Auch „Doc“ McCoy kennt nur das kompromisslose Gangsterleben, woran auch ein Gefängnisaufenthalt nichts ändert, obwohl es ihn mürbe macht, wie Peckinpahs Eröffnungssequenz gekonnt zeigt und gleich die Klasse des Regisseurs, mit wenigen Mitteln einen Effekt zu erzielen, beweist. McCoys Frau holt ihn raus, indem sie ihren Körper einem schmierigen Politiker überlässt, der seinen Einfluss spielen lässt, und die beiden sind wieder im Geschäft: McCoy muss seine Freilassung mit einem Banküberfall erkaufen.
In den Romanen von Jim Thompson erscheint die Welt kalt und unpersönlich, die Menschen haben ein Herz aus Stein und Probleme mit Gefühlen. Getaway gibt das treffend wieder und schildert eben nicht nur das Tun von abgebrühten Berufsverbrechern; der Crime-Plot treibt den Film voran, doch den Kern bildet die Beziehung zwischen McCoy und seiner Frau.
Das Gefängnis hat dem Gangster klar gemacht, dass die unbeschwerten Zeiten, in denen ihm alles leicht fiel, vorbei sind. Diese neue Verletzlichkeit betont auch die Brüchigkeit der Beziehung zu seiner Frau. Beide lieben sich, finden jedoch immer weniger Wege zur Kommunikation und haben sich entfremdet.
Hier wird auch deutlich, dass nicht Doc McCoy, sondern seine Frau die starke Figur des Films ist. Doc ist gut in dem, was er tut, weil er es sich einfach macht und wenig differenziert, wie ein Roboter „funktioniert“ er lediglich. Seine Frau mit ihrer Empathie wirkt da regelrecht gehandicapt, was das pervertierte Weltbild aller Protagonisten illustriert: Kalte Kompromisslosigkeit schlägt Wärme und Gefühl. Mit amerikanischen Idealen hat hier keiner mehr etwas am Hut.
Die gemeinsame Flucht vor der Polizei, den Gangstern und einem rachsüchtigen Komplizen nimmt den Großteil von Getaway in Anspruch und macht ihn zu einem Road-Movie, dessen Rückgrat das Drehbuch des späteren Actionfilmregisseurs Walter Hill (Red Heat, Last Man Standing) darstellt.
Die geschickte Dramaturgie lässt kaum Pausen zu und hält den Druck hoch, ohne dabei künstlich aufgebauscht zu wirken. Der realistische Ansatz zählt ohnehin zu den Stärken von Peckinpahs Werk, der seine charakteristischen, so kurzen wie heftigen Gewalterruptionen perfekt dosiert. Auch das Spiel der Darsteller überzeugt: Der wie so oft charismatische Steve McQueen als Antiheld sowie Ali McGraw als dessen Frau finden eine stimmige Chemie, während Al Lettieri einen wunderbaren Antagonisten abgibt.
Damit zählt Getaway zu den besten Thrillern seiner Zeit und stellt eines der Highlights in den Filmografien aller Beteiligten dar.