Der freie Wille

Filmkritik: Der freie Wille wagt sich an ein heikles Sujet und entwirft ein beinahe dreistündiges Psychogram eines Triebtäters, der nach der Haftentlassung mit seiner Krankheit kämpft. Der von Co-Produzent Jürgen Vogel überragend gespielte Theo Stoer ist völlig kaputt, wie uns der bedrückende Beginn des Films eindringlich aufzeigt, weil er direkt mit einer unangenehmen Vergewaltigung startet. Hier sehen wir [...]

Närrische Weiber

Filmkritik: Närrische Weiber ging in die Geschichte ein als der erste Film, der das Filmstudio Universal mehr als eine Million Dollar gekostet hat. Da mutet es bemerkenswert an, dass Regisseur und Drehbuchautor Erich von Strohheim inhaltlich keineswegs auf Nummer sicher ging, sondern mit seiner frivolen Geschichte um einen lasterhaften Betrüger (auch hier wieder: Multitalent von Strohheim), der das [...]

I Will Buy You

Filmkritik: I Will Buy You zählt noch zum Frühwerk von Masaki Kobyashi, der ein gewohnt gesellschaftskritisches Szenario auffährt und hinter die Kulissen des japanischen Volkssportes Baseball schaut. Der Film handelt vom Wettbieten der Vereine um einen hoch talentierten Studenten und schildert die zahllosen Anwerbungsgespräche aus der Sicht eines Talentsuchers, der für einen der Klubs tätig ist. Das professionelle [...]

Das Irrlicht

Filmkritik: In David Finchers Meisterwerk Fight Club schlug sich ein gewisser Tyler Durden mit gelangweilten Mittelstandsmännern, in American Psycho ermordete Patrick Bateman unbedeutende Unbekannte - beide Filme beruhen auf postmodernen Romanen, die sich auf ihre Art mit der inneren Leere der vom modernen Leben konditionierten Figuren auseinandersetzen. Doch diese Symptomatik tritt nicht nur in unserer heutigen Gesellschaft zutage; [...]

Barry Lyndon

Filmkritik: Unter den vielen Meisterwerken von Stanley Kubrick fristet Barry Lyndon eher ein Schattendasein, während die allgemeine Aufmerksamkeit sich in der Regel auf die effektvolleren Filme wie Uhrwerk Orange oder 2001: Odyssee im Weltraum richtet. Das ist schade, denn Barry Lyndon hat durchaus einiges zu bieten. Der Titel des Films sollte derweil nicht zu der Annahme verleiten, Kubricks [...]

American Psycho

Filmkritik: Anstatt lediglich die Floskel des unverfilmbaren Romans zu bemühen - denn genau das ist American Psycho, das Meisterwerk von Bret Easton Ellis - soll in dieser Filmkritik auch detaillierter auf das Buch eingegangen werden, um ein besseres Verständnis des Films zu ermöglichen. Nachfolgend wird der Titel der besseren Unterscheidbarkeit halber ausschließlich dann fett geschrieben, wenn vom Film [...]

Picknick am Valentinstag

Filmkritik: Der australische Klassiker Picknick am Valentinstag zählt zu den ungewöhnlichsten Horrorfilmen der Kinogeschichte und basiert auf wahren Begebenheiten: Am Valentinstag des Jahres 1900 verschwanden beim Ausflug eines Mädcheninternats einige Personen einfach - ohne Spur, ohne ersichtlichen Grund, ohne Hinweise. Nach der Hälfte der Spielzeit formuliert eine der Figuren den prophetischen Satz "Auf manche Fragen lassen sich keine [...]

Bitterer Reis

Filmkritik: Bitterer Reis zählt zu den Vertretern des Italienischen Neorealismus, transportiert seine Gesellschaftskritik jedoch im Gegensatz zu den anderen Werken der Strömung weniger nüchtern und dokumentarisch, sondern setzt deutlicher auf Krimi-Elemente, Melodramatik und die Reize seiner Hauptdarstellerinnen. Der Film von Giuseppe De Santis schildert das Leben der Mondinas, den Saisonarbeiterinnen auf den Reisfarmen Norditaliens. Die Frauen arbeiteten unter [...]

Michael (2011)

Filmkritik: Das österreichische Drama Michael wagt sich an ein heikles Thema und schildert das mehrere Monate andauernde „Zusammenleben“ eines Pädophilen und eines entführten Jungen. Es ist ein schmaler Grad, auf dem Regisseur Markus Schleinzer da wandelt. Er könnte den Täter dämonisieren und den Plot dramatisieren, zur leichteren Konsumierbarkeit, oder aber möglichst realistisch und vorurteilsfrei beobachten, was wiederum der [...]

Das Turiner Pferd

Filmkritik: Mit Das Turiner Pferd schloss einer der großen Formalisten des Weltkinos seine Karriere ab - der ungarische Filmemacher Béla Tarr fährt ein letztes Mal alles auf, was ihn mit der Riege von transzendenten Regisseuren wie Carl-Theodor Dreyer, Robert Bresson und Andrei Tarkowski in Verbindung bringt und entfesselt nicht weniger als den Untergang der Welt. Aufgeteilt in sechs [...]