Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren

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Filmkritik:

Blow Out zählt zu den typischen Werken von Brian De Palma und dient daher auch als guter Einstiegspunkt, um das Schaffen des Regisseurs zu erkunden, der es liebte, Pulp-Stories und B-Movie-Geschichten in raffinierte und intelligente Filmsprache zu kleiden und immer wieder in Bezug zu den ganz großen Klassikern zu setzen. Wie auch Quentin Tarantino, einem seiner größten Fans, nutzt auch De Palma die Gelegenheit, Film selbstreferenziell über sich selbst sprechen zu lassen, das Kino der Genres zu kommentieren und unter den Sex&Crime-Motiven eine Meta-Ebene offenzulegen.

Das Image des zum verruchten Schmuddel neigenden Genrefilmers erfüllt De Palma mit einigem Augenzwinkern direkt durch die wunderbare Eröffnungssequenz von Blow Out, die gleich mal nackte Haut und Gewalt auffährt; dank der noch neuartigen Steadycam startet der Film mit einer wunderbar ausgestalteten Plansequenz aus Sicht eines Killers, die reichlich Spannung erzeugt und in einer Mordszene gipfelt, die direkt an Psycho erinnert – und sich dann als Film im Film erweist. Es ist schon ziemlich clever und amüsant, wie De Palma hier mit seinen Kritikern spielt, indem er zwar das filmt, was ihm vorgeworfen wird, dabei jedoch eine inszenatorische Meisterschaft an den Tag legt, die offenkundig beweist, dass er eben kein B-Filmer ist, nur weil er rassige B-Movies dreht.

Im Gegenteil – einmal mehr verweist Blow Out auf andere Werke und kreuzt deren Motive, was ihn zu einem sehr reichhaltigen Film macht: Aus Michelangelo Antonionis Blow Up entnimmt er (neben der frappierenden Ähnlichkeit der Titel) die Auffassung, dass die Welt aus Zeichensystemen, Wahrnehmungs- und damit auch Interpretationsebenen besteht, was für die Protagonisten beider Filme zur Obsession führt. Hier schlägt das Drehbuch zugleich die Brücke zu Francis Ford Coppolas Der Dialog, dessen Hauptfigur ebenfalls „Tontechniker“ ist und sich derart in seinem Tun verliert, dass sein ganzes Leben wegen eines Falles auf den Kopf gestellt wird; zu guter Letzt erinnert der Plot um ein vermeintliches politisches Attentat an die klassischen Paranoiathriller der Siebziger Jahre, wie beispielsweise Zeuge einer Verschwörung.

Als B-Film mit diesen ganzen Bezügen greift Blow Out dennoch auf simple Genrefilmzutaten zurück; so lässt sich erzählerischer Aufwand sparen, weil die Muster bekannt sind. Wir erfahren leider kaum etwas über die Hauptfigur, doch dank des groß aufspielenden John Travolta wiegt das nicht sonderlich schwer, die eher auf Funktionalität gepolten Figuren erfüllen ihre Rollen ausreichend. Obwohl Blow Out in den ersten zwei Drittel kaum Spannungsszenen beinhaltet, sondern sich recht geradlinig und langsam zu einem soliden Krimi entfaltet, generiert der Film genug Suspense, um jegliche Durchhänger zu vermeiden. Im letzten Drittel sinkt das Spannungsniveau dann etwas ab, was angesichts der dramaturgischen Steigerung paradox erscheint, aber eben auch aufzeigt, dass Blow Out mehr ein Film des Unkonkreten ist und kein oberflächlicher Thriller. Das wunderbar konsequente Finale beweist zudem noch einmal die Nähe zu Der Dialog: Beide Werke wirken wie Kriminalfilme, hinterlassen beim Publikum jedoch letztlich den Eindruck eines tristen Dramas, dessen Protagonisten resignieren, Opfer von höheren Mächten werden.

Blow Out mag es etwas an Dynamik fehlen, doch handwerklich ist der Film ein Fest – der wiederholte Einsatz von Split-Dioptern, die zwei unterschiedlich weit entfernte Objekte gleichzeitig nebeneinander fokussieren, tolle Kranfahrten und konsequent verfolgte Ideen wie eine Szene, in der sich die Kamera schier endlos dreht wie die Tonbänder im Arbeitsraum von Travoltas Figur, um damit dessen Auswegslosigkeit aufzuzeigen, zementieren den Ruf von Kameramann Vilmos Zsigmond, den dieser sich bereits mit seinen vorherigen Arbeiten wie Der Tod kennt keine Wiederkehr oder Heaven’s Gate aufgebaut hat. Doch auch das Sounddesign hat einiges zu bieten und dokumentiert die hervorstechende Stellung der Tonebene von Blow Out, kommentiert bisweilen sogar das Filmemachen selbst und rundet De Palmas Film damit gut ab.

Handlung:

Jack Terry verdient seinen Lebensunterhalt auf ungewöhnliche Weise: Er zeichnet Geräusche für Horrorfilme auf. Als er eines Nachts mit seinem Aufnahmegerät auf einer einsamen Brücke steht, wird er Zeuge eines Unfalls. Präsidentschaftskandidat George McRyan verunglückt tödlich mit seinem Auto. Doch Jacks Tonbänder erzählen eine andere Geschichte. War der Unfall in Wirklichkeit ein Attentat? Und welche Rolle spielt Sally, die mit McRyan im Wagen saß? Jack macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-15T13:45:10+00:00

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