Getaway

Regie: | Jahrzehnt: | Genre: ,


Filmkritik:

Getaway dokumentiert einmal mehr Sam Peckinpahs Gefühl für archaische Stoffe und kreuzt zwei der härtesten Themengebiete des Kinos: den Film Noir und den Western. Der Film fußt auf einem Roman von Jim Thompson, der für seine ungemütlichen Krimis bekannt war und auch Drehbücher für Klassiker wie Die Rechnung ging nicht auf schrieb, erinnert jedoch gleichzeitig an Peckinpahs Western The Wild Bunch, dessen Antihelden dem Ende ihrer Zeit entgegensehen, aber stoisch in ihrem Lebensstil fortfahren, weil sie unfähig sind, ihn noch zu ändern.

Auch „Doc“ McCoy kennt nur das kompromisslose Gangsterleben, woran auch ein Gefängnisaufenthalt nichts ändert, obwohl es ihn mürbe macht, wie Peckinpahs Eröffnungssequenz gekonnt zeigt und gleich die Klasse des Regisseurs, mit wenigen Mitteln einen Effekt zu erzielen, beweist. McCoys Frau holt ihn raus, indem sie ihren Körper einem schmierigen Politiker überlässt, der seinen Einfluss spielen lässt, und die beiden sind wieder im Geschäft: McCoy muss seine Freilassung mit einem Banküberfall erkaufen.

In den Romanen von Jim Thompson erscheint die Welt kalt und unpersönlich, die Menschen haben ein Herz aus Stein und Probleme mit Gefühlen. Getaway gibt das treffend wieder und schildert eben nicht nur das Tun von abgebrühten Berufsverbrechern; der Crime-Plot treibt den Film voran, doch den Kern bildet die Beziehung zwischen McCoy und seiner Frau. Das Gefängnis hat ihm klar gemacht, dass die unbeschwerten Zeiten, in denen ihm alles leicht fiel, vorbei sind. Diese neue Verletzlichkeit betont auch die Brüchigkeit der Beziehung zu seiner Frau. Beide lieben sich, finden jedoch immer weniger Wege zur Kommunikation und haben sich entfremdet.

Hier wird auch deutlich, dass nicht Doc McCoy, sondern seine Frau die starke Figur des Films ist. Doc ist gut in dem, was er tut, weil er es sich einfach macht und wenig differenziert, wie ein Roboter „funktioniert“ er lediglich. Seine Frau mit ihrer Empathie wirkt da regelrecht gehandicapt, was das pervertierte Weltbild aller Protagonisten illustriert: Kalte Kompromisslosigkeit schlägt Wärme und Gefühl. Mit amerikanischen Idealen hat hier keiner mehr etwas am Hut.

Die gemeinsame Flucht vor der Polizei, den Gangstern und einem rachsüchtigen Komplizen nimmt den Großteil von Getaway in Anspruch und macht ihn zu einem Road-Movie, dessen Rückgrat das Drehbuch des späteren Actionfilmregisseurs Walter Hill (Red Heat, Last Man Standing) darstellt. Die geschickte Dramaturgie lässt kaum Pausen zu und hält den Druck hoch, ohne dabei künstlich aufgebauscht zu wirken. Der realistische Ansatz zählt ohnehin zu den Stärken von Peckinpahs Werk, der seine charakteristischen, so kurzen wie heftigen Gewalterruptionen perfekt dosiert. Auch das Spiel der Darsteller überzeugt: Der wie so oft charismatische Steve McQueen als Antiheld sowie Ali McGraw als dessen Frau finden eine stimmige Chemie, während Al Lettieri einen wunderbaren Antagonisten abgibt.

Damit zählt Getaway zu den besten Thrillern seiner Zeit und stellt eines der Highlights in den Filmografien aller Beteiligten dar.

Handlung:

Damit ihr Mann, der Gangster Doc McCoy vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird, verkauft sich seine Frau an einen Gangsterboss. Frisch entlassen, muss McCoy zudem an einem heiklen Banküberfall teilnehmen, doch dieser geht schief. Zusammen mit seiner Frau begibt sich der Gangster auf eine halsbrecherische Flucht, bei der ihn nicht nur die Polizei, sondern auch der Mob folgt…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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