Liebesgrüße aus Moskau führt die Linie des ersten Bond-Films nahtlos fort und verbessert das erfolgreiche Rezept in Details: Die Figuren erhalten mehr Raum, die Handlung mehr Schauplätze. Die perfekte Balance zwischen lockerer Unterhaltung und spannender Action verfehlt Teil 2, das Niveau des Vorgängers erreicht er trotzdem.

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Filmkritik:

Nachdem James Bond in Jagd nach Dr. No die Pläne der globalen Verbrecherorganisation S.P.E.C.T.R.E. zerschlagen hatte, schmieden die Schurken ein neues Komplott. Der geniale Schachgroßmeister Kronsteen spielt den MI6 und den KGB gegeneinander aus. Mit einer Chiffriermaschine als Köder lockt er Bond nach Istanbul, damit dieser als Sündenbock dient.

Liebesgrüße aus Moskau führt als erster Bond-Film die typische Struktur der Reihe ein und startet mit einer spannenden Pre-Title-Sequenz, die gleich mal die Schlagkraft der Antagonisten beweist. Daran schließt ein hübscher Vorspann an, der sein Pendant aus dem ersten Teil locker in den Schatten stellt und die Richtung für die aufwendigen Opening Credits der nachfolgenden Teile vorgibt.

Die Fortsetzung beseitigt das größte Manko des ersten Bond-Abenteuers: Wo Dr. No noch (zu) lange unsichtbar blieb und Bond weitestgehend unbehelligt agieren konnte, bekommt er es im zweiten Einsatz mit einer Vielzahl von Gegnern zu tun.

Schon zu Beginn offenbart Liebesgrüße aus Moskau (die Stimme, Hände und Katze von) Oberschurke Blofeld, der gleich zwei leitende Angestellte von S.P.E.C.T.R.E. auf Bond ansetzt. Während Schachgenie Kronsteen blass bleibt, überzeugt die handfeste Russin Rosa Klebb, die zudem einen gefährlichen Handlanger ins Spiel bringt. Mit dem Agenten Grant bekommt 007 erstmals einen ebenbürtigen Konkurrenten, was die Spannung deutlich erhöht.

Außerdem engagiert Klebb das zweite Bond-Girl: Die junge Russin Tatiana Romanova weiß nicht, dass sie eigentlich für S.P.E.C.T.R.E. arbeitet, und soll als Lockvogel für 007 dienen. Romanova erhält viel Spielzeit und erweist sich als wichtiger Bestandteil der Handlung, anstatt wie ihre Vorgängerin des ersten Teils nur als bloße Dekoration zu dienen – ein weiterer Fortschritt der Reihe.

Auch Sean Connery bekommt seine Figur zunehmend besser zu fassen und legt in Teil 2 erstmals eine gehörige Portion Selbstironie an den Tag. Dabei kommt ihm der deutlich heitere Tonfall von Liebesgrüße aus Moskau entgegen. Die Vielzahl flotter Sprüche sorgt für einen hohen Unterhaltungswert, schmälert aber die Spannung.

Die vielen Ortwechsel kaschieren das teilweise und stellen eine weitere Verbesserung zum Vorgänger dar: Wo Jagd auf Dr. No sich auf Jamaika beschränkte, bereist Bond nun Istanbul und Venedig, übernachtet in einem Zigeunerlager und unternimmt eine suspense-lastige Fahrt mit dem Orientexpress. Dabei kommen auch erstmals die in späteren Bond-Filmen obligatorischen Gadgets zum Einsatz – der zweite Teil hält einen hilfreichen Multifunktionskoffer parat.

Liebesgrüße aus Moskau trifft noch nicht den typischen Tonfall späterer Bond-Abenteuer und schwächelt auch bei der Action, die zahlreichen strukturellen und inhaltlichen Verbesserungen zahlen sich hingegen aus: Der zweite Teil leistet die entscheidende Vorarbeit für den Nachfolger Goldfinger, der als Musterbeispiel der Bond-Reihe für Furore sorgte.

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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