Tödliche Entscheidung setzt den Schlusspunkt unter die 50-jährige Kinokarriere von Regisseur Sidney Lumet, der seiner eindrucksvollen Vita im Alter von 83 Jahren noch ein Highlight hinzufügte.

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Filmkritik:

Lumets letztes Werk erweist sich als Neo-Noir, der im Gegensatz zu vielen ähnlich gelagerten Filmen darauf verzichtet, möglichst gewitzt und postmodern mit den Bestandteilen der Strömung zu spielen. Stattdessen interpretiert der Regisseur sie in bester altmodischer Tradition und setzt auf grundsätzliche Tugenden: Wie einen Pilz in einer Petrischale lässt er die nur wenige Tage umfassende Handlung treiben, spitzt die Rahmenbedingungen immer weiter zu und beobachtet das fatalistische Geschehen beim Wuchern.

Die grundsätzliche Plotidee mag dann zunächst auch wie eine forcierte Versuchsanordnung wirken, doch dieser Eindruck verfliegt schnell, weil Tödliche Entscheidung seine Handlung mit einigen Kunstgriffen organisch herleitet. Mit Rückblenden und Blickwinkelwechseln arrangiert Lumet die Geschehnisse um die im Zentrum befindlichen Figuren: „Handlung“ bedeutet hier, wie die Figuren aufeinander einwirken und sich entwickeln, auf künstliche Spannungsmache von außen verzichtet der Film.

Das bereits zu Beginn hohe Spannungsniveau hält Tödliche Entscheidung konstant und steigert das Geschehen konsequent. Dabei lässt Lumets erzählerische Perspektive zwar eine gewisse beobachtende Distanz zu, sucht jedoch die räumliche Nähe zu den Figuren und gestattet uns darüber intime Eindrücke dieser verzweifelten Männer unter Hochspannung.

Obwohl die Protagonisten aufgrund ihres Tuns nicht sympathisch erscheinen, gelingt es dem Film dennoch, sie zu Identifikationsfiguren aufzubauen; nicht wegen der Faszination des Bösen, sondern aufgrund der großen Menschlichkeit, die das Drehbuch den Männern verleiht, während sie ihre Fehler begehen und Kollateralschäden verursachen. Dies ist auch ein Verdienst des überragenden Ensembles: Vor allem Philip Seymour Hoffman und Albert Finney bestechen mit ihrem nuancenreichen Spiel, Marisa Tomei und Ethan Hawke überzeugen ebenfalls.

Tödliche Entscheidung vereint die Vorzüge klassischer Melodramen mit der Spannung moderner Hollywoodthriller, imponiert mit der ungemein präzisen Regie von Sidney Lumet und den außerordentlichen Schauspielleistungen.

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DAS GENRE

Ähnlich wie der Actionfilm basiert auch das Thriller-Genre nicht auf inhaltlichen, sondern auf formalen Gesichtspunkten. Eine größtmögliche, im Optimalfall konstant gehaltene Spannung ist das Ziel. Dafür bedienen sich Thriller in der Regel einer konkreten Bedrohungslage. Wird die Gefahr überwiegend über Andeutungen und Suspense transportiert, findet gerne der Terminus Psychothriller Anwendung.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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