James Bond 007 – Im Angesicht des Todes

Ein Film von John Glen

 

 | Erscheinungsjahr: 1985

 | Jahrzehnt: 1980 - 1989

 | Produktionsland: GroßbritannienUSA

 

Im dritten Anlauf gelang Regisseur John Glen ein versöhnlicher Abschluss für die Roger Moore-Ära: Entgegen seines schlechten Rufs findet Im Angesicht des Todes eine stimmige Mischung zwischen zeitgemäßer Härte und ironischem Gestus und vermeidet jene Fehler, die die beiden Vorgänger zu einer Enttäuschung gemacht hatten.

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Filmkritik:

Im Angesicht des Todes genießt keinen guten Ruf: In den einschlägigen Umfragen zur Filmreihe ist er regelmäßig am unteren Ende der Rangliste zu finden. Deshalb muss mal eine Lanze für den Film gebrochen werden: Er mag weniger Potenzial als viele der vorherigen Bond-Abenteuer besitzen, doch im Gegensatz zu den meisten von ihnen schöpft Bond Nummer 14 seine Möglichkeiten aus und macht das Beste aus seinen Schwächen.

Der Kalte Krieg muss mal wieder als Fundament für den Plot herhalten, doch dem angestaubten Szenario zum Trotz erweist sich das Drehbuch als überraschend modern. Es verzichtet auf überzeichnete Russen mit Größenwahn und schickt 007 auf die Spur eines korrupten Tech-Genies, das den Konflikt zwischen Ost und West schlicht zur finanziellen Bereicherung nutzt. Das bringt den Zeitgeist der Achtziger Jahre auf den Punkt: Der Materialismus übertrumpft die politischen Ideologien.

Für den mikrochipschmuggelnden Antagonisten Max Zorin verpflichteten die Produzenten zum ersten Mal einen Oscar-Preisträger: Christopher Walken gibt einen vortrefflichen Fiesling ab und bügelt damit eine der größten Schwächen der beiden in dieser Hinsicht blassen Vorgänger aus.

Unterstützung erhält Zorin von der amazonengleichen Killerin May Day, die aufgrund des Charismas von Grace Jones zu den großartigsten Sidekicks der Reihe zählt. May Day hinterfragt die Standhaftigkeit der Alpha-Männchen – sie liefert sich mal sportliche, mal ernsthafte Zweikämpfe mit Zorin und Bond und bleibt selbst im Bett obenauf. Ihre markanten Outfits und die ikonische letzte Szene bleiben in Erinnerung.

007 bekommt hingegen keine starke Partnerin an die Seite gestellt. Für Bondgirl Stacy Sutton fallen dem Drehbuch weder eine Funktion noch eine Charakterisierung ein. Ihre Passivität stellt einen Rückfall in alte, schlechtere Zeiten dar. Tanya Roberts vermag die undankbare Figur auch nicht zu retten und agiert reichlich hölzern.

So muss James Bond die Welt mal wieder alleine retten, was im fortschreitenden Alter nicht einfacher wird. Schon in den vorherigen Filmen konnte die aufreizend dargebotene Dauerironie nicht länger kaschieren, dass die Actionszenen holprig und die amourösen Ausflüge seltsam anmuteten. Seinen siebten und letzten Auftritt absolvierte Roger Moore mit 57 Jahren, doch Im Angesicht des Todes geht damit recht geschickt um und bringt ihn in vorteilhafte Situationen, die Moore routiniert runterspielt, während die Stuntdoubles den Rest übernehmen.

Dabei hilft es dem Film ungemein, dass er endlich einen funktionierenden Modus Operandi findet, indem er eine Balance aus den Ansätzen der Vorgänger herstellt. Der 14. Bond ist unterhaltsam, ohne wie Octopussy ins Lächerliche abzugleiten, und bietet einen zeitgemäßen Realismus, ohne sich dabei so dröge wie In tödlicher Mission zu geben.

Insbesondere die Spannungsszenen unterhalten ausgezeichnet: Von der Ski-Verfolgungsjagd der Pre-Title-Sequenz über ein schönes Setpiece im Eifelturm und ein amüsantes Pferderennen voller überraschender Hindernisse bis hin zum zerstörerischen Einsatz eines Feuerwehrautos in den Straßen San Franciscos. Dramaturgisch geht dem Film in der zweiten Hälfte etwas die Puste aus, das exzellente Finale fängt das jedoch wieder auf und erinnert an die Hitchcock-Klassiker Saboteure und Der unsichtbare Dritte.

Damit setzt Im Angesicht des Todes einen stimmigen Schlusspunkt für die Ära von Roger Moore. Wie die konzeptionelle Weiterentwicklung der Reihe aussehen würde, erschien so offen wie lange nicht – erstmals wurde im Abspann kein Nachfolger angekündigt. Wieder einmal brauchte das etablierte Konzept einen neuen Spin und einen neuen Hauptdarsteller. Es sollte Timothy Dalton werden, der für Der Hauch des Todes in die Fußstapfen von Roger Moore trat.

★★★★☆☆

1980 – 1989

Nach zwei Jahrzehnten, die sich zunehmend auf anspruchsvolle Werke fokussierten, fand in den Achtziger Jahren ein Umschwung statt. Genrefilme erlebten ein Comeback und Hollywood setzte zunehmend auf aufwendige Blockbuster. Das Unterhaltungskino begann, die Kinolandschaft zu dominieren.

Actionfilm

Das Actiongenre zählt zu den ursprünglichsten Formen des Kinos. Das Medium Film begann als Show der Sensationen und findet noch heute seine Entsprechung: in aufwendigen Martial-Arts-Choreographien, rassigen Verfolgungsjagden und ausufernden Schusswechseln. Actionfilme geben uns die Möglichkeit, wieder Kind zu sein und leichtfertigem Eskapismus zu frönen.