Driver fühlt sich an wie ein in Neonlicht getauchtes Werk von Jean-Pierre Melville. Der Film spielt in Los Angeles, doch mit dem glanzvollen Image der Metropole hat Hills Krimi wenig gemein. Die nächtlichen Straßen sind menschenleer, statt aus schicken Hochhäusern scheint die Stadt ausschließlich aus Fabrikhallen und Industriebauten zu bestehen. Die Großstadt verkommt zu einem anonymen öffentlichen Raum, zu einem abstrakten Spielbrett für jene, die es zu nutzen wissen.
Alles ist ein Spiel in Driver, dessen Protagonisten keine Namen besitzen. Der Fahrer und der Detective stehen auf verschiedenen Seiten des Gesetzes, pflegen jedoch eine geistige Verwandtschaft. Beide bewegen sich außerhalb gesellschaftlicher Normen und agieren als hochgradig konsequente Professionals, nur dem Sieg in ihrem Spiel verpflichtet. Wie in Michael Manns Heat entsteht eine wertschätzende Bindung zwischen den Gegnern, die sie jedoch keinesfalls davon abhält, rigoros gegeneinander vorzugehen. Erbarmen käme einem Bruch der Spielregeln gleich.
Bruce Dern agiert großartig als Cop mit Alphamännchenattitüde, der morgens zuerst den Sportteil der Zeitung liest, weil Gewinner und Verlierer dort säuberlich voneinander separiert werden. Ihm gegenüber steht der Fahrer, der ursprünglich von Steve McQueen gespielt werden sollte. Ryan O’Neal erhielt den Part letztlich, spielt ihn vollkommen stoisch und gibt nichts über die Motive seiner Figur preis.
Der Fahrer betätigt sich nicht wegen des Geldes als Fluchthelfer und lässt sich von keiner Frau betören. Seine Freizeit verbringt er in spartanischen Hotelzimmern, wo er auf dem Bett liegt und altmodischer Musik lauscht. Es hat den Anschein, als verbringe der Fahrer die Zeit außerhalb eines Fahrzeugs nur im Wartestand. Erst in den Verfolgungsjagden findet er die Möglichkeit, sich zu artikulieren.
Der unterkühlte Tonfall von Driver weicht in den wohldosierten Actionsequenzen konzentrierter Zerstörung. Aufgrund des knappen Budgets liefert Hill keine großen Schauwerte, dank der mitreißenden Kameraarbeit und des minimalistischen Scores sorgen die Verfolgungsjagden dennoch für Spannung und punkten zudem durch eine realistische Aufmachung. Es erweist sich als Vorteil, dass Hill bereits 1968 die Regieassistenz beim für seine Autoszenen berühmten Genreklassiker Bullitt übernahm.
Auch an Sam Peckinpahs Gangsterballade Getaway arbeitete Walter Hill und schrieb das Drehbuch. Mit Driver hat Peckinpahs Werk gemein, dass ihre Protagonisten als Verbrecher zwar amoralisch handeln, das Geschehen jedoch eine gewisse Romantik entwickelt. Beide Filme sind Großstadtwestern, in denen die Figuren sich fortwährend in Bewegung befinden und keinen Zugang zur Gesellschaft besitzen.
Sie handeln von Außenseitern, die konsequent auf ihre existenzielle Bedrohung zusteuern und fatalistisch darauf vertrauen, im entscheidenden Augenblick das beste Blatt spielen zu können. Doch im fantastischen Finale von Driver gönnt Hill seinen Protagonisten eine ironische Überraschung: Wie gut die Spieler auch sind, am Ende gewinnt immer die Bank.