Tenebre

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:
Strömung: |

Filmkritik:

Mit Tenebre betätigte sich Dario Argento erneut im Bereich des Giallo, dem Subgenre des italienischen Slasherfilms, scheint den Stil der Strömung jedoch etwas weiterentwickeln zu wollen. Wie es sich gehört, treibt auch hier ein Killer mit schwarzen Lederhandschuhen und Rasiermesser sein Unwesen, doch im Gegensatz zu vielen anderen Gialli – insbesondere denen von Argento selbst – setzt Tenebre nicht so sehr auf starke Farbakzente, die eigentlich typisch für den Giallo sind; stattdessen dominiert ein klinisches Weiß die Inneneinrichtungen und Kostüme. Davon abgesehen greift der Film lediglich auf die Farbe Rot zurück, wenn der Mörder den Lebenssaft seiner Opfer über die weißen Interieurs verteilt.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die ungekürzte Fassung von Tenebre in Deutschland nach wie vor beschlagnahmt (!) ist. Eine hierzulande veröffentlichte Fassung mit Freigabe ab 18 Jahren wurde gekürzt, sodass die gut dosierten Gewaltspitzen nicht ihre vom Regisseur zugedachte Wirkung entfalten können.

Überzeugen kann Tenebre vor allem in technischer Hinsicht. Ein famoses Highlight hat die Kameraarbeit zu bieten: In einer minutenlangen Plansequenz umkreist die Kamera ein Haus, überfliegt es (dank eines großes Krans), belauert es regelrecht, lugt durch die Fenster, balanciert auf dem Dach und kommt erst zum Stillstand, als die Hände des Mörders im Bild auftauchen – hier manövriert Argento den Zuschauer gekonnt in eine voyeuristische Komplizenschaft und baut Spannung auf.

Während katastrophal geschriebene Dialoge im Giallo nahezu obligatorisch erscheinen, kann sich Tenebre auch hier von den Mitbewerbern unterscheiden, denn statt einsilbiger Wortwechsel wartet Argentos Film lieber mit subtilem Humor auf, obgleich seine Figuren immer noch recht funktional wirken. Der recht kreative Whodunnit-Plot, dessen Finale wirkungsvoll inszeniert ist, macht ebenfalls Spaß.

Allerdings bleibt der Weg zum Finale, von einigen inszenatorischen Highlights abgesehen, wenig einfallsreich und entspricht den typischen Gegebenheiten des Genres – Mordszenen und Sequenzen, in denen die Protagonisten sich auf die Tätersuche machen, wechseln sich stetig und gleichförmig ab, Spannung kommt so nur partiell auf. Zudem können die Darsteller nicht durchgehend überzeugen.

Für Fans von Dario Argento oder des Giallo führt an Tenebre aufgrund seiner Qualitäten kein Weg vorbei und wer mal einen Blick auf diese Spielart des Genres werfen will, bekommt einen guten Einstieg geboten.

Handlung:

In Rom will der Autor Peter Neal sein neues Buch vorstellen. Sein Besuch wird jedoch von einem grausamen Mord überschattet. Das Opfer, eine junge Frau, wird mit durchtrennter Kehle und zerknüllten Seiten von Neals Roman im Mund gefunden. Die Polizei sucht nach einem Zusammenhang mit dem beliebten Autor, dieser hält das Ganze noch für einen Zufall. Doch als es zu neuen Opfern kommt und er selbst in den Fokus des irren Killers rückt, ändert sich seine Meinung…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-16T16:21:24+00:00

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