Neu im Handel

2 Filme von Masahiro Shinoda

Packshot von 2 Filme von Masahiro Shinoda

Rapid Eye Movies macht sich ein weiteres Mal um den japanischen Film verdient und bringt zwei restaurierte Klassiker von Masahiro Shinoda ins Heimkino: Das Frühwerk Pale Flower und das Spätwerk Demon Pond.

Die Rubrik Neu im Handel stellt die beachtenswertesten Neuerscheinungen vor. Kennzeichnung: Filmsucht.org erhält Rezensionsexemplare.

Der Regisseur

Masahiro Shinoda zählte zu den führenden Vertretern einer neuen Generation von Regisseuren, die mit dem Vorkriegskino brach. Im Rahmen dieser Japanischen Neuen Welle drehte Shinoda für das Studio Shochiku eine Reihe von Filmen, die Merkmale des europäischen Kunstkinos auf japanische Themen anwandte.

Zu seinen bemerkenswertesten Arbeiten zählen das existenzialistische Gangsterdrama Pale Flower, das mit brechtianischen Effekten verfremdete Historiendrama Double Suicide und Samurai Spy, der das Sujet des klassischen Schwertkampffilms dekonstuiert.

Die Handlung spielt bei Shinoda eine eher untergeordnete Rolle. Der Regisseur suchte meist nach einer besonderen Formsprache: Insbesondere die sorgsam kadrierten Cinemascope-Bilder seiner frühen Schwarz-Weiß-Filme zeugen von Shinodas visueller Meisterschaft. Unterstützung fand er oft bei dem legendären Komponisten Tōru Takemitsu, der die Wirkung der Bilder durch seine charakteristische Musik noch verstärkte.

Mit dem Abebben der Neuen Welle wandte sich Masahiro Shinoda in der zweiten Hälfte seiner Karriere klassischeren Studioproduktionen zu, ohne seine Vorliebe für abstrakte Bilder und das klassische Theater zu negieren – Spätwerke wie Himiko und Demon Pond besitzen immer noch die visuellen Stärken früherer Werke.

Pale Flower

Filmszene aus Pale Flower

In Pale Flower verbindet Masahiro Shinoda seine europäischen Vorlieben mit ganz und gar japanischen Themen: Der Regisseur überträgt Motive aus Charles Baudelaires Gedichtbandklassiker Blumen des Bösen und den Existenzialismus eines Michelangelo Antonioni auf das Sujet des Yakuza-Films. Das fast ausschließlich in Großstadtnächten angesiedelte Drama nutzt den Gangsterfilm nur als Vorwand, um von einem Verbrecher zu erzählen, der sich von der Welt entfremdet hat. Shinoda taucht das pessimistische Porträt in pechschwarze Bilder, der charakteristisch-dissonante Score von Komponistenlegende Tōru Takemitsu liefert die passende Untermalung für diesen zeitlosen Klassiker.

Demon Pond

Filmszene aus Demon Pond

Zehn Jahre nach seiner formal beeindruckenden Puppenspiel-Adaption Double Suicide widmete sich Masahiro Shinoda erneut einem Bühnenklassiker, tauschte jedoch den Stil der Japanischen Neuen Welle gegen den eines Studio-Blockbusters. Demon Pond beruht auf einem Kabuki-Stück und war eine Prestige-Produktion von Shochiku. Shinodas Spätwerk überzeugt vor allem handwerklich: mit wunderschönen (Studio-)Bildern, einem effektgeladenen Finale und einer interessanten musikalischen Untermalung. Inhaltlich fällt Demon Pond allerdings diffus aus – die dezidiert japanische Folklore mutet nach westlichen Standards arg melodramatisch an und lässt narrative Stringenz vermissen.

Die Veröffentlichung

Rapid Eye Movies bringt die beiden Filme auf einer gemeinsamen Blu-ray heraus, die in einer hübschen Verpackung mitsamt Schuber steckt und seit dem 06.06. erhältlich ist.

Das frisch restaurierte Bildmaterial gibt sich keine Blöße und überzeugt auf ganzer Linie – sowohl die harten Schwarz-Weiß-Kontraste in Pale Flower als auch die Farbpracht von Demon Pond können sich sehen lassen. Auf der Tonspur hat sich Rapid Eye Movies wie gewohnt für die Ideallösung entschieden, beide Filme werden im japanischen Originalton mit deutschen Untertiteln präsentiert.

Leider enthält die Blu-ray kein Bonusmaterial, das ist aber angesichts des Alters der Filme nachvollziehbar; ein Booklet mit fachkundigen Texten hätte das Budget sicherlich nicht gesprengt, wurde aber nicht aufgelegt. Immerhin liegen einige Postkarten mit Motiven aus den Filmen bei.

Nichtsdestotrotz gibt diese Veröffentlichung viel Grund zur Freude – da leider auch Werke der wichtigsten japanischen Regisseure hierzulande als Nischenprodukt gelten, gilt es dankbar zu sein, dass Rapid Eye Movies solche Filme nach Deutschland holt. Für Fans japanischer Klassiker ist die Blu-ray Pflichtprogramm.

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