Nicht auflegen!

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Filmkritik:

Der Thriller Nicht auflegen! versucht sich an der größtmöglichen Verdichtung einer Situation und spielt ausschließlich in einer Telefonzelle.

Mit einer ungewöhnlichen Idee im Gepäch trat der Drehbuchautor Larry Cohen an niemand Geringerem als Alfred Hitchcock heran, doch die beiden konnten sich kein plausibles Szenario ausdenken und verwarfen das Projekt daher; erst drei Jahrzehnte später kam Cohen die Erleuchtung. Regisseur Joel Schumacher drehte den Film dann mit für Hollywoodverhältnisse geringem Budget in nur zehn Tagen ab und presste das Konzept in knackige 81 Minuten Spielzeit.

Dabei setzt Schumacher auf eine Inszenierung nach Art von Musikvideos, wie sie zu Beginn des neuen Jahrtausends en vogue war. Heute wirken die ständigen Schnitte, der Einsatz von Fischaugenobjektiven und Split Screens sowie die übermäßig vielen Großaufnahmen von Hauptdarsteller Colin Farrell für einen übereifrigen Eindruck und verleihen Nicht auflegen! nur in negativer Hinsicht das gewisse Etwas.

Interessanter wirkt da schon das narrative Konzept des Films, der geschickt mehrere Konflikte auf engstem Raum vereint: Während Farrells unsympathische Yuppie-Figur zunächst durch einen unsichtbaren Scharfschützen bedroht wird und die Telefonzelle unter Androhung eines Todesschusses nicht mehr verlassen darf, versammelt sich die nichts ahnende Polizei um die Telefonzelle, weil sie deren Insassen für einen Mörder hält und eine Verhaftung anstrebt.

Aus diesem reizvollen Szenario schlägt Nicht auflegen! jedoch kein Kapital. Das Drehbuch vermag die Situation nicht weiter zu steigern (dem Scharfschützen fällt nichts weiter ein, als alle paar Minuten damit zu drohen, Passanten, Polizisten oder den Protagonisten zu erschießen, wenn Farrels Figur nicht dieses oder jenes tut) und das interessanteste Element der Geschichte bleibt weitestgehend außen vor.

Gerade als PR-Agent hätte sich die Hauptfigur des Films doch an der Berufsquatscherehre gepackt fühlen können, um sich auf den verbalen Zweikampf auf Leben und Tod einzulassen. Doch bereits nach wenigen Minuten werden die rhetorischen Scharmützel aufs Abstellgleis geschoben, das Drehbuch reizt die Standleitung zwischen Opfer und Täter nicht ansatzweise aus und vernachlässigt damit sträflich sein Alleinstellungsmerkmal – das haben Filme wie Verhandlungssache besser hinbekommen.

Auch der gesichtslose Antagonist erweist sich als blasses Schreckgespenst. Der Einsatz von Gewalt als Druckmittel für eine moralische Läuterung seiner Opfer bleibt durchgehend oberflächlich und – ähnlich wie beim einem Jahr später erschienenen Auftakt der Saw-Reihe – nur ein loses Vehikel für den Plot, dessen einfallslos Finale besonders enttäuscht.

Zum Flop gerät Nicht auflegen! dank der ordentlichen Darsteller nicht. Während Colin Farrell aus der beliebig wirkenden Hauptrolle des egoistischen Yuppies das Maximum rausholt, überzeugt Forest Whitaker als Polizist mit seiner Ausstrahlung und Kiefer Sutherland als Attentäter mit seiner sonoren Stimme. Auch dank der kurzen Laufzeit sorgt Joel Schumachers Werk für solide Unterhaltung, bleibt aufgrund der mangelhaften Ausgestaltung wesentlicher Elemente jedoch eine reine Stilübung.

Handlung:

Der mit allen Wassern gewaschene PR-Agent Stu Shepard steht ständig unter Strom und führt selbst unterwegs in New York mehrere Handygespräche auf einmal. Nur einmal am Tag gönnt er sich eine ruhige Minute, zieht sich in eine Telefonzelle zurück und ruft eine junge Frau an, mit der er eine Affäre plant. Doch nicht heute: Als das Münztelefon klingelt und Stu rangeht, meldet sich ein Unbekannter und droht damit, Stu zu erschießen, sollte er die Telefonzelle verlassen. Es ist der Beginn eines langen Nachmittages…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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