Wenn die Gondeln Trauer tragen

Regie: | Jahrzehnt: | Genre: ,


Filmkritik:

Obwohl sich Wenn die Gondeln Trauer tragen überhaupt nicht für konventionelle Spannungselemente interessiert, sondern sich beinahe ausschließlich dem Innenleben seiner Figuren widmet, zählt Nicolas Roegs Werk zu den Klassikern der Horrorfilmgeschichte. Roeg, der ohnehin lieber ungewöhnliche Filme abseits konventioneller Normen dreht, inszeniert sein subtiles Horrordrama in Venedig, das gewissermaßen die Hauptrolle spielt – die Lagunenstadt wirkt allerdings ganz und gar nicht romantisch, sondern kalt, grau und muffig, die vielen kleinen Gassen erwecken den Eindruck einer labyrinthischen Gruft, durch die die Protagonisten irren.

Der Horror von Wenn die Gondeln Trauer tragen äußert sich subtil, in den hilflosen Blicken seiner Figuren, in Sätzen, die gesagt und nicht gesagt werden, durch die wunderbare musikalische Untermalung und die mystische Grundstimmung, die unheilschwanger über allem schwebt. Dass der Film trotz seines schweren Gestus nicht aufgesetzt wirkt, verdankt er vor allem seinem Hauptdarstellerduo: Donald Sutherland und Julie Christie spielen überragend und bringen Wärme und Menschlichkeit in das düstere Grau. Erst ihre Natürlichkeit und Intimität ermöglicht es Roeg, die konträre Stimmung Venedigs aufzubauen, die Figuren darin einzuschließen und auch das Publikum entsprechend einzubeziehen.

Dramaturgisch fällt Wenn die Gondeln Trauer tragen unorthodox aus. Er erklärt wenig und lebt von seinen Andeutungen, ist ein Film der Stimmungen, nicht der Handlungen und benötigt trotz aller handwerklichen Raffinesse etwas Geduld, belohnt dann jedoch mit einer ungewöhnlichen Filmerfahrung.

Handlung:

Nachdem die geliebte Tochter in einem Teich ihres englischen Landsitzes ertrank, kommen John und Laura Baxter nach Venedig. Hier passieren mysteriöse Dinge. Der Geist des toten Kindes scheint auf die Erde zurückgekehrt, um die Eltern vor den tödlichen Gefahren der Lagunenstadt zu warnen. Laura gerät ganz in den Bann dieser unheimlichen Visionen. Was geschieht aber, wenn John die warnenden Signale aus dem Reich der Toten ignoriert? Kann das Paar sich noch länger den drohenden Folgen entziehen, in welche es durch die Voraussagen der geheimnisvollen, blinden Hellseherin verstrickt wurde?

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Foto von Tom Schünemann

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2 Comments

  1. robert @filmkuratorium.de 21. September 2015 at 11:07 - Reply

    Das ist eine ziemlich treffende Beobachtung, wie der Film die romantische Stadt als „labyrinthische Gruft“ umdeutet!

    • Tom 22. September 2015 at 15:32 - Reply

      Das freut mich, danke. Es war auf jeden Fall hilfreich, dass ich den Film während eines Venedig-Urlaubs geschaut habe. 😉

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