Die besten Filme von

1990 bis 1999

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Die Neunziger Jahre waren das Jahrzehnt von Popkultur und Postmoderne, wobei auch das Aufkommen des Internets eine Rolle spielte. Filmforen und Websites boten vielfältige Möglichkeiten, sich mit Filmthemen zu beschäftigen und einen eigenen Geschmack zu entwickeln. Dieser konnte durch den wachsenden Heimkinomarkt leichter als zuvor befriedigt werden. Dabei differenzierte sich die Filmlandschaft weiter aus: Blockbuster, Independent- und Autorenfilm existierten nebeneinander und gingen zunehmend ineinander auf.

Bestenlisten sind nie perfekt. Die hier aufgeführten Favoriten sollten daher als inspirierende Ergänzung zu eigenen Lieblingsfilmen verstanden werden.

Honorable Mentions

Bestenlisten leiden unter chronischem Platzmangel, auch in diesem Fall mussten großartige Filme aussortiert werden.

So fehlen beispielsweise Martin Scorseses Großtaten Casino und GoodFellas, auch Michael Manns Heat und Paul Verhoevens Basic Instinct sind nicht dabei. So sehr deren Fehlen schmerzt – sie sind bekannt genug, im Zweifel habe ich mich für weniger populäre Werke entschieden.

Aus diesem Grund sind auch andere amerikanische Höhepunkte nicht mit dabei: Miller’s Crossing, L.A. Confidential, Die üblichen Verdächtigen sowie Ehemänner und Ehefrauen lohnen sich trotzdem ungemein.

Einige tolle Vertreter des in den Neunzigern so angesagten Independentkinos landen ebenfalls auf dem fiktiven 26. Platz: Der sensationell erfolgreiche Blair Witch Project, das bedrückende Drama Clean, Shaven, Quentin Tarantinos Debüt Reservoir Dogs und Abel Ferraras raues Drama Bad Lieutenant.

Außerdem hat eine ganze Reihe asiatischer Werke eine Platzierung nur knapp verpasst. Die chinesischen Dramen Leben! und Der blaue Drachen, John Woos Hongkong-Actionkracher Hard Boiled und das taiwanesische Drama Vive l’Amour – Es lebe die Liebe.

Aus dem europäischen Kino sind die britische Tragikomödie Peter’s Friends, der deutsche Thriller Die Sieger, Michael Hanekes Funny Games und die beiden französischen Vertreter Delicatessen und Hass auf der Strecke geblieben.

Filmszene aus Menschenfeind

Platz 25

Menschenfeind

Gaspar Noé | Frankreich | 1998

Der Debütfilm von Gaspar Noé bietet eine heftige Filmerfahrung und richtet seinen Nihilismus sogar gegen uns Zuschauer: Er transportiert die Kampfansage eines Mannes an die Gesellschaft mittels eines bösartigen Voice-Overs, unterlegt Schnitte mit Schussgeräuschen und fordert uns 20 Minuten vor dem Finale sogar mit einem Countdown auf, auszuschalten. Noés rüdes Sozialdrama zieht die maximale Wirkung aus seinen einfachen Mitteln und besitzt in Philippe Nahon einen Hauptdarsteller, der mit seiner bloßen Physis beeindruckt. Menschenfeind ist ein streitbares Werk, dessen Wirkung lange nachhallt.

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Filmszene aus Noises Off! - Der nackte Wahnsinn

Platz 24

Noises Off! – Der nackte Wahnsinn

Peter Bogdanovich | USA | 1992

Mit Noises Off! adaptierte Peter Bogdanovich das populäre britische Theaterstück gleichen Namens zu einer irrsinnigen Komödie. Wie die Vorlage schildert der Film die aus dem Ruder laufenden Aufführungen eines Theaterstücks mit wahnwitzigem Tempo und perfekt getimten Slapstick. Die Krisen und Kämpfe des Ensembles verwandeln die lineare Aufführung zunehmend in eine Meta-Version seiner selbst, was unser Antizipationsvermögen kitzelt und für eine immense Gagdichte sorgt.

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Filmszene aus Ronin

Platz 23

Ronin

John Frankenheimer | USA | 1998

Altmeister John Frankenheimer drehte 1998 einen im besten Sinne altmodischen Thriller, der den Geist der Klassiker von Jean-Pierre Melville atmet. Ronin arbeitet sich konzentriert und schnörkellos durch klassische Genremotive und vereint dabei das amerikanische mit dem europäischen Kino – Ersteres liefert das Budget und die Stars, Letzteres das Gespür für die Grauzonen der Charaktere. Trotz der brachialen Action und mehrerer Verfolgungsjagden dominiert eine melancholische Stimmung, an der das überzeugende Ensemble um Robert de Niro und Jean Reno einen Anteil hat.

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Filmszene aus The Big Lebowski

Platz 22

The Big Lebowski

Joel & Ethan Coen | USA | 1998

The Big Lebowski steht wie kaum ein anderer Film der Neunziger Jahre für die Blüte des postmodernen Kinos. Der Kultfilm dekonstruiert die Motive des Film Noir: Mit kuriosen Einfällen ziehen die Coen-Brüder ihre Kriminalgeschichte ins Absurde und lassen sie immer weiter zerfasern, was auch mit der Passivität des kultigen Protagonisten zusammenhängt – der Dude führt die Idee des Heldentums ad absurdum. Um ihn herum drapiert der Film ein skurriles Figurenkonglomerat, das bis in die Nebenrollen von spielfreudigen Darstellern getragen wird.

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Filmszene aus Following

Platz 21

Following

Christopher Nolan | Großbritannien | 1998

Vor seinem Durchbruch mit Memento drehte Christopher Nolan den 70-minütigen Low-Budget-Thriller Following. Der Debütfilm des damals 28-jährigen Regisseurs besticht schon durch jene Qualitäten, die ihn später weltberühmt machen sollten. Following entwickelt seinen Plot in nicht-chronologischen Episoden, sodass wir das Gesamtbild antizipieren und selbst zusammenpuzzlen müsssen. Damit etabliert Nolans Vexierspiel dauerhaftes Suspense und gibt sich schließlich als fatalistische Film Noir-Variation zu erkennen, die das simple Szenario mit einigen Twists clever ausreizt.

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Filmszene aus Leon – Der Profi

Platz 20

Léon – Der Profi

Luc Besson | Frankreich | 1994

Für Léon – Der Profi exportierte Luc Besson den magischen Fatalismus des Cinéma du look nach Hollywood und knüpfte damit an den großartigen Vorgänger Nikita an. Als Thriller vereint Léon viele Qualitäten: Er ist zielsicher inszeniert, besitzt einen wirkungsvollen Antagonisten (fantastisch: Gary Oldman) und packende Actionszenen. Die größte Stärke liegt jedoch abseits der Schauwerte, in der Schilderung zweier verletzter Seelen, die einander heilen. Jean Reno und Natalie Portman spielen die zarte Beziehung zwischen den beiden ungleichen Protagonisten mit großer Chemie.

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Filmszene aus Short Cuts

Platz 19

Short Cuts

Robert Altman | USA | 1993

In Short Cuts verbindet Robert Altman neun Kurzgeschichten Raymond Carvers zu einem episodischen Geflecht und erzählt dabei in drei Stunden das Leben des modernen Menschen. Der Ensemblefilm vereint mehr als ein Dutzend namhafter Darsteller und verweigert sich den Konventionen Hollywoods – er bemüht keine Dramaturgie und verzichtet darauf, die Episoden über einfache Botschaften miteinander zu verbinden. Stattdessen schildert er Banales und Erhabenes, die Unmöglichkeit menschlicher Kommunikation und die seltsame Beliebigkeit des Schicksals. Short Cuts ist so indifferent wie das Leben selbst – ein großer Film über uns kleine Menschen.

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Filmszene aus Kids

Platz 18

Kids

Larry Clark | USA | 1995

Der kontroverse Debütfilm von Regisseur Larry Clark und Drehbuchautor Harmony Korine traf den Zeitgeist und schockte durch seine Darstellung jugendlicher Umtriebe eine ganze Elterngeneration. Kids erzielt seine Wirkung über eine große Authentizität: Clark drehte mit Laiendarstellern und ließ diese viel improvisieren, was zu natürlichen, slanggeprägten Dialogen führt. Dem Regisseur gelingt es, das Lebensgefühl der Jugendlichen einzufangen und kritisch zu hinterfragen, ohne pädagogisch auf sie herabzublicken – der Film bewegt sich stets auf Augenhöhe mit seinen Protagonisten und ist von großer Empathie geprägt.

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Filmszene aus Eine reine Formalität

Platz 17

Eine reine Formalität

Giuseppe Tornatore | Frankreich, Italien | 1994

Der über weite Strecken mysteriöse Kriminalfilm Eine reine Formalität ist als kafkaeskes Kammerspiel angelegt und schildert das nächtliche Verhör zwischen einem Polizeiinspektor und einem Mordverdächtigen. Das raffinierte Drehbuch zieht seine Spannung aus kunstvollen Dialogkaskaden und offenbart in den langen Verhörsequenzen immer neue Details, die unsere Sympathien mal zur einen, mal zur anderen Seite lenken. Roman Polanski und Gérard Depardieu füllen die Hauptrollen mit großer Präsenz aus; als „dritter Hauptdarsteller“ sorgt das unheimliche, heruntergekommene Polizeirevier für eine finstere Stimmung.

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Filmszene aus Bringing Out the Dead

Platz 16

Bringing Out the Dead

Martin Scorsese | USA | 1999

23 Jahre nach Taxi Driver drehten Martin Scorsese und Paul Schrader ein weiteres New Yorker Einzelgängerporträt. Bringing Out the Dead handelt von einem Rettungssanitäter und schickt diesen Mann zwischen Leben und Tod durch mehrere Nachtschichten, die zunehmend surrealer geraten: New York wird von Geistern und Fast-Toten bevölkert, zahlreiche religiöse Motive laden den Film mit Bedeutung auf und Scorseses rauschhafte Inszenierung verwischt die Realität des Geschehens. Nicholas Cage liefert eine seiner besten Leistungen ab und erhält von den Nebendarstellern (John Goodman, Ving Rhames und Tom Sizemore) die bestmögliche Unterstützung.

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Filmszene aus Nikita

Platz 15

Nikita

Luc Besson | Frankreich | 1990

Nikita bedeutete den internationalen Durchbruch für Luc Besson, der das gefühlsbetonte Cinéma du look auf das Thriller-Genre anwandte und so einen Hybridfilm schuf, der Melodramatik mit brachialer Action kombiniert. Der Regisseur kleidet das Geschehen in eine raue Musikvideoästhetik und verstärkt damit den Eindruck des Unwirklichen. Dem gegenüber steht eine aufs Wesentliche reduzierte Erzählweise, die die Zeitebene aufbricht und die Figuren kaum charakterisiert – wir können ihr Tun und ihre Gefühle nie ganz einschätzen, womit sich Nikita eine spannende Unvorhersehbarkeit bewahrt.

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Filmszene aus The Minus Man

Platz 14

The Minus Man

Hampton Fancher | USA | 1999

The Minus Man besetzt ausgerechnet Sunnyboy Owen Wilson als Serienkiller. Der Film des Blade Runner-Autors Hampton Fancher bricht mit sämtlichen Genre-Konventionen: Er verzichtet auf blutige Spannungsszenen und typische Plot Points und etabliert stattdessen einen meditativen Tonfall und sanfte Sonnenscheinbilder. Trotz eines einnehmenden Voice-Overs öffnet sich Wilsons Killer uns Zuschauern gegenüber nicht wirklich, sodass sich The Minus Man zu einem faszinierenden Porträt eines Phantoms entwickelt, dessen freundliche Fassade eine eisige Kälte und psychologische Untiefen verdeckt.

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Platz 13

Pulp Fiction

Quentin Tarantino | USA | 1994

1994 drehte Quentin Tarantino den emblematischen Film der Neunziger Jahre: Mit Pulp Fiction huldigt er der Selbstreferenzialität der Nouvelle Vague und formte aus drei lässig ineinander verschachtelten Kriminalgeschichten ein postmodernes Meisterwerk. Tarantino spielt mit den Regeln und Figuren des Genres, nutzt eine Vielzahl filmischer Zitate und kunstvolle Dialoge über banale Dinge. Die zum Markenzeichen avancierte Musikauswahl und ein bestens aufgelegtes Ensemble runden den modernen Klassiker ab.

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Filmszene aus Hana-Bi

Platz 12

Hana-Bi

Takeshi Kitano | Japan | 1997

Hana-Bi ist das Meisterstück von Takeshi Kitano und bringt die vielfältigen Facetten des japanischen Autorenfilmers zusammen. Der Film vereint blutige Gewalteruptionen, einen lakonischen Humor und große Gefühle, die sich im stoischen Gestus verbergen. Der Werdegang von Kitanos körperlich und seelisch zerrüttetem Inspektor Nishi ist von einer stilisierten, dialogarmen Inszenierung geprägt. Sie verleiht dem Film etwas Meditatives, betont aber auch dessen Fatalismus – die Tragik von Hana-Bi liegt darin, dass die unglücklichen Ereignisse vorhergesehen, aber nicht mehr abgewendet werden können; seine Schönheit gewinnt der Film, weil es Nishi auch gar nicht versucht.

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Filmszene aus Crash

Platz 11

Crash

David Cronenberg | Großbritannien, Kanada | 1996

J. G. Ballards Roman Crash, in dem Technologie die Figuren vom eigenen Menschsein entfremdet, galt ob seiner expliziten sexuellen Schilderungen als unverfilmbar. David Cronenberg nähert sich Ballards Text mit einem paradoxen Kunstgriff: Er kombiniert ein intimes Storytelling mit einer distanzierten Inszenierung. Weil der Regisseur auf Effekthascherei verzichtet und die kontroversen Elemente der Vorlage nicht ausreizt, zählt Crash zu den anspruchsvollsten Arbeiten des Kanadiers. Cronenberg schuf einen untergründigen Kunstfilm für mündige Zuschauer, der auch 25 Jahre nach seinem Erscheinen nichts von seiner verstörenden Faszination verloren hat.

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Filmszene aus Humanität

Platz 10

Humanität

Bruno Dumont | Frankreich | 1999

Ein Sexualmord in einer Kleinstadt bildet den erzählerischen Rahmen von Humanität, doch wie so oft dekonstruiert Bruno Dumont ein Genre. Hier formt er aus einem Kriminalfilm eine existenzielle Zustandsbeschreibung des ermittelnden Polizisten. Mit quälender Langsamkeit beobachtet Dumont den meist stummen, meist passiven Protagonisten, um hinter der regungslosen Mine eine gärende Entwicklung hervorzubringen. Das Innenleben der Hauptfigur findet ihre Entsprechung in der nihilistischen Welt um sie herum: Inmitten der tristen, erstarrten Bilder erscheint ein Miteinander für die Menschen unmöglich.

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Filmszene aus Harry außer sich

Platz 9

Harry außer sich

Woody Allen | USA | 1997

Harry außer sich zählt zu den Höhepunkten in Woody Allens Filmografie und bringt alle Facetten des Regisseurs zusammen – vom Slapstick der Anfangszeit bis zu den Bezügen zu filmischen Vorbildern. Wie gewohnt unternimmt Allen eine kritische Bestandsaufnahme von menschlichen Beziehungen, der Religion und der Suche nach dem Lebenssinn. Allerdings nähert sich der Regisseur diesen Themen in Harry außer sich nicht wie gewohnt mit leichtfüßigem Humor, sondern so zynisch und gallig wie in keinem anderen Werk. Die boshaften Dialoge und der respektlose Witz offenbaren eine neue Dimension in Allens Schaffen.

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Filmszene aus Lost Highway

Platz 8

Lost Highway

David Lynch | USA | 1997

In Lost Highway verwebt David Lynch zwei Albträume miteinander und entfesselt eine Tour de Force, die sich als lose Variation von Goethes Faust lesen lässt. Dabei bleibt der Plot eine postmoderne Abstraktion, die sich aus Film Noir-Versatzstücken ergibt. Surreale Einschübe und abstruse Figuren wie der ikonische Mystery Man brechen erzählerische Konventionen auf, auch die musikvideoartigen Bildcollagen und die unheilvolle Musik von Trent Reznor entheben das Geschehen bestehenden Maßstäben. Lost Highway bietet einen faszinierenden Trip durch die Abgründe des Horrorkinos.

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Filmszene aus Europa

Platz 7

Europa

Lars von Trier | Dänemark | 1991

Der Abschluss von Lars von Triers Europa-Trilogie ist ein wunderliches Kleinod, das es zu entdecken lohnt. Der Regisseur etabliert ein kafkaeskes Nachkriegsdeutschland und schubst einen jungen Eisenbahnschaffner zwischen die Fronten einer Verschwörung. Daraus zieht Europa eine präsente Paranoia und einen ungewöhnlichen Tonfall: Er kreuzt eine bedrohliche Stimmung mit latentem Humor, ohne uns in die Hintergründe des Plots oder der Pointen einzuweihen. Die ausgeprägte Stilisierung spiegelt sich auch visuell wider, insbesondere der Einsatz altmodischer Rückprojektionen verleiht Europa einen besonderen Charme.

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Filmszene aus Eyes Wide Shut

Platz 6

Eyes Wide Shut

Stanley Kubrick | USA | 1999

Der letzte Film von Stanley Kubrick nutzt Arthur Schnitzlers Traumnovelle für eine intime Bestandsaufnahme menschlicher Beziehungen. Getragen von der Chemie des damaligen Ehepaares Tom Cruise und Nicole Kidman, spürt Eyes Wide Shut den unterbewussten Sehnsüchten und Abgründen seiner Protagonisten nach. Dabei lässt er sich selbst nie ganz fassen und erreicht einen traumartigen Zustand: Das Geschehen befindet sich stets in der Schwebe, Möglichkeiten und Gefahren könnten sich ergeben oder waren nie vorhanden, die Bedeutung beiläufiger Dialoge bleibt unklar. Kubricks Vermächtnis bietet elegische Filmkunst, so offen und gleichzeitig in sich geschlossen wie ein Gedicht.

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Filmszene aus Perfect Blue

Platz 5

Perfect Blue

Satoshi Kon | Japan | 1997

Mit seinem Debütfilm Perfect Blue legte Satoshi Kon einen herausragenden Psychothriller vor, dessen Protagonistin zunehmend den Bezug zur Realität und zu ihrer Identität verliert. Nicht nur mit seiner Heldin, auch mit uns Zuschauern treibt der Animationsfilm für Erwachsene ein perfides Spiel: Er konfrontiert uns mit Déjà-vus, Träumen und einem Film im Film, bis sich die vielen Ebenen des Plots nicht mehr auseinanderdividieren lassen. Dabei fährt Kons Vexierspiel immer wieder neue Überraschungen auf und bleibt bis zur letzten Szene spannend.

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Filmszene aus Sieben

Platz 4

Sieben

David Fincher | USA | 1995

David Finchers Meilenstein Sieben lässt mehrere Genres kulminieren: In seinem Porträt polizeilicher Ermittlungen zählt er zum Kriminalfilm, die düstere Schwere erinnert an den Film Noir, die Spannungsszenen würden jedem Thriller zur Ehre gereichen und die religiös unterfütterten Bluttaten wenden sich dem Horrorkino zu. Fincher verbindet die Motive zu einem in sich geschlossenen Kunstwerk, das auf einem herausragenden Drehbuch, einer effektvollen Inszenierung und starken Schauspielern fußt. Die Konsequenz des schockierenden Finales sucht im US-Kino seinesgleichen.

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Platz 3

Matrix

Lana & Lilly Wachowski | USA | 1999

Matrix definiert das Nonplusultra für das Blockbusterkino seiner Zeit und besticht durch eine Vielzahl von Einflüssen, die dem Film eine für das Genrekino unübliche Tiefe verleihen. Die Wachowskis bedienen sich bei den Klassikern der Science-Fiction-Literatur, philosophischen und religiösen Texten sowie filmischen Vorläufern, um eine faszinierende Welt zu etablieren. Trotzdem kommt die Action nicht zu kurz; die Kombination des furiosen Hongkong-Kinos mit der Tricktechnik Hollywoods führt zu spektakulären Szenen und einem hohen Unterhaltungswert.

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Platz 2

Mann beißt Hund

Rémy Belvaux, Benoît Poelvoorde, André Bonzel | Belgien | 1992

Der belgische Skandalfilm Mann beißt Hund begleitet einen gewohnheitsmäßigen Mörder durch seinen Alltag und wählt dafür die Form einer Mockumentary. Anhand der dokumentarischen Aufmachung bindet uns die Satire eng an den Protagonisten (brillant: Benoit Poolvorde), der sich als geborener Selbstdarsteller erweist und seine Morde mit Charme und Witz auflockert. Der schwarze Humor bleibt uns aufgrund des drastischen Geschehens regelmäßig im Halse stecken, wodurch Mann beißt Hund unsere Sensationsgier spiegelt und sich kritisch mit der Unmöglichkeit objektiver Medien auseinandersetzt. Mit einfachsten Mitteln gelang den drei Beteiligten ein subversives Meisterwerk.

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Platz 1

Fight Club

David Fincher | USA | 1999

Mit Fight Club gelang David Fincher eine meisterhafte Adaption des Erfolgsromans von Chuck Palahniuk. Der Film trifft den hypnotisierenden Rhythmus der Vorlage und ihren untergründigen Humor, übernimmt die pointierten Dialoge und übersetzt den literarischen Stil auf geniale Weise in filmische Mittel. Finchers Inszenierung entfesselt den Plot regelrecht und erhält doch dessen Essenz: Die toxische Selbstermächtigung junger Männer, die ihr Abgehängtsein feiern und dem Kapitalismus den Krieg erklären, entwickelt sich bei Fincher noch stärker als in der Vorlage zu einer abseitigen Parallelgesellschaft. Die erzählerische und visuelle Qualität von Fight Club reicht dabei weit über das berühmte Ende der Geschichte hinaus.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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