TV-Tipps

Juli 2020

Im letzten Monat fielen die TV-Tipps noch aus, weil die wenigen in Frage kommenden Kandidaten nur zu später Stunde liefen. Auch im Juli herrscht im werbefreien Fernsehen Sommerflaute.

Überall im werbefreien Fernsehen? Nein! Eine kleines Sendedorf dicht an der französischen Grenze lässt sich nicht unterkriegen: ARTE hat ein fabelhaftes Programm zusammengestellt und zeigt u. a. mal wieder einige Klassiker, die es in Deutschland nicht zu kaufen gibt.

Die Rubrik TV-Tipps versucht, die immense Menge an TV-Ausstrahlungen zu kuratieren. Nur wenige Filme pro Monat werden berücksichtigt. Voraussetzung dafür sind Werbefreiheit und eine vernünftige Sendezeit.

Spartacus

Stanley Kubrick | USA | 1960

Filmszene aus Spartacus

Weil Kirk Douglas für die Hauptrolle in Ben Hur abgelehnt wurde, drehte er als Produzent und Hauptdarsteller kurzerhand sein eigenes Historienepos. Für den erst 31-jährigen Stanley Kubrick bedeutete Douglas‘ Allmacht eine eingeschränkte künstlerische Freiheit; vielleicht zählt Spartacus deshalb zu den schwächeren Arbeiten des Regisseurs.

Allerdings kann sich der Klassiker auf seine Starpower verlassen und profitiert von interessanten Nuancen im Drehbuch von Dalton Trumbo, der den antiken Sklavenaufstand als Sieg der Arbeiterklasse über das Großkapital konnotiert.

Am Sonntag, dem 05. Juli 2020, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Filmkritik lesen

Ich kämpfe um dich

Alfred Hitchcock | USA | 1945

Filmszene aus Ich kämpfe um dich

Der Thriller Ich kämpfe um dich thematisierte als einer der ersten Hollywoodfilme die Psychoanalyse Sigmund Freuds. Wenn er auch die Methodik reichlich esoterisch interpretiert, ergeben sich für Hitchcock einige schöne Möglichkeiten zur Spannungserzeugung. Neben dem tollen Hauptdarstellerduo Ingrid Bergman und Gregory Peck sind vor allem die Traumsequenzen aus der Feder von Salvador Dali bemerkenswert.

Am Montag, dem 06. Juli 2020, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Fitzcarraldo

Werner Herzog | Deutschland | 1982

Filmszene aus Fitzcarraldo

Werner Herzogs Opus magnum erzählt von einem Narr (Klaus Kinski), der ein Schiff über einen Berg ziehen lässt, um im südamerikanischen Dschungel eine Oper errichten zu können.

Die Magie des Films entsteht allerdings nicht aus der Handlung, sondern weil Fitzcarraldo selbst das Produkt einer wahnsinnigen Unternehmung ist. Die strapaziösen Dreharbeiten produzierten zahlreiche Legenden, die Auseinandersetzungen zwischen Herzog und Kinski zählen längst zur Folklore der Kinogeschichte. Aus diesem einzigartigen Betriebsklima erwuchs ein Film, der heutzutage undenkbar erscheint.

Am Montag, dem 06. Juli 2020, um 22:00 Uhr auf ARTE.

Filmkritik lesen

Mulholland Drive

David Lynch | USA | 2001

Filmszene aus Mulholland Drive

Vier Jahre nach seiner surrealen Faust-Variation Lost Highway legte David Lynch den nächsten Filmrausch nach: Mulholland Drive ist deutlich sperriger, aber auch noch rätselhafter und mysteriöser. Obwohl es sich nicht um einen Horrorfilm handelt, lässt Lynch die Traumfabrik Hollywood gekonnt ins Albtraumhafte kippen. Die starken Darsteller halten das episodenhafte Geschehen zusammen.

Am Sonntag, dem 19. Juli 2020, um 21:50 Uhr auf ARTE.

Gervaise

René Clément | Frankreich, Italien | 1956

Filmszene aus Gervaise

Es gibt unzählige Verfilmungen der Romane von Émile Zola – Gervaise zählt zu den besten. Es handelt sich um eine Passionsgeschichte, die im Paris des Jahres 1852 spielt: Die titelgebende Wäscherin lebt in prekären Verhältnissen und leidet unter der Ausbeutung der Männer in ihrem Leben. Trotzdem gibt die herzensgute junge Frau nicht auf und arbeitet unermüdlich, um ihr Schicksal zu überwinden.

Seine drastische Wirkung zieht der Film zu großen Teilen aus dem überragenden Spiel von Maria Schell, die zwischen den Gossengestalten regelrecht leuchtet. Schells Schauspielkunst und ihre Ausstrahlung prägen den Film, der uns das Herz schwer werden lässt, wenn das Lächeln der Protagonistin zu versiegen droht.

Am Montag, dem 27. Juli 2020, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Wo ist das Haus meines Freundes?

Abbas Kiarostami | Iran | 1987

Filmszene aus Wo ist das Haus meines Freundes

Mit Wo ist das Haus meines Freundes? gelang dem iranischen Regisseur Abbas Kiarostami der internationale Durchbruch. Der erste Film seiner Koker-Trilogie beeindruckt durch Simplizität. Mit einfachsten Mitteln versetzt uns der Regisseur zurück in die Welt eines Kindes: So schnell wie möglich muss der junge Protagonist einem Klassenkameraden ein Schulheft überbringen, um diesen vor dem Schulverweis zu retten.

Aus der einfach Prämisse und ohne jegliche Effekthascherei entwickelt Kiarostami eine nahezu in Echtzeit ablaufende Odyssee, die eine große Wahrhaftigkeit in sich trägt.

Am Montag, dem 27. Juli 2020, um 22:05 Uhr auf ARTE.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass ARD ebenfalls am 27.07. um 20:15 Uhr Three Billboards Outside Ebbing, Missouri zeigt, der bei vielen Filmfans großen Anklang fand. Ich stehe dem Film von Martin McDonagh (Brügge sehen und sterben) kritisch gegenüber, weil er sich seinen problematischen Themen wahlweise naiv oder zynisch nähert. Daher empfehle ich die beiden Filme auf ARTE, zumal diese in Deutschland noch unveröffentlicht sind.

Hier noch einmal die Übersicht:

05.07.2020 – Spartacus – 20:15 Uhr auf ARTE
06.07.2020 – Ich kämpfe um dich – 20:15 Uhr auf ARTE
06.07.2020 – Fitzcarraldo – 22:00 Uhr auf ARTE
19.07.2020 – Mulholland Drive – 21:50 Uhr auf ARTE
27.07.2020 – Gervaise – 20:15 Uhr auf ARTE
27.07.2020 – Wo ist das Haus meines Freundes? – 22:05 Uhr auf ARTE
27.07.2020 – Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – 20:15 Uhr auf ARD