TV-Tipps

November 2020

Einmal mehr zwingt uns Corona im November in die eigenen vier Wände, doch immerhin bietet das TV-Programm Fluchtmöglichkeiten.

Besonders das „ARTE FilmFestival“ – der Sender zeigt alle zwei Jahre Erstausstrahlungen seiner koproduzierten Werke – hat es in sich und beinhaltet u. a. die beiden besten deutschen Filme der letzten Jahre.

Tatsächlich gibt es in diesem Monat so viele Werke zu sehen, dass diese Rubrik eine kleine Änderung erfährt: Neben den ausdrücklichen Empfehlungen werden zukünftig weitere interessante Titel unkommentiert aufgeführt.

Die Rubrik TV-Tipps versucht, die immense Menge an TV-Ausstrahlungen zu kuratieren. Nur wenige Filme pro Monat werden berücksichtigt. Voraussetzung dafür sind Werbefreiheit und eine vernünftige Sendezeit.

Mediathekentipps

Auch die Mediathek von ARTE hält in diesem Monat einige spannende Möglichkeiten bereit:

Anlässlich von Halloween bietet der Sender zwei gegensätzliche Gialli an: Dario Argentos Terror in der Oper [Link] bewegt sich dicht am Horrorfilm, während Lucio Fulcis Die sieben schwarzen Noten [Link] näher am Kriminalfilm verortet ist.

Außerdem setzt ARTE seine nur online verfügbaren Themenschwerpunkte fort und ermöglicht eine kleine Retrospektive zum finnischen Autorenfilmer Aki Kaurismäki, dessen Kino sich durch die Verbindung von leisem Humor, Melancholie und Sozialkritik auszeichnen. Besonders Ariel – Abgebrannt in Helsinki und Der Mann ohne Vergangenheit kann ich empfehlen.

Django

Sergio Corbucci | Italien, Spanien | 1966

Filmszene aus Django

Django besticht durch eine apokalyptische Atmosphäre: Der Kultwestern von Sergio Corbucci spielt sich über weite Strecken in einem schlammigen Dorf ab und etabliert eine Welt voller Amoral und Gewalt. Der von Franco Nero eindringlich gespielte Protagonist passt perfekt in diese Umgebung – sein stoischer Nihilismus prägt den Film. Die laue Handlung ist hingegen nicht der Rede wert, Django konzentriert sich vornehmlich auf seinen rohen Stil und schmückt diesen bisweilen mit galligem Humor aus.

Am Freitag, dem 06. November 2020, um 22:45 Uhr auf BR.

Filmkritik lesen

21 Gramm

Alejandro González Iñárritu | USA | 2003

Mit seinem zweiten Spielfilm 21 Gramm drehte Alejandro González Iñárritu ein niederschmetterndes Drama, das mit Naomi Watts, Sean Penn und Benicio del Toro hochkarätig besetzt ist. Den Werdegang der drei Hauptfiguren inszeniert Iñárritu als packendes Vexierspiel: Er bricht das Geschehen auf Episoden herunter und verschachtelt ihre Chronologie. Durch die Trennung von Ursache und Wirkung entsteht eine spannende Dynamik.

Am Samstag, dem 07. November 2020, um 21:45 Uhr auf ONE.

Transit

Christian Petzold | Deutschland | 2018

Filmszene aus Transit

Christian Petzold adaptiert den gleichnamigen Roman von Anna Seghers mit einem besonderen Kniff: Der Film ist wie die Vorlage in der Ära des Zweiten Weltkrieges angesiedelt, das Produktionsdesign entspricht jedoch unserer modernen Umgebung. Somit spielt der Film nicht im Gestern und nicht im Heute, sondern in einer magischen Welt, wie sie nur im Kino möglich ist. Die paranoide Stimmung und die Anleihen an Casablanca zählen ebenfalls zu den Stärken von Petzolds großartigem Werk.

Am Montag, dem 09. November 2020, um 20:15 Uhr Uhr auf ARTE.

Filmkritik lesen

In den Gängen

Thomas Stuber | Deutschland | 2018

Wie Transit lief auch In den Gängen bei der Berlinale 2018 und besitzt mit Franz Rogowski denselben Hauptdarsteller. Hier spielt er einen verschlossenen jungen Mann, der einen Neuanfang wagt und dafür in der Nachtschicht eines Großmarktes anheuert. Der Film spielt größtenteils in der Markthalle, die Thomas Stuber als von der Außenwelt abgeschnittene Parallelgesellschaft inszeniert. In den Gängen überzeugt mit viel Charme, der durch die liebenswerten Figuren, leisen Humor und viel Kolorit entsteht, und besitzt eine große Wahrhaftigkeit.

Am Freitag, dem 13. November 2020, um 20:15 Uhr Uhr auf ARTE.

Die üblichen Verdächtigen

Bryan Singer | USA | 1995

Filmszene aus Die üblichen Verdächtigen

Der Low-Budget-Thriller Die üblichen Verdächtigen erlangte seine Berühmtheit durch einen effektvollen Twist, der die vermeintlich geradlinige Geschichte rückwirkend auf den Kopf stellt; dennoch sollte der Film von Bryan Singer nicht auf diese Wendung reduziert werden, denn er verfügt über deutlich mehr Stärken. Drehbuchautor Christopher McQuarrie erzählt hochgradig ökonomisch und verdichtet den Plot, wo er nur kann; die Anleihen an den Film Noir sorgen für Stimmung; die Darsteller um Kevin Spacey und Gabriel Byrne spielen ausgezeichnet.

Am Sonntag, dem 15. November 2020, um 20:15 Uhr Uhr auf ARTE.

Drive

Nicolas Winding Refn | USA | 2011

Filmszene aus Drive (2011)

Nicholas Winding Refns Neo-Noir Drive besticht durch eine enorme Stilsicherheit. Der dänische Regisseur paart die lakonische Coolness eines Jean-Pierre Melville mit den kompromisslosen Gewalteruptionen eines Sam Peckinpah und kleidet das Geschehen in betörende Bilder. Der entrückte Soundtrack und das Underacting von Ryan Gosling betonen, dass Drive sich trotz der Brutalität dichter am Melodram als am Thriller-Genre bewegt.

Am Montag, dem 23. November 2020, um 21:55 Uhr auf ARTE.

Hier noch einmal die Übersicht:

Empfehlungen:

06.11.2020 – Django – 22:45 Uhr auf BR
07.11.2020 – 21 Gramm – 21:45 Uhr auf ONE
09.11.2020 – Transit – 20:15 Uhr auf ARTE
13.11.2020 – In den Gängen – 20:15 Uhr auf ARTE
15.11.2020 – Die üblichen Verdächtigen – 20:15 Uhr auf ARTE
23.11.2020 – Drive – 21:55 Uhr auf ARTE

Einen Blick wert:

01.11.2020 – The Dead Zone – 20:15 Uhr auf ARTE
01.11.2020 – Die sieben schwarzen Noten – 22:50 Uhr auf ARTE
02.11.2020 – Anatomie eines Mordes – 22:00 Uhr auf ARTE
15.11.2020 – High Life – 21:55 Uhr auf ARTE
16.11.2020 – Cold War – 20:15 Uhr auf ARTE
21.11.2020 – Kap der Angst – 22:00 Uhr auf ZDF Neo