Für eine Handvoll Dollar veränderte das festgefahrene Westerngenre nachhaltig und wurde der erste seiner Art – ein Italowestern, dem noch viele weitere folgen sollten.

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Filmkritik:

Weil der amerikanische Edelwestern seit vierzig Jahren immer wieder dieselben Stars in ähnliche Geschichten steckte und den Motiven des Genres nichts Neues hinzufügen konnte, befand sich das uramerikanische Genre auf dem absteigenden Ast. Nur wenige Werke wie Der schwarze Falke, Der Einzelgänger oder Warlock legten zumindest ihre Figuren ambivalenter an und nur Samuel Fullers großartiger, sexuell aufgeladener B-Western Vierzig Gewehre wagte es noch, dem Genre andere Seiten abzuringen.

Im Mainstream gelang John Sturges im Jahr 1960 mit Die glorreichen Sieben dank vieler junger Stars ein Achtungserfolg, der auf Akira Kurosawas Die sieben Samurai basierte. Das feudale Japan in einigen der Samuraifilme von Kurosawa, der als westlichster als japanischen Regisseure gilt, besitzt einige Parallelen zum Wilden Westen Amerikas. So tat Sergio Leone es John Sturges nach und entschied sich – ohne entsprechende Lizenzierung – ebenfalls für das Remake eines Samuraifilms. Er wählte den mit der cleversten Handlung: Yojimbo.

Den Plot übernahm Leone unverändert; statt eines Samurais spielt hier ein Outlaw zwei Gangsterbanden gegeneinander aus, um sich persönlich zu bereichern. Bekannte US-Stars wie den Wunschkandidaten Henry Fonda konnte sich der damals noch unerfahrene Leone nicht leisten und verpflichtete stattdessen den unauffälligen TV-Darsteller Clint Eastwood, was sich als Glücksgriff erwies. Die physische Präsenz des groß gewachsenen Hauptdarstellers und seine abgebrühte Aura tragen den Film und erwiesen sich als wegweisend: Leone und Eastwood erschufen in Für eine Handvoll Dollar den Prototypen eines neuen Actionhelden. Nicht mehr das in jedem Moment ehrbares Handeln definiert diese Figur, sondern ihr unnachahmlicher Stil, der gerade wegen charakterlicher Defizite eine Coolness generiert, die es so noch nicht gegeben hatte. Dieser Heldentypus bildete das Fundament für die Rollen späterer Stars wie Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis und Sylvester Stallone. Bei allem Lob für Eastwood soll auch sein Gegenspieler nicht unerwähnt bleiben: Der Theaterdarsteller Gian Maria Volonté spielt famos und bildet mit seiner expressiven Anlage einen tollen Gegenpol für den zurückhaltenden Eastwood.

Doch nicht nur der effektvolle Plot und der damals noch ungewöhnliche Antiheld machen Für eine Handvoll Dollar zu einem der besten Western, sondern auch seine Ästhetik. Trotz seiner geringen Erfahrung beweist Leone hier bereits einen ganz eigenen Stil. Statt weite Landschaften in Szene zu setzen, konzentrierte er sich auf die Topografie der Gesichter der Figuren und fängt diese in unzähligen Nahaufnahmen ein. Das Zusammenspiel aus Ennio Morricones legendärer Musik und den passend dazu gesetzten Schnitten verleiht Für eine Handvoll Dollar einen Rhythmus, der ihn gänzlich von amerikanischen Western unterscheidet.

Während Leone seinen Stil im nicht minder gelungenen zweiten Teil der Dollar-Trilogie, Für ein paar Dollar mehr, noch konsequenter und künstlerischer ausführt, bereitet der erste Film vor allem wegen seiner dem niedrigen Budget geschuldeten Rohheit einigen Spaß. Für eine Handvoll Dollar schert sich nicht um den Handlungsort oder die Mythen und Ideale des Wilden Westens; Leones Meilenstein ist noch ganz B-Movie und schrieb mit seiner kompromisslosen Art Filmgeschichte.

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DIE ÄRA

Die Sechziger Jahre zählen zu den revolutionärsten Jahrzehnten der Kinogeschichte. Das Aufkommen der Nouvelle Vague in Frankreich fand einen Widerhall im Rest der Welt. Die neuen Wellen verschoben künstlerische Grenzen und modernisierten die Filmsprache. Zahlreiche Regisseure ließen die Themen der vorherigen Generationen hinter sich und drehten freiere, gesellschaftskritischere Werke.

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DAS GENRE

Der Western erreicht seine größte Popularität in den Fünfziger Jahren. Der Hang zum Reaktionären ließ das Genre dann zunehmend in eine Krise schlittern, bevor der Italowestern das Genre Mitte der Sechziger zur neuen Blüte trieb. Das gesellschaftskritische New Hollywood-Kino dekonstruierte den Western weiter. Heutzutage findet das Western-Setting sowohl für blutige Genrefilme als auch für Kunstfilme Verwendung.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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