Damit zählt das 1946 veröffentlichte Werk zu den letzten Vertretern der wartime period, der ersten Phase des Film Noir, doch interessanterweise nimmt Späte Sühne mit seiner Härte und Desillusioniertheit bereits die ruppigen, unbequemen Noirs aus der Spätphase der Strömung vorweg und tendiert in seiner Tonalität schon in die Richtung von Klassikern wie etwa Fritz Langs Heißes Eisen oder Sam Fullers Polizei greift ein.
Zwar sorgt die solide Inszenierung von Cromwell nicht unbedingt für große Spannung, doch das Drehbuch von Späte Sühne hat einige schöne Zwischentöne in petto, die für gute Unterhaltung sorgen. So spielt das Skript geschickt mit der weiblichen Protagonistin, die zunächst eindeutig wie eine klassische Femme fatale wirkt. Oder täuscht dieser Eindruck und sie ist lediglich ein Opfer ihrer Ausstrahlung und ihres Selbstbewusstseins, also gar eine damsel in distress?
Auch die Figur von Humphrey Bogart, der wie so oft mit seiner Coolness überzeugt, stellt zwar eine typischen Rolle für ihn dar, doch agiert sein Charakter längst nicht so souverän wie viele seiner anderen Figuren. Aus dem Gefühl, dass Rip Murdoch durchaus nicht alles im Griff hat, resultiert dann doch ein wenig Spannung, die sich in einem klassischen Finale entlädt und Späte Sühne passend abrundet.