfänglichen Reduktion des Films wohnt etwas Meditatives inne, obgleich diese naturalistische, technologiefreie Welt gleichzeitig bedrückend wirkt.

Doch dies war erst der Auftakt – in einer Welt, in der jeder Kontakt mit anderen Menschen eine existenzielle Bedrohung darstellt, stehen plötzlich zwei Frauen vor der Tür des Namenlosen. Sofort zieht der Film die Spannungsschrauben an: Blicke schießen hin her, knappe Wörter und drohende Gesten werden gewechselt. Ohne effekthascherisches Brimborium inszeniert Fingleton hier einen sozialen Kontakt als Vorstufe eines gewaltsamen Todes. Wie kompromisslos der Film ist, beweist er einmal mehr im folgenden Tauschgeschäft: Sex gegen Nahrung und die leise Hoffnung, länger bleiben zu können.

Erst jetzt läuft der bis dato schon gute Film zur Hochform auf und fabuliert eine Reihe moralischer und existenzieller Konflikte innerhalb dieser fragilen Drei-Personen-Gesellschaft: Jedes Zugeständnis an soziale Bedürfnisse gefährdet die Sicherung des eigenen Überlebens. Nicht nur findet Fingleton, der auch das Drehbuch schrieb, perfekt dosierte Steigerungen dieser Situation, durch die Bedrohungen innerhalb und außerhalb der Gruppe sorgt er auch für nervenaufreibende Höhepunkte, die die so omnipräsente wie trügerische Ruhe durchbrechen und stets existenzielle Ängste auslösen.

Durch seine Reduktion aufs Wesentliche kaschiert The Survivalist sein mageres Budget von knapp über einer Million Euro auf clevere Art und erweist sich als bemerkenswert wirkungsvoll. Sowohl im Hinblick auf die Drehbuchgestaltung, als auch auch inszenatorisch wirkt Stephen Fingletons Arbeit reif und sicher. Zudem profitiert der Film enorm von seiner talentierten Besetzung – das körperliche Spiel des irischen Hauptdarstellers Martin McCann erinnert an Daniel Day-Lewis in Der letzte Mohikaner, während Olwen Fouere und Mia Goth als Mutter-Tochter-Gespann vollends überzeugen.

Mit seiner so subtilen wie wirkungsvollen Kammerspielatmosphäre bildet The Survivalist den Gegenpol zu weitläufigen Endzeitfilmen wie The Road und fesselt von der ersten bis zur letzten Minute. Das intelligente Drehbuch vereint dramaturgische Klasse mit spannenden moralischen Konflikten und sorgt in Verbindung mit Fingletons straffer Regie für ein intensives Filmerlebnis.

★★★★★☆

Thriller

Ähnlich wie der Actionfilm basiert auch das Thriller-Genre nicht auf inhaltlichen, sondern auf formalen Gesichtspunkten. Eine größtmögliche, im Optimalfall konstant gehaltene Spannung ist das Ziel. Dafür bedienen sich Thriller in der Regel einer konkreten Bedrohungslage. Wird die Gefahr überwiegend über Andeutungen und Suspense transportiert, findet gerne der Terminus Psychothriller Anwendung.