Bereits mit seinem Debütfilm The Element Of Crime bewies Lars von Trier sein enormes handwerkliches Geschick und den Anspruch, abseits ausgetretener Pfade Kunstwerke zu erschaffen.

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Filmkritik:

Der erste Teil der Europa-Trilogie, die von Trier mit Epidemic und Europa fortsetzte, weist sich schnell als Kriminalfilm aus und als Neo-Noir: In einer durch Hypnose induzierten Rückblende verfolgen wir die Ermittlungen des Kriminalisten Fisher, der einem Serienkiller das Handwerk legen soll.

Gemäß der von seinem Mentor verfassten semiwissenschaftlichen Thesensammlung namens The Element Of Crime versucht Fisher, dem Killer auf die Spur zu kommen, in dem er sich selbst in dessen Rolle versetzt.

„It’s always three o’clock in the morning, if you know what I mean.“ sagt die Frau zum Ermittler. Im Film Noir gibt es immer auch eine Frau, doch selten eine Welt wie diese. Von Triers Film ist so viel mehr als ein Krimi, spielt er doch in einer apokalyptischen Welt, die sich aus Reminiszenzen der Filmgeschichte zusammensetzt und konsequent auf larger than life gebürstet ist.

The Element Of Crime bedient sich vor allem stark bei der Ästhetik von Andrei Tarkowski, dessen elegische Kameraarbeit er ebenso adaptiert wie einige Bilder aus Stalker; ein direktes Zitat findet sich bei der Betrachtung im Wasser befindlicher Gegenstände, über die die Kamera langsam hinweggleitet.

Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den beiden Filmen liegt in der Färbung der Bilder in Sepiatönen, die von Trier sowohl durch die Nutzung von Natriumdampflampen während der Dreharbeiten, als auch durch nachträgliches Einfärben des Materials erzeugte. Gleichzeitig erinnert die visuelle Ebene auch an eine moderne Ausprägung der deutschen expressionistischen Stummfilme.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass wir die Welt durch einen Filter sehen – so wie von Trier ein Mosaik aus Versatzstücken anderer Filme zusammensetzt, setzt Fishers Verstand den Handlungsort ebenfalls zusammen. Der Einfluss der Hypnose, die trügenden Erinnerungen, der Missbrauch von Alkohol, Medikamenten und Sex sowie der seltsame Zustand, in dem sich Fisher durch das Hineinversetzen in den Killer befindet, verzerren womöglich diese Vision, der wir ansichtig werden.

Die Schilderung dieser aus den Fugen geratenen Kafka-Apokalypse nimmt ebenso viel Raum ein wie die Jagd nach dem Mörder und verleiht The Element Of Crime eine dichte Atmosphäre, die uns ähnlich hypnotisiert wie den Protagonisten. Das Setdesign mit seinen heruntergekommenen Bauten und ständig im Bild befindlichen Industrieanlagen bleibt lange im Gedächtnis.

Wasser ist omnipräsent und verdeutlicht den Verfall des Bestehenden, symbolisiert aber auch die Hoffnung auf eine Wiedergeburt der Reinheit. Im Gegensatz zu den Werken Tarkowskis existiert hier keine Natur mehr, die einen Rückzugsort für die Menschheit bietet.

Fans konventioneller Krimis werden mit The Element Of Crime vielleicht weniger glücklich werden, weil sich die Dramaturgie von allen Zwängen befreit und kaum Spannung bietet, die Ermittlungsarbeit des Kriminalisten verläuft nicht besonders geradlinig. Letztlich erweist sich ein Großteil des Plots als roter Hering, woran Hitchcock sicherlich seine Freude gehabt hätte.

Dennoch hält das Finale eine spannende Szene bereit und abgesehen von plotgetriebenen Höhepunkten vermag The Element Of Crime allein schon durch seine bedrohliche Stimmung, seinen obskuren Figuren und die bedeutungsvollen Dialoge zu fesseln. Von Triers kafkaesker Neo-Noir stellt einen beeindruckenden Debütfilm dar und bietet eine unwiderstehliche Filmerfahrung!

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DER REGISSEUR

Aufgrund seiner eigenwilligen Filme und unverblümter Äußerungen in den Medien avancierte Lars von Trier zum Enfant terrible. Sein kontroverser Ruf sollte jedoch nicht die unvergleichlichen Arbeiten des dänischen Regisseurs überdecken. Von Trier entwirft seit mehr als 30 Jahren besondere Filmwelten und ermöglicht uns immer wieder, besonderen Filmerlebnissen beizuwohnen – formal ein Genuss und inhaltlich herausfordernd.

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DAS GENRE

Der Kriminalfilm zählt aufgrund unterschiedlichster Ausprägungen zu den breitesten Genres. Die sogenannten Whodunnits beschäftigen sich mit der Täterfindung in einem einzelnen Fall; ebenso zählen die fatalistischen Detektivgeschichten des Film Noir zum Genre. Nicht zu vergessen sind Werke aus der gegensätzlichen Perspektive: Die Heist- und Gangsterfilme machen einen wesentlichen Teil des Krimigenres aus.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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