Die Narbenhand

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Filmkritik:

Das 78 Minuten kurze B-Movie Die Narbenhand zählt zu den frühen Vertretern des Film Noir und sorgte wegen eines Alleinstellungsmerkmals für Diskussionen unter Zeitgenossen: Statt eines positiv besetzten Protagonisten rückt der Thriller als erstes Werk der Filmgeschichte einen Antihelden in den Mittelpunkt und schuf damit das Rollenbild des so einsamen wie brutalen Auftragskillers, der später in ikonografischer Ausführung Klassiker wie Der eiskalte Engel, Blast Of Silence und Leon – Der Profi bevölkern sollte.

Insbesondere der kompromisslose Auftakt des Films etabliert einen bis dato nie da gewesenen Tonfall. Bereits nach zwei Minuten Spielzeit schlägt der Auftragsmörder Philip Raven die Putzfrau seines Apartments wegen einer Bagatelle und besucht anschließend einen Kunden, der bei seinem Auftraggeber in Ungnade gefallen ist. Vollkommen routiniert und ohne jegliche Gefühlsregung erschießt er sein Opfer und die zufällig anwesende Sekretärin des Mannes.

Wie kann so jemand – 20 Jahre, bevor der Typus des Antihelden durch Yojimbo und Für eine Handvoll Dollar populär wurde – als Hauptfigur in einem Hollywoodfilm dienen?

Für die konsequente Ausgestaltung eines Schurken als Sympathieträger war die Zeit noch nicht reif – die Kinoindustrie versuchte, dem Zweiten Weltkrieg positive Bilder entgegenzusetzen. Erst Jahre später wagte sich der Film Noir in seinem dritten und letzten Abschnitt an thematische Übersteigerungen und exzessivere Figuren. Daher entschärft das auf einer Geschichte von Graham Green (Der dritte Mann) basierende Drehbuch seinen Protagonisten nach dem harten Auftakt nach und nach.

Aufgrund der kurzen Spielzeit kommt die Handlung schnell auf den Punkt: Der Killer wird von seinen Auftraggebern gelinkt und richtet sich nun gegen sie, was ein gewisses moralisches Gleichgewicht schafft – ein Gangster, der es nicht mehr auf Unschuldige, sondern auf andere Gangster abgesehen hat, erweist sich als deutlich tragfähiger. Durch eine tragische Kindheitsanekdote erhält die Gesinnung der Hauptfigur ein erklärendes Fundament und mit der wie so oft in ihrer Karriere bezaubernden Veronica Lake als Love Interest etabliert das Script eine Figur, die dem Bad Guy gewissermaßen die Absolution erteilen kann.

Auch abseits dieser allerersten Antihelden-Variante überzeugt Die Narbenhand und reiht effektiv Konfliktszenarien und Spannungsszenen aneinander. Das Charisma des aufstrebenden Hauptdarstellers Alan Ladd trägt den Film und die Chemie zwischen ihm und Veronica Lake erwies sich als derart stimmig, dass das Duo mit Der gläserne Schlüssel und Die blaue Dahlie weitere sehenswerte Noirs drehte.

Regisseur Frank Tuttle erwarb sich über viele Jahre bei Paramount den Ruf eines versierten Handwerkers. Er inszeniert Die Narbenhand ohne Makel, forciert allerdings nicht die noch im Entstehen befindliche visuelle Ästhetik des Film Noir, weshalb sein Werk nicht den typischen Low-Key-Look späterer Vertreter der Schwarzen Serie aufweist. Der hohe Unterhaltungswert, die guten Darsteller und die ökonomische Narration sorgen dennoch für ein gelungenes Filmerlebnis.

Handlung:

Der Auftrags-Killer Philip Raven ist ein abgebrühter Profi, doch als er nach einem Mord von seinem Auftraggeber hintergangen wird, ist die Polizei kurz davor, ihn zu fassen. Noch während seiner Flucht plant Raven seine Vergeltung, die über die hübsche Angestellte seines Bosses führt…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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