Nachdem New Hollywood-Pionier Robert Altman bereits 1970 mit M.A.S.H. den Kriegsfilm persiflierte und 1971 mit McCabe & Mrs. Miller das Westerngenre ad absurdum führte, servierte er 1973 seinen nächsten Streich und dekonstruierte mit Der Tod kennt keine Wiederkehr den Film Noir und dessen berühmtesten Protagonisten Philip Marlowe.

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Filmkritik:

Angesichts des Ergebnisses ist es wohl tatsächlich nicht übertrieben, Der Tod kennt keine Wiederkehr einen Anti-Noir zu nennen, statt auf das geläufige Präfix „Neo“ zurückzugreifen – Altman erneuert hier nichts, sondern fährt alle Abgebrühtheit und Coolness gegen die Wand. In Zeitlupe. Am helllichten Tag statt in der Nacht.

Doch der Reihe nach: Der Tod kennt keine Wiederkehr basiert auf einer Romanvorlage von Noir-Ikone Raymond Chandler, übernimmt jedoch nur das grobe Handlungsgerüst und bleibt zeitgenössisch, verlegt den Plot in die Siebziger Jahre. Im Vergleich zu den düsteren Nachkriegsvierzigern hat sich einiges geändert. Zwar ist es Tag geworden in L.A. und die Sonne scheint, doch die Welt scheint irgendwie aus den Fugen geraten zu sein und ist bevölkert mit verschrobenen Figuren.

Marlowe ist einer von ihnen geworden – einerseits cool auf passive, lakonische Art, andererseits ein tumber Antiheld, der eigenbrötlerisch mit seiner Katze zusammenlebt und keinerlei Interesse am Leben außerhalb seiner vier Wände hat – er lebt seine Prinzipien nicht mehr, er funktioniert nur noch danach. Das ist ein herber Angriff auf die fast schon klassische Figur, wie sie von Chandler in mehreren Romanen verwendet wurde und die von Humphrey Bogart in Tote schlafen fest unsterblich gemacht wurde.

Altman schildert seinen Plot – typisch für den Regisseur – zäh wie Kaugummi, doch was bei seinen Dramen nicht besonders negativ ins Gewicht fällt, weil sich das Publikum auf die Figuren konzentrieren kann, erscheint bei einem Genrefilm wie Der Tod kennt keine Wiederkehr höchst ungewöhnlich und sorgt auch heute noch für Irritationen. Jeder Anflug von Spannung oder Dramatik wird bewusst verschleppt, einzig die wunderbaren Dialoge (sowie Marlowes seltsames Gemurmel, das das noir-typische Voice-Over ersetzt) sorgen für einen gewissen Unterhaltungswert. Zum Glück überzeugen die Darsteller: Elliot Gould spielt wunderbar ambivalent und auch einige der Nebendarsteller, namentlich Mark Rydell und Sterling Hayden, gefallen.

Trotz der vielen seltsamen Elemente, trotz der zähen, fast schon tranceartigen Inszenierung und der unterdrückten Emotionen ist Der Tod kennt keine Wiederkehr jedoch letztlich einen Blick wert und nicht zu Unrecht in zahlreichen Bestenlisten vertreten. Ich würde nicht unbedingt dazu raten, den Film als Einstieg in Altmans Schaffen oder die Strömung des New Hollywood auszuwählen, doch zum Erweitern der ersten Erfahrungen, als dritter oder vierter Film, eignet sich Der Tod kennt keine Wiederkehr ausgezeichnet, weil er so subtil wie kompromisslos daherkommt. Auch interessierte Fans des Film Noir werden aufgrund der herben Kontraste zu konventionellen Noirs eine neue Erfahrung sammeln können.

Der Tod kennt keine Wiederkehr büßt auch bei der zweiten und dritten Sichtung nichts von seinen Eigenarten ein, was sich nun nach einigen Jahrzehnten als obskure Stärke erweist – er ist zu seltsam, um verstaubt zu wirken. Damit hält sich Altmans Werk auf seine Art deutlich zeitloser als viele vergleichbare Werke.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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