Bunny Lake ist verschwunden

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Filmkritik:

Der amerikanisch-britische Kriminalfilm Bunny Lake ist verschwunden spielt geschickt mit der unserer Erwartungshaltung und entwirft ein fesselndes Vexierspiel, das über weite Strecken überzeugt, jedoch leider im letzten Drittel in sich zusammenfällt.

Nachdem Regisseur Otto Preminger einige groß angelegte Hollywoodproduktionen inszenierte, drehte er mit Bunny Lake ist verschwunden wieder einen niedriger budgetierten Schwarz-Weiß-Krimi und knüpft damit an frühere Arbeiten wie den tollen Film Noir Laura an. Trotz des namhaften Regisseurs und der positiven Kritiken blieb Bunny Lake ist verschwunden in Deutschland bisher unveröffentlicht.

Der Film startet mit bedrohlichen Eröffnungstiteln aus der Feder von Saul Bass und konfrontiert anschließend eine junge Mutter damit, dass ihre Tochter am ersten Tag in einem Kindergarten spurlos verschwunden ist. Die Angestellten können sich nicht einmal daran erinnern, sie überhaupt gesehen zu haben und auch uns Zuschauern hat Schlitzohr Otto Preminger einen Blick auf Bunny Lake vorenthalten.

Damit halst uns der Film ein Dilemma auf, das wir mit dem ermittelnden Superintendent Newhouse teilen – es gibt keinerlei Beweise dafür, dass Bunny Lake überhaupt existiert, aber einige Indizien, die für das Gegenteil sprechen. Ist das Mädchen also unbeaufsichtigt weggelaufen oder wurde es gar entführt? Leidet Bunnys Mutter an einer psychischen Störung und bildet sich ihre Tochter nur ein? Oder hat Ann Lake, die eine seltsame Vertrautheit zu ihrem Bruder an den Tag legt, die Entführung mit diesem zusammen nur fingiert, um sich zu bereichern?

Gerne würden wir der verzweifelten Mutter glauben, doch Bunny Lake ist verschwunden nutzt sein niedriges Tempo, um genüsslich Zweifel zu säen und unsere Erwartungshaltung von Szene zu Szene mehr ins Wanken zu bringen. Auch ohne dramatische Spannungsmomente hält Preminger uns bei der Stange, da wir fortwährend miträtseln können.

Zudem erinnert Bunny Lake ist verschwunden an die Arbeiten Alfred Hitchcocks: Preminger greift  – mit der zumindest potenziell unschuldig für verrückt gehaltenen Protagonistin – nicht nur dessen Lieblingsthema vom unschuldig Verfolgten auf, auch an den psychologischen Suggestionen und den freudianischen Motiven hätte der Master Of Suspense sicherlich seine Freude gehabt.

Obwohl sich die Handlung um wenige Figuren dreht und in der ersten Hälfte einem Kammerspiel gleichkommt, findet das Drehbuch fortwährend Gelegenheiten, um verschrobene Nebenfiguren einzuweben. Unter anderem sorgen eine ulkige, altersweise Ex-Kindergärtnerin sowie ein pseudointellektueller, unangenehm zutraulicher Vermieter für farbige Akzente. Außerdem findet Preminger immer wieder Gelegenheit für schöne Arrangements: Eine Mutter, die verzweifelt ihre Tochter sucht, im Keller eines Restaurateurs auf eine Heerschar lebloser Puppenkinder treffen zu lassen, ist eine glänzende, weil dramatische Idee.

In den ersten 70 Minuten bietet Bunny Lake ist verschwunden im besten Sinne altmodisches Mysterykino mit einer guten Portion Suspense, im letzten Drittel verspielt Premingers Werk sein Potenzial jedoch durch einen alles andere als bedrohlichen Showdown. So angenehm unaufgeregt der Film seine Geschichte auch erzählt – dem Finale hätte etwas Effekthascherei gut getan. Stattdessen begnügt sich das Script mit einem in die Länge gezogenen Reigen psychologischer Spielchen, der zwar in seiner Absonderlichkeit einen gewissen Reiz entwickelt, allerdings kaum Spannung auffährt und unbefriedigt zurücklässt.

Positiv bleiben hingegen die Leistungen der Schauspieler in Erinnerung. Besonders Carol Lynley spielt die Hauptrolle der Ann Lake herausragend und findet den richtigen Grad zwischen Zorn und Verzweiflung. Superintendent Newhouse wurde mit Laurence Olivier, einem der größten Schauspieler seiner Zeit, besetzt. Der Brite spielt den Polizisten überraschend nüchtern, imponiert jedoch mit seiner zur Schau gestellten Souveränität. Auch die Kameraarbeit überzeugt abseits der Dialogsequenzen durch einige schöne Fahrten und vor allem in der zweiten Hälfte durch schummrige Bilder

Aufgrund dieser Qualitäten und der über weite Strecken der Spielzeit starken Zuschauerbindung hinterlässt Bunny Lake ist verschwunden alles in allem einen guten, aber keinen überragenden Eindruck.

Handlung:

Gerade in London eingetroffen, will die Amerikanerin Ann ihre vierjährige Tochter Bunny aus dem Kindergarten abholen – doch das Mädchen ist schlichtweg verschwunden! Mehr noch: Es gibt keinerlei Hinweise auf Bunny, keine Gegenstände, keine Fotos des Mädchens. Und ihr Bruder weiß: Ann hat sich schon einmal ein kleines Mädchen namens Bunny einfach eingebildet. Leidet seine Schwester unter Wahnvorstellungen oder hat sie tatsächlich eine vierjährige Tochter, die entführt wurde?

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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