Die Herren Einbrecher geben sich die Ehre etablierte 1960 eine neue Spielart des Kriminalfilms. Die Regiearbeit von Basil Dearden stellt einen Banküberfall in das Zentrum des Geschehens, punktet mit britischem Charme und einer gute Besetzung.

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Filmkritik:

Zu Beginn schildert der Film die Anwerbung diverser, finanziell klammer Ex-Militärs durch einen ehemaligen Colonel. Dieser wurde gegen seinen Willen in den Ruhestand versetzt und plant nun mit einer kleinen Truppe voller Spezialisten einen Banküberfall, um seine Pension aufzubessern und zu beweisen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört.

Mit diesem Plot zählt Die Herren Einbrecher geben sich die Ehre zu den sogenannten Heist-Movies. Diese Werke, die einen Überfall aus sympathisierender Sicht der Verbrecher zeigen, erfreuten sich seit 1950 großer Beliebtheit. Damals trat John Hustons Asphalt-Dschungel das Thema los, unzählige Klassiker wie Die Rechnung ging nicht auf oder Vier im roten Kreis folgten.

Allerdings nähert sich Die Herren Einbrecher geben sich die Ehre seinem Sujet anders als die vorgenannten Vertreter. Statt großer Spannung oder dichter Milieuzeichnungen rückt die britische Produktion eine ordentliche Portion Humor und die im Wortsinne diebische Freude an Verbotenen in den Mittelpunkt. Als Krimikomödie spaltete das Werk von Basil Dearden das Subgenre in die ernsthaften Heist- und die ironischen Caper-Movies. Deardens Werk diente als Vorbild für zahllose ähnliche Filme wie Charlie staubt Millionen ab, Ocean’s Eleven und dessen Fortsetzungen.

Wo sich der Plot bei Heist-Filmen um die Mühen des Einbruchs dreht, konzentrieren sich Caper-Movies eher auf die oft typenhaften Figuren und ihre Eigenheiten. So auch Die Herren Einbrecher geben sich die Ehre, dessen Charaktere vor allem dank der namhaften Besetzung funktionieren. Das Ensemble mit Richard Attenborough, Jack Hawkins und Multitalent Bryan Forbes (der auch das Drehbuch schrieb) sammeln mit ihrer Ausstrahlung Sympathiepunkte.

Bei der Figurenzeichnung verschenkt der Film leider viel Potenzial. Zwar nimmt sich Dearden immerhin zwanzig Minuten Zeit, um die einzelnen Charaktere und ihre finanziellen Sorgen vorzustellen, dieser erste Abschnitt bleibt jedoch oberflächlich und erzählt uns nichts über die Protagonisten. Das wird im weiteren Verlauf nicht besser: So betont Colonel Hyde zwar, die Ex-Militärs aufgrund ihrer Expertenkenntnisse angeworben zu haben, die Spezialfähigkeiten der Männer kommen jedoch nie zur Geltung – das haben ähnlich gelagerte Filme wie Gesprengte Ketten besser gemacht.

Abgesehen vom lauen Beginn verläuft Die Herren Einbrecher geben sich die Ehre immerhin leidlich unterhaltsam. Die Kameradschaft der Protagonisten besitzt Charme, die Dialoge sind amüsant und die Vorbereitungen für den Bankraub machen Lust auf mehr. Viel mehr bietet der Film aber nicht, weil das Drehbuch keine Konflikte parat hält. Weder treten Misstöne zwischen den Verbrechern auf, noch behindern eigene Fehler oder polizeiliche Ermittlungen die Überfallpläne.

Dadurch bleibt das Spannungsniveau flach, Wechsel von Tempo oder Tonfall finden nicht statt. Da selbst der lang vorbereitete Bankraub ohne besondere Vorkommnisse verläuft, vertreibt Die Herren Einbrecher geben sich die Ehre zwar auf angenehme Weise die Zeit, zählt aber nicht zu den Höhepunkten in der Filmografie der Beteiligten.

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DER REGISSEUR

Basil Dearden drehte drei Jahrzehnte lang kommerziell wie künstlerisch erfolgreiche Filme. Der britische Regisseur besaß eine Vorliebe für kontroverse Themen, die er gerne im erzählerischen Rahmen eines Genrefilms unterbrachte. Deardens Krimis und Thriller führen spannende Geschichten mit relevanten gesellschaftlichen und politischen Subtexten zusammen.

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Basil Dearden drehte drei Jahrzehnte lang kommerziell wie künstlerisch erfolgreiche Filme. Der britische Regisseur besaß eine Vorliebe für kontroverse Themen, die er gerne im erzählerischen Rahmen eines Genrefilms unterbrachte. Deardens Krimis und Thriller führen spannende Geschichten mit relevanten gesellschaftlichen und politischen Subtexten zusammen.

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DAS GENRE

Der Kriminalfilm zählt aufgrund unterschiedlichster Ausprägungen zu den breitesten Genres. Die sogenannten Whodunnits beschäftigen sich mit der Täterfindung in einem einzelnen Fall; ebenso zählen die fatalistischen Detektivgeschichten des Film Noir zum Genre. Nicht zu vergessen sind Werke aus der gegensätzlichen Perspektive: Die Heist- und Gangsterfilme machen einen wesentlichen Teil des Krimigenres aus.

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ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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