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Die neuesten Filmkritiken

Armee im Schatten

Nach einer Reihe meisterhafter Gangsterfilme überführte Jean-Pierre Melville sein Lieblingssujet in die Ära des Zweiten Weltkrieges. Armee im Schatten schildert den aussichtslosen Kampf der französischen Résistance ohne jeden Heroismus - sein bleierner Thriller imponiert mit einem durchdringenden Fatalismus.

Filmszene aus Armee im Schatten

Der Mann, der zweimal lebte

Mit Der Mann, der zweimal lebte schloss John Frankenheimer seine Paranoia-Trilogie ab und formulierte eine Absage an den American Dream. Dafür verbindet der Regisseur den Plot eines B-Movies mit der Ästhetik des europäischen Kunstkinos — sein unorthodoxer Hybrid überzeugt durch inhaltliche Konsequenz und radikale Form.

Filmszene aus Der Mann, der zweimal lebte

Psycho

Psycho lebt nicht von Stars und Schauwerten, sondern vom puren Genius Alfred Hitchcocks. Der Master of Suspense erfand sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere neu: Anstatt weiter elaborierte Großprojekte zu drehen, adaptierte er einen B-Movie-Stoff. Sein "kleines" Meisterwerk schockte das Publikum und setzte den Grundstein des modernen Horrorkinos.

Filmszene aus Psycho

Short Cuts

Nach einem Jahrzehnt in der Versenkung meldete sich Robert Altman zu Beginn der Neunziger Jahre zurück. Der eigenwillige Regisseur drehte mit Short Cuts ein spätes Meisterwerk und gewann den Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig.
Filmszene aus Short Cuts

Apocalypse Now

Apocalypse Now steht beispielhaft für das kompromisslose Filmemachen und den unangepassten Geist des New Hollywood-Kinos. Francis Ford Coppolas Antikriegsfilm gewann bei den Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme und hat sich mit ikonischen Szenen in das kollektive popkulturelle Gedächtnis eingebrannt.

Filmszene aus Apocalypse Now

Das große Fressen

Das große Fressen sorgte bei den Filmfestspielen in Cannes für Kontroversen und zählt zu den populärsten Skandalfilmen der Siebziger Jahre. Im Gegensatz zu vielen ähnlich gelagerten Werken seiner Ära hat Ferreris Tragikomödie bis heute nicht an Relevanz eingebüßt - seine Kritik an der Konsumkultur ist aktueller denn je.

Filmszene aus Das große Fressen

Pale Flower

Pale Flower erhebt einen Gangsterfilm zur existenziellen Zustandsbeschreibung: Für seinen Klassiker der Japanischen Neuen Welle ließ sich Masahiro Shinoda von europäischen Einflüssen inspirieren und drehte ein pessimistisches mood piece, das einsame Großstadtnächte in elegischen Bildern einfängt.
Filmszene aus Pale Flower

Die Narbenhand

Der frühe Film Noir Die Narbenhand schuf das Rollenbild des einsamen Auftragskillers und etablierte so den ersten Antihelden der Filmgeschichte. Der 78 Minuten kurze B-Thriller lieferte damit die Vorlage für zahllose Ikonen des Kinos und überrascht mit einer für damalige Verhältnisse ungewohnten Härte.
Filmszene aus Die Narbenhand

Der Dialog

In Der Dialog entwirft Francis Ford Coppola die Charakterstudie eines Abhörspezialisten, dessen geordnete Welt aus den Fugen gerät. Obwohl Coppolas Paranoia-Thriller auf Effekthascherei verzichtet, entwickelt sein Film eine untergründige Spannung: Hinter der vermeintlichen Alltäglichkeit des Geschehens gären mysteriöse Vorgänge.
Filmszene aus Der Dialog

Frau im Mond

Mit Frau im Mond drehte Fritz Lang den letzten großen deutschen Stummfilm. Sein Science-Fiction-Epos bemühte sich in einem völlig neuen Ausmaß darum, den aktuellen Stand der Wissenschaft zu berücksichtigen. Die detaillierte Darstellung einer Reise zum Mond lieferte die Blaupause für moderne Science-Fiction-Filme wie 2001 oder Ad Astra.

Filmszene aus Frau im Mond

Irreversibel

Irreversibel ist nach wie vor der Skandalfilm dieses Jahrtausends. Dieser Ruf wird Gaspar Noés rückwärts erzähltem Meisterwerk jedoch nicht gerecht - zwar handelt es sich um einen drastischen Film für mündige Zuschauer, dabei setzt sich Irreversibel jedoch auf brillante Weise mit filmischer Gewalt auseinander.

Filmszene aus Irreversibel

Ugetsu – Erzählungen unter dem Regenmond

Ugetsu zählt zu den zentralen Werken der goldenen Ära des japanischen Films und ist ein Herzstück in der Filmografie von Kenji Mizoguchi. Mit seinem eleganten Inszenierungsstil trug der Regisseur entscheidend dazu bei, das japanische Kino im Westen populär zu machen.
Filmszene aus Ugetsu – Erzählungen unter dem Regenmond

Taxi Driver

Mit Taxi Driver drehte Martin Scorsese einen herausragenden Vertreter des New Hollywood-Kinos und setzte einen Fixpunkt der amerikanischen Filmgeschichte. Sein Drama verbindet das Erbe des Film Noir mit einer europäischen Inszenierung und entwickelt dabei eine Sogwirkung, die sich bis heute zeitlos hält.
Filmszene aus Taxi Driver

Vierundzwanzig Augen

Vierundzwanzig Augen zählt zu den renommiertesten Klassikern des japanischen Kinos - aber nur in Japan selbst, international ist der Film von Keisuke Kinoshita weniger populär. Eine Entdeckung lohnt es sich ungemein: Kinoshita nutzt die Mittel des Melodrams für einen niederschmetternden Antikriegsfilm.
Filmszene aus Vierundzwanzig Augen

Der eiskalte Engel

Mit Der eiskalte Engel inszenierte Jean-Pierre Melville einen Klassiker des französischen Kinos und etablierte einen der ersten Antihelden der Kinogeschichte. Melvilles unterkühlter Kriminalfilm zeichnet sich durch einen beinahe romantischen Fatalismus aus und beeinflusste bis heute unzählige Filmemacher.
Filmszene aus Der eiskalte Engel

Die Zeit mit Monika

In Die Zeit mit Monika führte Ingmar Bergman eine Reihe von eher leichteren Filmen fort, die im Sommer angesiedelt sind. Der Coming-of-Age-Film nutzt die Jahreszeit als Sinnbild jugendlicher Freiheit, die zwangsläufig enden muss, er ist Liebesfilm und Drama zugleich.
Filmszene aus Die Zeit mit Monika

Pulse

In Pulse vereint Kiyoshi Kurosawa einmal mehr Horrorfilm und Kunstkino: Der Regisseur verbindet den Topos des Geisterfilms mit der neuen Digitalität der Menschheit und formt daraus ein Endzeitszenario, das auch ohne grelle Schockmomente eine verstörende Wirkung erzeugt.
Filmszene aus Pulse

Wege zum Ruhm

Im Alter von nur 28 Jahren drehte Stanley Kubrick einen Klassiker des Antikriegsfilms: Wege zum Ruhm zeigt anhand von beeindruckenden Massenszenen die Grabenkämpfe des Ersten Weltkrieges, um in der zweiten Filmhälfte die Unmenschlichkeit der Generalität anzuklagen.
Filmszene aus Wege zum Ruhm

Oppenheimer

Mit Oppenheimer zeichnet Christopher Nolan das Leben des "Vaters der Atombombe" nach und versucht seinen typischen Erzählstil mit den Konventionen des Biopics in Einklang zu bringen. Das gelingt dem ehrgeizigen Filmemacher nur in Ansätzen - ausgerechnet der erzählerische Aspekt des Films enttäuscht.
Filmszene aus Oppenheimer

Der siebte Geschworene

Der siebte Geschworene pendelt zwischen Dürrenmatt und Dostojewski: Er offenbart anhand eines Mordfalls die Doppelmoral einer Kleinstadt und seziert das Innenleben des Mörders. Die Adaption des Romans von Francis Didelot besticht durch ihre Beobachtungsgabe und einen exzellenten Hauptdarsteller.
Filmszene aus Der siebte Geschworene

In the Mood for Love

In In the Mood for Love trieb Wong Kar-Wai seinen Stilwillen auf die Spitze: Der Regisseur inszeniert ein in losen Episoden erzähltes Liebesdrama als melancholischen Bilderrausch und feiert die Kunst des visuellen Erzählens. Sein Werk zählt inzwischen zu den renommiertesten Filmen des 21. Jahrhunderts.
Filmszene aus In the Mood for Love
Foto Tom Schünemann

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.
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