Cocktail für eine Leiche umfasst lediglich elf Einstellungen, wobei die zentralen Szenen rund zehn Minuten am Stück laufen, weil spätestens dann die Filmrollen der Kamera gewechselt werden mussten. Die Darsteller spielten wie im Theater ohne Pause und vollführten dabei ein strikt durchkomponiertes Ballett mit der Kamera und den Technikern, die außerhalb des Bildausschnittes mit Beleuchtungs- und Tonelementen sowie den lautlos bewegbaren Requisiten Schritt halten mussten.
Als wäre der kühne Plan eines schnittlosen Films nicht schon schwierig genug, entschied sich Hitchcock außerdem, zum ersten Mal in seiner Karriere in Farbe zu drehen. Insbesondere die im Vergleich zu schwarz-weißen Werken gänzlich unterschiedliche Beleuchtung erwies sich als Problem: Nach dem Abschluss der Dreharbeiten störte sich der Regisseur an der orangefarbenen Lichtsetzung, die den Sonnenuntergang widerspiegeln sollte, Hitchcock jedoch viel zu penetrant erschien. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als mehr als die Hälfte des Films erneut zu drehen.
Inhaltlich betritt Hitchcock hingegen gewohntes Terrain und arbeitet sich einmal mehr an einem seiner Lieblingsthemen ab – dem perfekten Mord. Dennoch ist Cocktail für eine Leiche kein packender Krimi, sondern gleicht eher einer trockenen schwarzen Komödie. Die Prämisse des Films – zwei Studenten nehmen Nietzsches Theorie vom Übermenschen absurd wörtlich und begehen als bloßes Exempel einen Mord – können wir nicht ernst nehmen. Der Plot gleicht eher einer launigen Seifenoper, wenn die beiden Mörder zur gepflegten Party laden.
Doch obwohl das Theaterstück genügend Subtexte und Auseinandersetzungen bereithält, spielt Hitchcock kaum etwas davon aus. Weder interessiert sich der Regisseur besonders für die homosexuellen Konflikte zwischen den beiden Tätern, noch thematisiert er die besondere freudianische Beziehung zu ihrem Professor; selbst der in einer Truhe ruhende Tote verkommt zum rein vordergründigen Spannungselement.
Der 80 Minuten kurze Film erhält zwar in jedem Moment eine Grundspannung aufrecht, doch das oberflächliche Geplapper der Figuren wandelt sich nie zur thematischen Auseinandersetzung. Die technisch penible Ausführung lässt die inhaltlichen Elemente des Films zu starren Phrasen verkommen.
In der berühmten Interviewreihe mit François Truffaut nannte der im Nachhinein unzufriedene Hitchcock seinen Versuch „idiotisch, aber verzeihlich.“ Auch James Stewart, der als Professor Rupert Cadell über weite Strecken blass bleibt, missfiel das Ergebnis. Bei allem technischen Anspruch, dem die Beteiligten mit großer Finesse gerecht werden, bleibt Cocktail für eine Leiche eine letztlich oberflächliche Stilübung.