Yojimbo – Der Leibwächter

Ein Film von Akira Kurosawa

Genre: Actionfilm

 

 | Erscheinungsjahr: 1961

 | Jahrzehnt: 1960 - 1969

 | Produktionsland: Japan

 

Unter den vielen Klassikern von Akira Kurosawa zählt Yojimbo zu den einflussreichsten: Er prägte ein ganzes Genre, machte einen neuen Figurentypus populär und zog zwei gelungene Remakes nach sich.

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Filmkritik:

Es kommt nicht von ungefähr, dass die Handlung von Yojimbo, in der ein herrenloser Samurai in einem Kaff im Nirgendwo zwei Gangsterbanden gegeneinander ausspielt, an einen Western erinnert: Bereits in seiner Jugend wurde Kurosawa von seinem älteren Bruder für dieses Genre begeistert, insbesondere für die Werke von John Ford.

Entsprechend archetypisch mutet der Ort des Geschehens an, dessen große Hauptstraße ein paar Häuser drum herum dominiert, während die nähere Umgebung des Dorfes lediglich aus menschenleeren Feldern besteht. Würde Tumbleweed durchs Bild rollen, wäre das keine Überraschung. Stattdessen pfeift der Wind unaufhörlich und treibt Blätter und Sand durch die Bilder.

Kurosawas visuelle Kraft begeistert einmal mehr und erweckt den Eindruck einer nahezu apokalyptischen Welt, was auch seinen Grund hat: Obwohl Yojimbo weitaus weniger ernst und moralisch als die vorherigen Werke des Filmemachers angelegt ist, dokumentiert der Japaner die unschönen Auswirkungen des Machtkampfes zwischen den beiden Banden, unter dem vor allem die Unbeteiligten leiden.

Die Gier, der beinahe alle Bewohner anheimgefallen sind, hat das Dörfchen ausgehöhlt und die Dorfgemeinschaft zerstört. Dies kann durchaus auch als Kommentar auf die zeitgenössische japanische Gesellschaft verstanden werden.

Dann kommt der Samurai Sanjuro und löst die Situation nach und nach auf, in dem er beide Parteien geschickt gegeneinander ausspielt und selbst immer wieder eingreift. Dabei hat der Protagonist über weite Strecken des Films wenig gemein mit typischen (Western)Helden, sondern erweist sich keinesfalls als besser als die Gangster.

Auch Sanjuro bleibt aus purer Geldgier in dem Dorf, metzelt ohne Not einige Vasallen nieder, um seinen Marktwert zu erhöhen und sabotiert einen sich anbahnenden Waffenstillstand durch Lügen und Aufwiegelung. Obwohl Sanjuro zum Ende des Films durchaus auch Gutes tut, bleibt er vor allem als Antiheld in Erinnerung, der trotzdem, oder gerade deswegen, die Sympathie des Publikums gewinnt.

Der Figurentypus des Antihelden wurde durch Yojimbo erstmals populär und maßgeblich durch dessen erstes – nicht autorisiertes – Remake gesteigert: Drei Jahre nach Kurosawas Klassiker erschien Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar, machte Clint Eastwood zum Star und begründete den Siegeszug des Italowestern, dessen unmoralische Figuren durch Yojimbo vorweggenommen wurden.

Im Gegensatz zu Leones Western oder des ebenfalls gelungenen zweiten Remakes Last Man Standing mit Bruce Willis beinhaltet Yojimbo deutlich weniger Actionszenen und setzt auch nicht unbedingt auf Spannung oder ein hohes Tempo. Vielmehr erinnert Kurosawas Klassiker auch wegen der fast schon grotesk überzeichneten Gangster an eine schwarze Komödie.

Doch während die Remakes einen deutlich höheren Unterhaltungswert aufweisen, wird nur das Original von Toshiro Mifune getragen, der den gesamten Film schultert und eine großartige Präsenz ausstrahlt.

★★★★☆☆

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Akira Kurosawa

Akira Kurosawa ist wohl der bekannteste japanische Regisseur. Da sein Werk durch amerikanische Vorbilder geprägt wurde, gilt Kurosawa als “westlichster” der großen japanischen Regisseure. Im Lauf seiner Karriere drehte er Meisterwerke in unterschiedlichsten Genres. Sein Schaffen umfasst Samuraifilme, Adaptionen von Shakespeare und Dostojewski, fesselnde Krimis und humanistische Dramen.

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Actionfilm

Das Actiongenre zählt zu den ursprünglichsten Formen des Kinos. Das Medium Film begann als Show der Sensationen und findet noch heute seine Entsprechung: in aufwendigen Martial-Arts-Choreographien, rassigen Verfolgungsjagden und ausufernden Schusswechseln. Actionfilme geben uns die Möglichkeit, wieder Kind zu sein und leichtfertigem Eskapismus zu frönen.

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