Die City Cobra zählt zu den finanziell erfolgreichsten Filmen in Sylvester Stallones Filmografie der Achtziger Jahre. Inzwischen mutet der reaktionäre Reißer jedoch wie ein Relikt aus einer fernen Zeit an.

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Filmkritik:

Mitte der Achtziger Jahre entbrannte zwischen Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger ein Zweikampf um den Titel als größte Ikone des Actionkinos. Als Stallone die Hauptrolle in Beverly Hills Cop angeboten bekam, sah er seine Chance auf den Thron und schrieb das ihm vorgelegte Drehbuch rigoros um. Der omnipräsente Humor sollte ernsthaftem Actionbombast weichen, der jedoch nicht ins Konzept und die Budgetplanung der Produzenten passte. Während Beverly Hills Cop gerade wegen seiner Ironie und dem als Stallone-Ersatz angeheuerten Eddie Murphy zum Erfolg wurde, steckte Stallone seine Ideen in Die City Cobra.

Stallone Autorenschaft ist dem Film in jedem Moment anzumerken. Die für ihn so typische, biedere Ernsthaftigkeit durchzieht das gesamte Script, jede noch so simple Szene sucht angestrengt nach Bedeutung. Immerhin sorgt diese akzentuierte Schwere für eine der wenigen Stärken von Die City Cobra, der das Amerika der Achtziger Jahre als nahezu apokalyptische Welt zeichnet.

Das fängt schon bei Stallones schnodderig eingesprochenem Voice-Over des Vorspanns an: „In America, there’s a burglary every 11 seconds, an armed robbery every 65 seconds, a violent crime every 25 seconds, a murder every 24 minutes and 250 rapes a day.“ Aus der Perspektive des Films greift die Kriminalität in den Vereinigten Staaten wie eine Seuche um sich. Bereits in der einzigen gelungenen Sequenz des Films, der Geiselnahme in einem Supermarkt zu Beginn, sagt Stallones knallharter Cop nicht von ungefähr zum Geiselnehmer: „Du bist eine Krankheit. Ich bin die Heilung.“

Wo die Supermarktszene noch Lust auf fetziges Actionkino macht, offenbart der Film kurz darauf seine zweifelhafte Weltsicht. Sowohl ein gesetzestreuer Polizist als auch einige kritische Journalisten hinterfragen die Erschießung des Geiselnehmers – haben nicht auch Verbrecher Bürgerrechte? Stallones Marion Cobretti verweist auf die erschossenen Supermarktbesucher – Auge um Auge, darunter gehts nicht. Gleich mehrfach vertritt Die City Cobra mit seinem ultra-reaktionären Gestus die Hardliner der ausgehenden Reagan-Ära. Damit passt das Werk von Regisseur George P. Cosmatos auch überraschend gut in die Ära von Donald Trump. Cobretti hätte Trump gewählt und die Trennung von Judikative und Exekutive als Fake News bezeichnet.

Abseits seiner unangenehmen inhaltlichen Positionierung erweist sich Die City Cobra schlichtweg als schlechter Film, der seinen profillosen Figuren Dialoge auf elementarstem Niveau in den Mund legt und sie durch einen Plot schickt, dem keinerlei Kohärenz innewohnt. Aufgrund der comichaften Antagonisten und der trotz einiger Brutalität faden Actionszenen erzeugt Cosmatos Film keinerlei Spannung.

Allerdings scheitert Die City Cobra auf interessante Weise. Zu Stallones borniertem Weltbild gesellt sich eine übermotivierte Inszenierung, wegen der Cosmatos‘ Werk beinahe wie eine postmoderne Auseinandersetzung mit der Beliebigkeit des Actionkinos anmutet. Nahezu jede Szene besteht aus einer Ansammlung von Seltsamkeiten: Willkürliche Jump Cuts und sinnfreie Parallelmontagen verleihen dem Film das Flair eines schlechten Musikvideos, während der grauenhafte Schnitt daran arbeitet, auch die letzten Sinnzusammenhänge zwischen den Szenen zu zerstören. Einzig die schmissigen Achtziger-Jahre-Songs und der horrorfilmartige Score verweigern sich dem Dilettantismus; ins Lächerliche kippt der Film dennoch.

Wie Stallone sich Humor vorstellt, belegt er in der letzten Szene des Films: Sein Protagonist darf dann noch nach überstandener Massenschießerei „ironisch“ dem gesetzestreuen Polizisten die Nase zerschlagen, weil er das finale Massaker nicht gutheißt. Wir lernen: Rechtsstaatliche Prinzipien sind etwas für Hampelmänner.

Die im Jahr 1986 ausgetragene Runde im Zweikampf zwischen Schwarzenegger und Stallone geht klar an den Österreicher. Sein zwei Wochen nach Die City Cobra erschienener Reißer Der City-Hai (die deutschen Verleiher bewiesen bei der Namensfindung Humor) spielte zwar deutlich weniger Geld ein, ist jedoch der bessere Film. Das Machwerk von Stallone und Cosmatos missfällt mit seiner erzreaktionären Einstellung, der absurden Inszenierung und der mauen Action.

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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