Man könnte meinen, Der Dialog sei ein klassischer Kriminalfilm oder zähle gar zu den typischen Paranoiathrillern der Siebziger Jahre, doch im weiteren Verlauf entpuppt sich der Klassiker von Francis Ford Coppola als Drama und Charakterstudie, für die der Plot eher ein Mittel zum Zweck darstellt. Dabei nimmt uns der Film geschickt mit auf eine Reise in die Welt seines Protagonisten, die aus grauen, kahlen Bildern besteht und keinerlei Schauwerte bietet.

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Filmkritik:

Das spricht Bände über den Mann, der von Gene Hackman wunderbar verbissen und eigenbrötlerisch dargestellt wird: Harry Caul kann nicht heraus aus seiner Haut, ist einsam und fokussiert sich auf den objektiven Kern seiner Arbeit. Hier muss er nur sehen und hören, aber nicht werten oder fühlen. Emotional gesehen bewegt sich Caul ausschließlich auf sicherem Terrain, wo er sein Tun, seine Moral und letztlich sein ganzes Wesen nicht zu hinterfragen braucht.

Doch dann kommt alles anders und Der Dialog schildert reduziert und mit winzigen Details die sich vollziehenden Veränderungen – Caul verliert mehr und mehr seine sichere, objektive Perspektive und bekommt Probleme mit seiner Arbeit und sich selbst.

An dieser Stelle entpuppen sich die vermeintlich interessanten Krimielemente als irrelevant, unspannend und fad, konnotieren damit Cauls Erleben, dem nach und nach alle seine Prinzipien und Werte verlustig gehen. Übrig bleiben nur eine bleierne Atmosphäre und die Paranoia eines einsamen Mannes, hinter dessen Professionalität nichts Lebenswertes mehr steckt.

Nach seinem großen Erfolg mit Der Pate II konnte Francis Ford Coppola sein Wunschprojekt mit viel Einfluss umsetzen. Er zeichnet sich als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent verantwortlich und schuf sein Drama mit europäischen Stilmitteln, die an Filme von Michelangelo Antonioni erinnern.

Dabei funktioniert Der Dialog vor allem im Kopf des Publikums, denn der Plot selbst bleibt überaus simpel und rudimentär, die Kamera beobachtet den Protagonisten unpersönlich und distanziert – es liegt beim Zuschauer, die Nuancen in der Entwicklung von Hackmans Figur zu identifizieren und seinen Auftrag zu entschlüsseln.

Vor allem nach der Schlusspointe, die in der deutschen Synchronfassung sogar regelrecht zerstört wird, lässt Coppola wichtige Fragen offen und fasziniert über den Abspann hinaus – Der Dialog mag zwischen den Pate-Filmen und Apocalypse Now klein wirken, zählt aber zu den großen Werken seiner Zeit.

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DER REGISSEUR

Francis Ford Coppola eroberte die Filmwelt schon im Alter von 31: Mit einer Reihe von Meisterwerken machte sich der Regisseur in den Siebziger Jahren unsterblich. Als führender Vertreter einer neuen Generation von Filmemachern ließ er sich trotz seines Erfolgs nicht vom Studiosystem vereinnahmen und gründete früh seine eigene Produktionsfirma. Dank dieser Freiheit konnte er „kleine“ Filme drehen und aufstrebende Jungregisseure fördern.

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DAS GENRE

Der Dramabegriff dient als Auffangbecken für Filme, die sich keinem spezifischerem Genre zuordnen lassen. Dementsprechend viele Schattierungen ergeben sich: vom Sozial- über das Gesellschaftsdrama, das Melodram und die Tragikomödie. Die Gemeinsamkeiten dieser Subgenres liegen in realistischen, konfliktreichen Szenarien und einer Konzentration auf die Figuren.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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