James Bond 007 – Der Mann mit dem goldenen Colt

Ein Film von Guy Hamilton

Genre: Actionfilm

 

 | Erscheinungsjahr: 1974

 | Jahrzehnt: 1970 - 1979

 | Produktionsland: GroßbritannienUSA

 

In Der Mann mit dem goldenen Colt kommt Roger Moore zu seinem zweiten Auftritt als James Bond. Der neunte Ableger der Filmreihe merzt einige Schwächen des Vorgängers aus, behält aber dessen klamaukigen Habitus bei und verschwendet damit viel Potenzial sowie einen tollen Bösewicht.

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Filmkritik:

Der Filmtitel verweist auf den Beinamen von Francisco Scaramanga, der als gefährlichster Auftragskiller der Welt vorgestellt wird, der eine Million Dollar pro Abschuss fordert und stets mit einer goldenen Kugel tötet. Als eine solche den MI6 erreicht und alles darauf hindeutet, dass Bond auf der Abschussliste des Scharfschützen steht, begibt sich 007 auf die Suche nach dem legendären Schurken.

Schon die gelungene Pre-Title-Sequenz – Scaramanga gewinnt einen Wettkampf auf Leben und Tod in seiner privaten Arena – verdeutlicht, dass es Bond erstmals mit einem Gegner zu tun hat, der ihm sowohl intellektuell als auch körperlich gewachsen ist. Zudem besticht Scaramanga durch Selbstsicherheit und Ruhe, große Gesten hat er nicht nötig.

Selbst Bonds Virilität spiegelt sich in ihm wieder, denn im Gegensatz zu den sonst asexuellen Gegenspielern schätzt Scaramanga die Schönheit der Frauen. Zudem verleiht die Präsenz von Christopher Lee der Figur eine noble Distinguiertheit, die es mit Bonds Arroganz aufnehmen kann. Folglich verspricht das Aufeinandertreffen der beiden Alphamännchen ein spannendes Duell auf Augenhöhe.

Der Weg zum Finale bestätigt jedoch zuerst einmal die Schwächen des Vorgängers, da Der Mann mit dem goldenen Colt in unschöner Beliebigkeit das Standardrepertoire der Filmserie abspult: Bond hechtet mit ironisch hochgezogener Augenbraue von Setpiece zu Setpiece, rauft sich mit gesichtslosen Handlangern und bespaßt zwei Bondgirls, die weder eine Persönlichkeit erhalten noch eine Funktion für den Plot erfüllen.

Die Einfallslosigkeit des Drehbuchs gipfelt in der Reaktivierung der nervigsten Figur des Vorgängerfilms: Selbst am anderen Ende der Welt trifft Bond auf den Südstaatensheriff Pepper. Es hätte ein kurzes Bonmot werden können, doch leider bindet der Film die vollkommen überzeichnete Figur eine ganze Sequenz lang ein; mit seinen als „humorvoll“ konnotierten rassistischen Kommentaren ruiniert Pepper eine eigentlich ansprechende Verfolgungsjagd, die zudem memorabel endet:

Bonds Auto rast mittels einer Rampe über einen Fluss, wobei sich der Wagen während des meterweiten Sprungs um seine Längsachse dreht. Es handelt sich um einen handgemachten Stunt, der sich ganz auf physikalische Gesetze und eine präzise (schon damals am Computer durchgeführte) mathematische Kalkulation verlässt.

Doch weil der Film ach so humorvoll sein will, unterlegt er den Sprung mit einem comichaften Geräusch, das alles ins Lächerliche zieht – der beeindruckende Stunt mutet plötzlich wie ein billiger Spezialeffekt an. Grober Ulk dominiert die durchaus vorhandenen Stärken – diese Szene steht symptomatisch für die Schwächen der Moore-Ära, die ihr Potenzial nie ausschöpfen kann.

Der Mann mit dem goldenen Colt besitzt durchaus einige Stärken, etwa in den im Vergleich zum Vorgänger deutlich ansprechenderen Schauplätzen Macau, Hongkong und Bangkok. Selbst die oft penetrante Ironie trifft manches Mal ins Schwarze, wenn Hamiltons Werk beispielsweise die damalige Popularität der Bruce Lee-Filme anzapft und eine Martial-Arts-Einlage einbaut, bei der zwei zierliche Schulmädchen diverse Handlanger vermöbeln.

In der Summe enttäuscht der Film jedoch, denn es scheint so, als wären den Beteiligten bereits die Ideen ausgegangen, obwohl die Neubesetzung und -interpretation kurz zuvor im Vorgänger stattfanden. Als „zweiter Teil“ lässt Der Mann mit dem goldenen Colt keinen Willen erkennen, mit seiner Titelfigur und ihrer spannenden Filmwelt etwas Neues anzufangen, ihnen etwas hinzuzufügen; stattdessen gehen Drehbuch und Hauptdarsteller auf Nummer sicher und begnügen sich mit bereits Vorhandenem.

Moore verlässt sich wie im Vorgänger ganz auf selbstbewusste Posen und gibt sich mit dem Offensichtlichen zufrieden. Sein James Bond bleibt ein reines Werbegesicht – wie gemacht für ganzseitige Anzeigen für Rolex und Aston Martin, aber auch unnahbar und glatt, ohne Charakter. Es ist kaum vorstellbar, wie Moore etwa George Lazenbys komplexen Bond in Im Geheimdienst Ihrer Majestät gespielt hätte.

Auch das Drehbuch deutet nur in Nuancen an, ein Interesse am Ausbau der Figur zu haben. Das kommt besonders in einer Szene zum Tragen, in der 007 eine Frau mit einigen Schlägen zur Zusammenarbeit nötigt, statt wie in früheren Filmen mit ihr zu schlafen. Rohe Gewalt statt Charme – eine in dieser Form noch nicht gezogene Option, die Bonds Charakter hinterfragt. Derartige Zwischentöne opfert der Film dann allerdings schnell wieder den billigen Gags.

Immerhin erfüllt das Finale einen Teil der Erwartungshaltung, da sich Der Mann mit dem goldenen Colt viel Zeit für das Aufeinandertreffen von Held und Schurke nimmt. Anstatt sich sofort über den Haufen zu schießen, wird erst einmal gediegen diniert, womit uns der Film die Möglichkeit gibt, Ähnlichkeiten und Unterschiede zu beobachten.

Das Duell der beiden führt uns zurück in die Arena aus der Pre-Title-Sequenz und kann die aufgebaute Spannung nicht einlösen. Der wie ein Kirmes-Gruselkabinett eingerichtete Handlungsort wirkt nicht mehr zeitgemäß, punktet aber zumindest durch das Spiel mit Licht und Kulissen. Der Auseinandersetzung selbst fehlt es jedoch an Tempo und Raffinesse.

Wenigstens das gelungene Handlanger-Duell in der traditionellen letzten Szene des Films bietet einen versöhnlichen Abschluss und lässt auf einen stärkeren Nachfolger hoffen.

★★☆☆☆☆

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1970 – 1979

Die durch die neuen Wellen der Sechziger Jahre eingeleiteten Veränderungen nahmen auch in den Siebzigern Einfluss. In den USA entstand das New Hollywood und in Europa u.a. der Neue Deutsche Film. Erstmals kumulierten hohe Studiobudgets und die Kreativität junger Regisseure. Gegen Ende der Siebziger sorgte eine neue Entwicklung für die Wende: Die ersten Blockbuster erschienen und etablierten das Konzept marketinginduzierter Kino-Franchises.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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