Jagd nach Dr. No markiert den Startpunkt für die Kinokarriere von James Bond, der in den letzten 50 Jahren weit über 20 Einsätze absolviert hat und längst in die Popkultur eingegangen ist. Die erste Adaption der Bond-Romane von Ian Fleming setzte bereits die meisten Standards der Reihe und überzeugt noch immer mit seinem Charme.

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Filmkritik:

Im ersten Abenteuer schickt der MI6 seinen Doppelnull-Agenten James Bond nach Jamaika, um das Verschwinden zweier Geheimdienstmitarbeiter aufzuklären. Dabei kommt er einem geheimnisvollen Bösewicht auf die Spur, der von einer schwer bewachten Insel aus die Raketenstarts von Cape Canaveral behindert.

Jagd nach Dr. No startet noch nicht mit der später obligatorischen Pre-Title-Sequenz, sondern direkt mit der berühmten Sicht aus einem Pistolenlauf, die sicherlich aus Samuel Fullers innovativen Western Vierzig Gewehre kopiert wurde. Es folgt ein bunter, aber unspektakulärer Vorspann von Maurice Binder, der später deutlich imposantere Opening Credits animieren sollte.

Im Gegensatz zu den späteren Filmen der Reihe beschränkt sich der Plot aufs Allerwesentlichste. Das fällt aber kaum ins Gewicht, weil die Präsentation Maßstäbe setzte. Die weltberühmte Musik und der exotische Schauplatz bilden den Rahmen für eine enorme Handlungsdichte. Jagd nach Dr. No beeindruckt mit hohem Tempo und liefert in beinahe jeder Szene einen Konflikt. Diese bewältigt 007 entweder mittels einer Vielzahl von Faustkämpfen, Schießereien und Verfolgungsjagden, oder mit seinem teuflischen Charme.

Tatsächlich stellen Bonds pazifistische Annäherungen an die Zielobjekte die eigentliche Qualität des ersten Teils dar. Die Action macht Spaß, ist allerdings nicht sonderlich gut gealtert; die überhebliche Coolness von Sean Connery erweist sich hingegen als zeitlos und der trockene Dialogwitz zündet regelmäßig.

Das Produktionsdesign von Ken Adam, der ganze sieben Bond-Filme sowie Kubricks Dr. Seltsam und Barry Lyndon verantwortete, kommt wie so oft in der Operationsbasis des Schurken zur Geltung. Mit seiner Mischung aus aufwendig gestalteten Sets, der exotischen Kulisse Jamaikas, schönen Frauen und vielfältiger Action etabliert Jagd nach Dr. No bereits den Standard für alle nachfolgenden Teile. Als erster Vertreter seiner Art besitzt der Film von Terence Young aber auch noch einige ungeschliffene Elemente.

Nach der launigen ersten Hälfte verliert der Film seinen Faden. Das liegt auch an dem ikonischen Auftritt von Ursula Andress, die als erstes Bond-Girl den Fluten entsteigt, dann jedoch bloße Dekoration bleibt. Dabei macht sie immerhin noch einen besseren Eindruck als ein pseudobedrohlicher Flammenpanzer, der klappriger als eine Cola-Dose wirkt und der Dramaturgie nicht zuträglich ist.

Aus seinem titelgebenden Bösewicht macht Jagd nach Dr. No zu wenig. Der finstere Wissenschaftler bleibt über weite Strecken unsichtbar und tritt dann wenig bedrohlich auf. Dr. No stellt weder eine intellektuelle Gefahr dar, noch nutzt er das Potenzial seiner metallenen Hände für eine körperliche Konfrontation mit 007. Das Finale verläuft dementsprechend ohne Höhepunkt und bleibt kaum in Erinnerung.

Die noch nicht vollends austarierten Elemente des ersten Teils bringen allerdings auch einige memorable Momente hervor. In einer für die Nachfolger undenkbaren Szene erschießt 007 kaltblütig einen wehrlosen Schurken. Diese Dissonanz ändert nichts am ansonsten beschwingten Tonfall, der Jagd nach Dr. No zum modernsten Actionfilm seiner Ära machte. Spätestens durch den Nachfolger Liebesgrüße aus Moskau erarbeitete sich James Bond seinen Platz in der Popkultur.

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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