In Feuerball kommt James Bond zu seinem vierten Einsatz. Der Film knüpft nahtlos an den von Goldfinger definierten Standard der Reihe an, verpasst es aber trotz guter Ansätze, eigene Akzente zu setzen.

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Filmkritik:

Die Pre-Title-Sequenz nimmt die Stärken und Schwächen von Bond Nummer 4 bereits vorweg. Zunächst fährt die Eröffnungsszene Selbstironie, Überraschungen und überraschend harte Action auf, macht den guten Eindruck jedoch gleich wieder zunichte.

In Bedrängnis zaubert 007 aus dem Nichts ein Jetpack hervor und fliegt in einer schlecht gealterten Szene davon. Damit offenbart Feuerball schon zu Beginn, dass der Fokus auf technischen Sperenzien statt erwachsenem Storytelling liegt.

Die stärkste Phase des Films setzt gleich nach der freudianischen Titelsequenz ein. Wo Goldfinger noch eine Absage an altmodische Genrestandards formulierte, besinnt sich das vierte Bond-Abenteuer der Tugenden des Agentenfilms und beginnt im besten Sinne altmodisch.

Das Drehbuch schickt Bond auf einen amüsanten Urlaub in ein Sanatorium. Zur Ruhe kommt 007 aber nicht – erst beschäftigt ihn das weibliche Personal, dann stößt er auf einen neuen Plan der Verbrecherorganisation SPECTRE. Im Vergleich zu den größenwahnsinnigen Vorhaben anderer Bond-Folgen wirken die finstere Absichten in Feuerball ziemlich schlicht: Ein Kampfjet mit zwei Atombomben soll entführt werden, um anschließend die Vereinten Nationen zu erpressen.

Das führt zu einem Unikum: Erstmals in der Reihe können wir den Plan der Bösewichter von Anfang an verfolgen. In den Vorgängern dienten die schurkischen Aktivitäten als bloßes Vehikel für den Plot, doch in Feuerball bilden sie einen essentiellen Teil der Handlung. Weil die Bedrohung deutlich konkreter als den Vorgängern ist, generiert der Film eine ordentliche Portion Spannung.

Das Drehbuch gibt sich große Mühe, die atomare Gefahr für die Welt zu transportieren. Statt Bond zu einer typischen Einsatzbesprechung zu laden und den Fall anschließend im Alleingang aufklären zu lassen, zieht das Skript das Geschehen diesmal eine Nummer größer auf. Nicht Bond alleine, sondern alle Doppelnull-Agenten des MI6 werden auf SPECTRE angesetzt.

Auf die ansprechende erste Filmhälfte folgt eine schwächere zweite. Feuerball begnügt sich damit, die Standardprozedur der Filmserie abzuarbeiten. In gewohnter Manier verknüpft der Film eine exotische Umgebung, Actionszenen und Bonds Frauengeschichten miteinander. Dabei springt der Funke trotz einiger exzellent geschriebener Dialoge und einer guten Mischung aus Witz und Spannung nie ganz über.

Der Hauptdarsteller ist daran nicht ganz unschuldig. Sean Connery hatte sich mit einem langjährigen Vertrag an die Bond-Reihe gebunden. Während seines (vorerst) vorletzten Auftritts hatte der Schotte offensichtlich keine große Lust mehr auf die eindimensionale Figur – in Feuerball wirkt sein Spiel mechanisch und gelangweilt.

In seinen besten Szenen glänzt Connery dank amüsanter Wortduelle mit seinem Konterpart Adolfo Celi. Celi spielt den Bösewicht Emilio Largo herrlich distinguiert und setzt damit einen Kontrast zum impertinenten 007.

Den Tiefpunkt des Films bildet ausgerechnet das Finale. Feuerball verstrickt drei Dutzend Agenten und Schurken in einem Endkampf unter Wasser und setzt auf geballten Produktionsaufwand. Zahllose Harpunen und sogar einige kleine U-Boote kommen zum Einsatz, eingefangen wurde das Geschehen durch diverse Kameramänner.

Die ausgestellten Mühen ändern allerdings nichts an der schlafmützigen Wirkung des Showdowns. Das Wasser zwingt der Action ein zeitlupenartiges Tempo auf und verhindert jegliche Dynamik. Spannung entsteht auch nicht, weil sich gesichtslose Statisten in Neoprenanzügen beharken – wer da wen erdolcht, ist zweitrangig. Trotz guter Kameraführung fühlt sich die 10-minütige Sequenz deutlich länger an.

Nach dem gelungenen Goldfinger stellt Feuerball einen Rückschritt für die Filmreihe dar. Die Konzentration auf technischen Protz wirkt inzwischen veraltet, Bond Nummer 4 besitzt im besten Fall einen Retro-Charme. In Man lebt nur zweimal, dem fünften Teil des Bond-Universums, sollte die negative Entwicklung dann ihren vorläufigen Höhepunkt finden.

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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