Adrian Lyne wagte sich 1997 an die unmögliche Aufgabe, einen unverfilmbaren Klassiker der Weltliteratur zu adaptieren und sich dabei auch noch an Stanley Kubrick messen zu lassen. Die zweite Verfilmung von Vladimir Nabokovs Lolita besitzt einige wunderbare Einzelszenen und übernimmt viel Text aus dem Roman, auch die Darsteller überzeugen durch die Bank weg. Dennoch funktioniert Lynes Lolita nicht recht: Paradoxerweise bewegt sich der Film dicht am Text, aber entfernt sich vom Inhalt. Die Manie des Protagonisten bleibt vage, stattdessen setzt der Regisseur auf eine Kamera, die uns ständig dem Blick des Pädophilen unterwirft. Diese Direktheit steht im Widerspruch zu Lolitas Werdegang, der deutlich selbstbestimmter als im Roman verläuft und Nabokovs Version damit auf den Kopf stellt.