Yojimbo – Der Leibwächter

Regie: | Jahrzehnt: | Genre: ,


Filmkritik:

Unter den vielen Klassikern von Akira Kurosawa zählt Yojimbo zu den einflussreichsten: Er prägte ein ganzes Genre, machte einen neuen Figurentypus populär und zog zwei gelungene Remakes nach sich.

Es kommt nicht von ungefähr, dass die Handlung von Yojimbo, in der ein herrenloser Samurai in einem Kaff im Nirgendwo zwei Gangsterbanden gegeneinander ausspielt, an einen Western erinnert: Bereits in seiner Jugend wurde Kurosawa von seinem älteren Bruder für dieses Genre begeistert, insbesondere für die Werke von John Ford. Entsprechend archetypisch mutet der Ort des Geschehens an, dessen große Hauptstraße ein paar Häuser drum herum dominiert, während die nähere Umgebung des Dorfes lediglich aus menschenleeren Feldern besteht. Würde Tumbleweed durchs Bild rollen, wäre das keine Überraschung.

Stattdessen pfeift der Wind unaufhörlich und treibt Blätter und Sand durch die Bilder. Kurosawas visuelle Kraft begeistert einmal mehr und erweckt den Eindruck einer nahezu apokalyptischen Welt, was auch seinen Grund hat: Obwohl Yojimbo weitaus weniger ernst und moralisch als die vorherigen Werke des Filmemachers angelegt ist, dokumentiert der Japaner die unschönen Auswirkungen des Machtkampfes zwischen den beiden Banden, unter dem vor allem die Unbeteiligten leiden. Die Gier, der beinahe alle Bewohner anheimgefallen sind, hat das Dörfchen ausgehöhlt und die Dorfgemeinschaft zerstört. Dies kann durchaus auch als Kommentar auf die zeitgenössische japanische Gesellschaft verstanden werden.

Dann kommt der Samurai Sanjuro und löst die Situation nach und nach auf, in dem er beide Parteien geschickt gegeneinander ausspielt und selbst immer wieder eingreift. Dabei hat der Protagonist über weite Strecken des Films sehr wenig gemein mit typischen (Western)Helden, sondern erweist sich keinesfalls als besser als die Gangster. Auch Sanjuro bleibt aus purer Geldgier in dem Dorf, metzelt ohne Not einige Vasallen nieder, um seinen Marktwert zu erhöhen und sabotiert einen sich anbahnenden Waffenstillstand durch Lügen und Aufwiegelung. Obwohl Sanjuro zum Ende des Films durchaus auch Gutes tut, bleibt er vor allem als Antiheld in Erinnerung, der trotzdem, oder gerade deswegen, die Sympathie des Publikums gewinnt.

Der Figurentypus des Antihelden wurde durch Yojimbo erstmals populär und maßgeblich durch dessen erstes – nicht autorisiertes – Remake gesteigert: Drei Jahre nach Kurosawas Klassiker erschien Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar, machte Clint Eastwood zum Star und begründete den Siegeszug des Italowestern, dessen unmoralische Figuren durch Yojimbo vorweggenommen wurden.

Im Gegensatz zu Leones Western oder des ebenfalls gelungenen zweiten Remakes Last Man Standing mit Bruce Willis beinhaltet Yojimbo deutlich weniger Actionszenen und setzt auch nicht unbedingt auf Spannung oder ein hohes Tempo. Vielmehr erinnert Kurosawas Klassiker auch wegen der fast schon grotesk überzeichneten Gangster an eine schwarze Komödie. Doch während die Remakes einen deutlich höheren Unterhaltungswert aufweisen, wird nur das Original von Toshiro Mifune getragen, der den gesamten Film schultert und eine großartige Präsenz ausstrahlt.

Handlung:

Der durch das Land streunende Samurai Sanjuro kommt auf seiner Wanderschaft in ein abgelegenes Dorf, das sich in Auflösung befindet – zwei ansässige Gangsterbanden kämpfen um die Vorherrschaft. Während die aufrechten Bürger flüchten oder sich in den Häusern verbarrikadieren, sammeln sich immer mehr gierige Männer um die beiden Parteien, um sich zu bereichern. Der clevere Sanjuro sieht ebenfalls gute Verdienstmöglichkeiten und beginnt, die beiden Banden gegeneinander auszuspielen, um am Ende den Großteil des Geldes einstreichen zu können…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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