1948 wagte Alfred Hitchcock einen besonderen Versuch: Er wollte Cocktail für eine Leiche so inszenieren wie das zugrunde liegende Theaterstück: Nicht nur sollte sich die Handlung ausschließlich in einem Raum abspielen und in Echtzeit stattfinden, der Master of Suspense entwickelte auch die Idee, ohne sichtbare Schnitte zu arbeiten, damit alles wie aus einem Guss wirkt. Selbst dem perfektionistischen Hitchcock mag die Tragweite dieser Entscheidung zunächst nicht klar gewesen sein – die Dreharbeiten erwiesen sich als äußerst kompliziert.

Copyright

Filmkritik:

Cocktail für eine Leiche umfasst lediglich elf Einstellungen, wobei die zentralen Szenen rund zehn Minuten am Stück laufen, weil spätestens dann die Filmrollen der Kamera gewechselt werden mussten. Die Darsteller spielten wie im Theater ohne Pause und vollführten dabei ein strikt durchkomponiertes Ballett mit der Kamera und den Technikern, die außerhalb des Bildausschnittes mit Beleuchtungs- und Tonelementen sowie den lautlos bewegbaren Requisiten Schritt halten mussten.

Als wäre der kühne Plan eines schnittlosen Films nicht schon schwierig genug, entschied sich Hitchcock außerdem, zum ersten Mal in seiner Karriere in Farbe zu drehen. Insbesondere die im Vergleich zu schwarz-weißen Werken gänzlich unterschiedliche Beleuchtung verursachte ein Problem: Nach dem Abschluss der Dreharbeiten störte sich der Regisseur an der orangefarbenen Lichtsetzung, die den Sonnenuntergang widerspiegeln sollte, Hitchcock jedoch viel zu penetrant erschien. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als mehr als die Hälfte des Films erneut zu drehen.

Inhaltlich betritt Hitchcock hingegen gewohntes Terrain und arbeitet sich einmal mehr an einem seiner Lieblingsthemen ab – dem perfekten Mord. Dennoch ist Cocktail für eine Leiche kein packender Krimi, sondern gleicht eher einer trockenen schwarzen Komödie. Nicht nur kann die Prämisse des Films – zwei Studenten nehmen Nietzsches Theorie vom Übermenschen absurd wörtlich und begehen als bloßes Exempel einen Mord – nicht ernst genommen werden, auch der Plot selbst gleicht eher einer launigen Seifenoper, wenn die beiden Mörder zur gepflegten Party laden.

Doch obwohl das Theaterstück genügend Subtexte und Auseinandersetzungen bereithält, spielt Hitchcock kaum etwas davon aus. Weder interessiert sich der Regisseur besonders für die homosexuellen Konflikte zwischen den beiden Tätern, noch thematisiert er die besondere freudianische Beziehung zu ihrem Professor; selbst der in einer Truhe ruhende Tote verkommt zum rein vordergründigen Spannungselement.

Der 80 Minuten kurze Film erhält zwar in jedem Moment eine Grundspannung aufrecht, doch das oberflächliche Geplapper der Figuren wandelt sich nie zur thematischen Auseinandersetzung. Die technisch penible Ausführung lässt die inhaltlichen Elemente des Films zu starren Phrasen verkommen.

In der berühmten Interviewreihe mit nannte der im Nachhinein unzufriedene Hitchcock seinen Versuch „idiotisch, aber verzeihlich.“ Auch James Stewart, der als Professor Rupert Cadell über weite Strecken blass bleibt, missfiel das Ergebnis. Bei allem technischen Anspruch, dem die Beteiligten mit großer Finesse gerecht werden, bleibt Cocktail für eine Leiche eine letztlich oberflächliche Stilübung.

0
1-Klick-Suche bei Amazon

DER REGISSEUR

Alfred Hitchcock ist wohl der bekannteste Regisseur der Welt. Diesen Ruf erwarb sich der Brite mit einer cleveren Selbstvermarktung, aber auch durch unzählige Meisterwerke. Im Lauf seiner 50-jährigen Karriere sicherte sich Hitchcock eine größtmögliche künstlerische Freiheit und schuf dank seiner handwerklichen Brillanz fesselnde Krimis und Thriller, die ihm den Beinamen „Master Of Suspense“ einbrachten.

Entdecke den Regisseur

DER REGISSEUR

Alfred Hitchcock ist wohl der bekannteste Regisseur der Welt. Diesen Ruf erwarb sich der Brite mit einer cleveren Selbstvermarktung, aber auch durch unzählige Meisterwerke. Im Lauf seiner 50-jährigen Karriere sicherte sich Hitchcock eine größtmögliche künstlerische Freiheit und schuf dank seiner handwerklichen Brillanz fesselnde Krimis und Thriller, die ihm den Beinamen „Master Of Suspense“ einbrachten.

Entdecke den Regisseur

DAS GENRE

Der Kriminalfilm zählt aufgrund unterschiedlichster Ausprägungen zu den breitesten Genres. Die sogenannten Whodunnits beschäftigen sich mit der Täterfindung in einem einzelnen Fall; ebenso zählen die fatalistischen Detektivgeschichten des Film Noir zum Genre. Nicht zu vergessen sind Werke aus der gegensätzlichen Perspektive: Die Heist- und Gangsterfilme machen einen wesentlichen Teil des Krimigenres aus.

Entdecke die Filme des Genres

Auch aus diesem Genre:

Auch aus diesem Genre:

Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

ÜBER DIE SEITE

Filmsucht.org

Neu hier?
Die Mission
Toms Geschichte

Entdecke 32 großartige Geheimtipps.

Mit FilmsuchtPLUS.

Abo starten
mehr Infos