TV-Tipps

August 2020

Vom Sommerloch keine Spur: Das TV-Programm für den August bietet eine reichhaltige Auswahl und überzeugt besonders durch einige größere und kleinere deutsche Produktionen.

Die Rubrik TV-Tipps versucht, die immense Menge an TV-Ausstrahlungen zu kuratieren. Nur wenige Filme pro Monat werden berücksichtigt. Voraussetzung dafür sind Werbefreiheit und eine vernünftige Sendezeit.

Die fabelhafte Welt der Amélie

Jean-Pierre Jeunet | Frankreich | 2001

Filmszene aus Die fabelhafte Welt der Amélie

Die eigenwilligen Werke von Jean-Pierre Jeunet zeichnen sich durch eine enorme Detailverliebtheit und teils bizarre Filmwelten aus. Mit Die fabelhafte Welt der Amélie gelang dem Franzosen ein Welterfolg: Jeunet verzichtete auf seine üblichen Seltsamkeiten und inszenierte ein Großstadtmärchen, das zwischen Kitsch und Kunst changiert. Die visuelle Kreativität und die Magie der naiven Erzählung formen Die fabelhafte Welt der Amélie zu einem wunderbaren Feelgood-Film.

Am Sonntag, dem 02. August 2020, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Die Erbin

William Wyler | USA | 1949

Filmszene aus Die Erbin

Am 26. Juli ist eine der größten Schauspielerinnen des alten Hollywood verstorben – die zweimalige Oscar-Preisträgerin Olivia de Havilland brillierte besonders in Die Schlangengrube – und in Die Erbin. Die Romanadaption von William Wyler mutet inzwischen ein wenig altmodisch an, das Melodram in Gewand eines Historienfilms besticht jedoch durch großes Schauspiel: de Havilland trägt die Zerrissenheit ihrer Figur in jede Szene und Montgomery Clift überzeugt ebenfalls.

Am Montag, dem 03. August 2020, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Das Mädchen Rosemarie

Rolf Thiele | Deutschland | 1958

Filmszene aus Das Mädchen Rosemarie

Das Mädchen Rosemarie basiert auf wahren Begebenheiten und schildert, wie ein Callgirl mit den führenden Bürgern Frankfurts anbandelt und für einen Skandal sorgt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein piefiges Drama – Rolf Thiele inszeniert den Stoff als launiges Sittengemälde, das beschwingt die Doppelmoral des Bürgertums herausstellt. Der Film glänzt mit viel Zeitkolorit und namhaften Darstellern: Neben Nadja Tiller in der Hauptrolle überzeugen auch Mario Adorf und Gert Fröbe.

Am Montag, dem 10. August 2020, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Noch ein Hinweis: Direkt im Anschluss zeigt ARTE Akira Kurosawas Samurai-Abenteuer Die verborgene Festung – eine der maßgeblichen Inspirationen für George Lucas‘ ersten Star Wars-Film. Eine Ausstrahlung zur Prime Time wäre wünschenswert gewesen, durch den späten Start endet der Film lange nach Mitternacht.

Zwei glorreiche Halunken

Sergio Leone | Italien | 1966

Filmszene aus Zwei glorreiche Halunken

Zwei glorreiche Halunken ist der dritte Teil in Sergio Leones Dollar-Trilogie und zählt zu den besten Western der Kinogeschichte. Den Nihilismus der beiden „Vorgänger“ ersetzt Leone durch einen lockeren Tonfall: Der episodenhaft erzählte Plot versetzt die ständigen Konflikte der drei Protagonisten mit garstigem Humor und hohem Unterhaltungswert. Dabei nimmt der Western gigantische Ausmaße an, läuft rund 160 Minuten und liefert zahllose memorable Höhepunkte.

Am Samstag, dem 15. August 2020, um 20:15 Uhr auf SWR.

Filmkritik lesen

Vanilla Sky

Cameron Crowe | USA | 2001

Filmszene aus Vanilla Sky

Vanilla Sky ist das US-Remake von Alejandro Amenábars spanischem Erfolgsfilm Öffne die Augen. Tom Cruise musste lange um die Rechte kämpfen und ermöglichte Amenábar letztlich die Produktion des tollen Horrorfilms The Others.

Vanilla Sky erreicht zwar nie die sogartige Atmosphäre des spanischen Originals, der mysteriöse Plot verliert jedoch nichts von seiner Anziehungskraft. Als Zugabe gibt es namhafte Stars – Tom Cruise, Cameron Diaz, Penélope Cruz, Kurt Russell.

Am Sonntag, dem 16. August 2020, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Der Himmel über Berlin

Wim Wenders | Deutschland | 1987

Filmszene aus Der Himmel über Berlin

Mit Der Himmel über Berlin drehte Wim Wenders ein Gedicht in Filmform und schildert die Streifzüge eines für die Menschen unsichtbaren Engels durch das Berlin des Jahres 1987, unterlegt mit den Gedanken des Literaturnobelpreisträgers Peter Handke. Die elegischen Schwarz-Weiß-Bilder und der Verzicht auf eine Handlung verleihen dem Film eine große Besinnlichkeit. Die zweite Hälfte, mit dem Wechsel ins Reich der Lebenden (und hin zum Farbfilm), fällt im Vergleich etwas ab.

Am Sonntag, dem 16. August 2020, um 20:15 Uhr auf ONE.

Rosen für den Staatsanwalt

Wolfgang Staudte | Deutschland | 1959

Wolfgang Staudte zählt zu den spannendsten deutschen Regisseuren seiner Ära. in der Nachkriegszeit scheute er nicht davor zurück, den Finger in die Wunden des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte zu legen.

Rosen für den Staatsanwalt bietet dafür ein perfektes Beispiel: Die Satire widmet sich jenen Nazis, die nach dem Krieg zurück in die bürgerliche Gesellschaft fanden und unbescholten weiter in Amt und Würden lebten. Der Film bietet Witz und Kurzweil, besitzt dabei aber ein sardonisches Element, spiegelt er doch einen schmerzlichen Punkt der deutschen Nachkriegsgesellschaft wider.

Am Montag, dem 17. August 2020, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Paris, Texas

Wim Wenders | Deutschland | 1984

Filmszene aus Paris, Texas

Paris, Texas setzte den Schlusspunkt unter den Neuen Deutschen Film und gewann 1984 die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes. Das Drama ist von einer großen Melancholie geprägt und lässt uns über deren Ursache lange im Dunkeln, was für eine subtile Spannung sorgt. Wenders‘ kontemplative Inszenierung, die lakonische Musik von Ry Cooder und die sorgsam komponierten Bilder von Kameramann Robby Müller veredeln das Drehbuch von Sam Shepard. Dank der vielen Ausnahmekönner war Paris, Texas der bis dato in sich geschlossenste und beste Film des Regisseurs.

Am Montag, dem 17. August 2020, um 20:15 Uhr auf ONE.