Die einflussreiche Krimikomödie Der dünne Mann bildet den Auftakt einer sechsteiligen Filmreihe, die sich um das wohlsituierte Ehepaar Nick und Nora Charles dreht. Zusammen klären die beiden Verbrechen auf und gönnen sich nebenbei viele Drinks und Wortduelle.

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Filmkritik:

Der Film basiert auf dem letzten Roman des legendären Krimiautors Dashiell Hammett (Der gläserne Schlüssel, Die Spur des Falken) und tischt uns eine verschlungene Krimihandlung auf, die seinen beiden Hauptfiguren jedoch nur einen Vorwand liefert, um reihenweise Martinis trinken und Trubel zu veranstalten. In seinem Kern ist Der dünne Mann eine launige Screwballkomödie, die sich weniger für Detektivarbeit und mehr für gepflegte Konversation interessiert. Eigentlich wollen sich Nick und Nora Charles während ihres Urlaubs in New York gepflegt betrinken; der Kriminalfall kommt ihnen lediglich dazwischen.

Auch aufgrund seiner Figurenanlage avancierte der in nur zwei Wochen abgedrehte Film von Regisseur W.S. Van Dyke zum Erfolg und erhielt vier Oscar-Nominierungen. Im Gegensatz zu vielen anderen damaligen (und heutigen) Werken agiert Nora Charles hier nicht nur als Stichwortgeberin für ihren Mann, sondern erweist sich in jeder Hinsicht als gleichwertig – sie verkörpert nicht nur Schönheit und Eleganz, sondern paart auch Selbstbewusstsein mit Intelligenz. Dass Nora auch mal ein halbes Dutzend Martinis auf einmal bestellt, um Nick unter den Tisch zu trinken, rundet den Eindruck eines modernen Frauenbildes ab.

William Powell und Myrna Loy agieren in den Hauptrollen schlichtweg umwerfend. Die beiden finden eine ungekünstelte Chemie, ihr Timing passt hervorragend. Bevor Powell Anfang der Vierziger Jahre ins ernst Fach wechselte (und im sehenswerten Film Noir Mord, mein Liebling als Erster den ikonografischen Detektiv Philipp Marlowe spielte), war er auf Komödien abonniert. Seine Routine ist dem Auftritt als Nick Charles in jeder Szene anzusehen.

Der dünne Mann macht vor allem dann Spaß, wenn er im Tempo eines heiß laufenden Maschinengewehrs brillante Dialoge abfeuert und diese in nonchalanter Lässigkeit präsentiert. Die Mischung auf Komödie und Kriminalfilm geht über weite Strecken auf, nur im Finale stört die heitere Ausrichtung. Wie bei Agatha Christie versammelt das Drehbuch sämtliche Protagonisten zu einem Abendessen, um das Geheimnis der Täterschaft zu lüften; anstatt die Auflösung effektvoll auszukosten, tut der Film die detektivistische Deduktion in wenigen Sätzen ab und geht abrupt zur nächsten Szene über.

Doch das bleibt nur eine Randnotiz – mit seinen gut aufgelegten Darstellern, den geistreichen Konversation sowie den zahllosen Gags und Pointen sorgt Der dünne Mann für im besten Sinne altmodische Unterhaltung.

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DIE ÄRA

In den Dreißiger Jahren setzte sich der Tonfilm endgültig durch. In den USA brach die Ära des klassischen Hollywood an. In Frankreich entstand eine der einflussreichsten Strömungen der Kinogeschichte: Der Poetische Realismus. Der drohende Weltkrieg sorgte in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts für eine Auswanderungswelle europäischer Filmschaffender, was die Vormachtstellung Hollywoods zementierte.

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DAS GENRE

Die Komödie zählt zu den Grundfesten des Kinos und funktioniert – wie auch der Horrorfilm – affektgebunden. Deshalb bringt uns der Slapstick aus den Stummfilmen von Charlie Chaplin genauso zum Lachen wie die rasenden Wortgefechte der Screwball-Komödien aus den Dreißiger Jahren, die spleenigen Charaktere von Woody Allen oder die wendungsreichen Geschichten von Billy Wilder.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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