Mit Europa schloss Lars von Trier seine gleichnamige Trilogie ab und variierte all jene Elemente, die schon den Auftakt The Element Of Crime zu einem tollen Werk machten.

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Filmkritik:

Im Hinblick auf The Element Of Crime geht der dänische Filmemacher zu Beginn noch einen Schritt weiter. Wo dort noch der Protagonist hypnotisiert wurde, um eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen, ist der Zuschauer in Europa nun selbst dran: Zum Bild von nächtlichen Bahnschienen lauschen wir Max von Sydows sonorer Stimme: „I shall now count from one to ten. On the count of ten, you will be in Europa.“

„Europa“, nicht „Europe“ – schon der Name des Handlungsortes weist darauf hin, dass von Trier hier eine Parallelwelt erbaut. Der Regisseur entwirft das Bild eines schwarz-weißen Deutschlands, das das Ende des Zweiten Weltkrieges noch in Tagen bemisst. Hierher kommt der Amerikaner Leopold Kessler, um beim Wiederaufbau des Landes zu helfen und gerät während seiner Arbeit als Schlafwagenschaffner bei der Eisenbahn in ein seltsames Verschwörungsgewirr.

Wieder erweist sich von Triers Szenario als überaus postmodern und mixt das Wesen altmodischer europäischer Kriminalfilme mit der tragikomischen Paranoia Kafkas. Dem trägt der dänische Autorenfilmer auch auf der visuellen Ebene Rechnung und erschafft eine fantastische überhöhte Ästhetik. So setzt von Trier auf unzählige großformatige Rückprojektionen, die hier nicht wie gewöhnlich als Bildfüllmaterial eingesetzt werden, sondern als zusätzliche Gestaltungsebene. Die in hartem Schwarz-Weiß gehaltenen Bilder bearbeitet von Trier ebenfalls und setzt in dramatischen Momenten Farbelemente ein, die das Geschehen zusätzlich übersteigern.

Trotz dieser offensichtlichen Künstlichkeit gelingt es Europa hervorragend, eine düstere Atmosphäre zu erschaffen und trotzdem dem Absurden viel Raum zu geben. Der ausschließlich nachts und größtenteils in einem Zug spielende Film vereint den Fatalismus des Film Noir mit einer guten Portion Galgenhumor, ohne ins Lächerliche abzudriften und huldigt nebenbei noch diversen Genres, ihren Figurentypen und Klischees.

Erlauben kann er sich diese Mélange auch, weil die Figurenzeichnung gut und die Darsteller großartig sind. Jean-Marc Barr mag in der Hauptrolle einen Naivling spielen, gewinnt jedoch dennoch unsere Sympathie, die Fassbinder-Aktrice Barbara Sukowa findet den schmalen Grat zwischen Femme fatale und glaubhafter love interest, Udo Kier und Eddie Constantine agieren mit gewohnter Souveränität und Ernst-Hugo Järegård als so strenger wie väterlicher Ausbilder des Protagonisten sorgt für großartige Momente.

Europa übertrifft nicht nur The Element Of Crime, sondern zählt zu den Highlights in von Triers gesamter Filmografie und eignet sich auch hervorragend als Einstiegsfilm in das obskure Schaffen des Dänen.

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DER REGISSEUR

Aufgrund seiner eigenwilligen Filme und unverblümter Äußerungen in den Medien avancierte Lars von Trier zum Enfant terrible. Sein kontroverser Ruf sollte jedoch nicht die unvergleichlichen Arbeiten des dänischen Regisseurs überdecken. Von Trier entwirft seit mehr als 30 Jahren besondere Filmwelten und ermöglicht uns immer wieder, besonderen Filmerlebnissen beizuwohnen – formal ein Genuss und inhaltlich herausfordernd.

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DAS GENRE

Der Kriminalfilm zählt aufgrund unterschiedlichster Ausprägungen zu den breitesten Genres. Die sogenannten Whodunnits beschäftigen sich mit der Täterfindung in einem einzelnen Fall; ebenso zählen die fatalistischen Detektivgeschichten des Film Noir zum Genre. Nicht zu vergessen sind Werke aus der gegensätzlichen Perspektive: Die Heist- und Gangsterfilme machen einen wesentlichen Teil des Krimigenres aus.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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