Wo in Für eine Handvoll Dollar die aus Yojimbo adaptierte Story den Kern darstellte und alles andere drum herum gebaut wurde, rückt Für ein paar Dollar mehr nun mehr die „eigenen“ Stärken in den Vordergrund. Leone verabschiedet sich noch konsequenter von Inhalten und kultiviert stattdessen die Form, vertraut auf seine unnachahmliche Inszenierung, die er deutlich selbstbewusster einsetzt: Die Länge der Szenen nimmt kontinuierlich zu, ebenso die Anzahl der Close Ups.
Wo Für eine Handvoll Dollar noch ein Film der Revolver war, reichen den Nachfolger bereits Gesten und Blicke, mit denen die Auseinandersetzungen schon vor dem Schusswechsel entschieden werden; das Pistolenduell gerät zur obligatorischen Formalität, während die Stille vor den Schüssen soweit wie möglich ausgedehnt wird.
Mehr Raum bekommen auch die Protagonisten, wie schon die ausführliche Exposition deutlich macht: Erst nach zwanzig Minuten beginnt der Film mit dem Aufbau der Geschichte, zuvor führt das Drehbuch mit zwei launigen Szenen die charismatischen Figuren von Eastwood und van Cleef ein. Mehr Schauwerte bietet Für ein paar Dollar mehr auch, da der Handlungsort regelmäßig wechselt. Die belebte Stadt Santa Fé und das komplett weiße Kalksteinbergdorf des Finales liefern stimmungsvolle Kulissen.
Spätestens das Finale belegt die große Meisterschaft von Sergio Leone und führt sämtliche Zutaten des Films zusammen. Über das musikalische Hauptthema einer Spieluhrmelodie löst der Regisseur die Bedeutung einiger Rückblenden auf, erklärt das psychopathische Wesen von Volontés Bösewicht, schafft einen fast schon shakespeareschen emotionalen Kern und lässt die Melodie als Countdown für das letzte Duell des Films fungieren. Kamera und Schnitt akzentuieren das Geschehen perfekt und sorgen für Hochspannung.
Für ein paar Dollar mehr ist der rundeste Film der Dollar-Trilogie und der beste.