The Survivalist

Regie: | Jahrzehnt: | Genre: ,


Filmkritik:

Der britische Endzeitthriller The Survivalist entwirft sein postapokalyptisches Szenario mit einem realistischen Ansatz, zieht daraus ein Höchstmaß an Konflikten und glänzt durch enorme Spannung.

Der Debütfilm des britischen Regisseurs Stephen Fingleton spielt nach einer fatalen Apokalypse, die der Vorspann ganz ökonomisch zusammenfasst: Zwei parallel steigende Diagrammlinien werden gezeigt; ein Graph steht für die Menschheitspopulation, der andere für die Erdölfördermenge. Als diese zweite Linie plötzlich einbricht und gen Null tendiert, reißt sie die erste Linie mit sich – die Menschheit ist nahezu ausgelöscht.

The Survivalist spielt mindestens ein, vielleicht aber auch mehrere Jahrzehnte nach dieser Katastrophe und zeigt das Leben des namenlosen Protagonisten in den ersten fünfzehn Minuten ohne ein gesprochenes Wort. Der Mann lebt allein in einer Hütte im Wald, baut gebrechliche Gemüsepflanzen an, erzeugt Dünger aus seinen Ausscheidungen und gewinnt brennbares Lampenöl aus Baumrinden. Alles hat seine Ordnung und Funktion im Leben dieses Mannes – wäre es anders, er könnte nicht überleben. Der anfänglichen Reduktion des Films wohnt etwas beinahe schon Meditatives inne, obgleich diese naturalistische, technologiefreie Welt gleichzeitig bedrückend wirkt.

Doch dies war erst der Auftakt – in einer Welt, in der jeder Kontakt mit anderen Menschen eine existenzielle Bedrohung darstellt, stehen plötzlich zwei Frauen vor der Tür des Namenlosen. Sofort zieht der Film die Spannungsschrauben an: Blicke schießen hin her, knappe Wörter und drohende Gesten werden gewechselt. Ohne effekthascherisches Brimborium inszeniert Fingleton hier einen sozialen Kontakt als Vorstufe eines gewaltsamen Todes. Wie kompromisslos der Film ist, beweist er einmal mehr im folgenden Tauschgeschäft: Sex gegen Nahrung und die leise Hoffnung, länger bleiben zu können.

Erst jetzt läuft der bis dato schon gute Film zur Hochform auf und fabuliert eine ganze Reihe moralischer und existenzieller Konflikte innerhalb dieser fragilen Drei-Personen-Gesellschaft: Jedes Zugeständnis an soziale Bedürfnisse gefährdet die Sicherung des eigenen Überlebens. Nicht nur findet Fingleton, der auch das Drehbuch schrieb, perfekt dosierte Steigerungen dieser Situation, durch die Bedrohungen innerhalb und außerhalb der Gruppe sorgt er auch für nervenaufreibende Höhepunkte, die die so omnipräsente wie trügerische Ruhe durchbrechen und stets existenzielle Ängste auslösen.

The Survivalist erweist sich aufgrund seiner cleveren Reduktion aufs Wesentliche als überaus wirkungsvoll und kaschiert sein mageres Budget von knapp über einer Million Euro vollständig. Sowohl im Hinblick auf die Drehbuchgestaltung, als auch auch inszenatorisch wirkt Stephen Fingletons Arbeit reif und sicher.  Zudem profitiert der Film enorm von seiner talentierten Besetzung – das körperliche Spiel des irischen Hauptdarstellers Martin McCann erinnert an Daniel Day-Lewis in Der letzte Mohikaner, während Olwen Fouere und Mia Goth als Mutter-Tochter-Gespann vollends überzeugen.

Mit seiner so subtilen wie wirkungsvollen Kammerspielatmosphäre bildet The Survivalist den Gegenpol zu weitläufigen Endzeitfilmen wie The Road und fesselt von der ersten bis zur letzten Minute. Das intelligente Drehbuch vereint dramaturgische Klasse mit spannenden moralischen Konflikten und sorgt in Verbindung mit Fingletons straffer Regie für ein intensives Filmerlebnis.

Handlung:

Irgendwann in der Zukunft: Das Erdöl ist zur Neige gegangen und die Menschheit deswegen beinahe ausgelöscht. Seit sieben Jahren lebt ein namenloser Einzelgänger in einem Wald und hütet die zarten Gemüsepflanzen, die sein Überleben sichern. Doch als eines Tages zwei Frauen die Fallen umgehen und vor seiner Tür stehen, ändert sich alles. Der einsame Mann muss sich entscheiden – riskiert er für soziale Kontakte sein Überleben?

0

C

B

B

Bei Amazon anschauen

Auch aus diesem Genre:

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

Leave A Comment

FilmsuchtPLUS abonnieren

Als Abonnent von FilmsuchtPLUS erhältst du 32 Geheimtipps auf einmal und kannst herausfinden, welcher Empfehlungsgrad am besten zu dir passt. Außerdem verpasst du keine neuen Filmtipps mehr, weil ich dich per E-Mail auf dem Laufenden halte.
Email-Adresse
100% kostenlos und spamfrei