Payback – Zahltag

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Filmkritik:

Der im besten Sinne altmodische Reißer Payback gefällt mit seiner kompromisslosen Geradlinigkeit. Aufgrund der zerfahrenen Produktionsgeschichte entstanden allerdings zwei Filmversionen, die sich deutlich unterscheiden. Daher folgen an dieser Stelle zwei Filmkritiken auf einmal.

Nachdem sich Brian Helgeland mit den fantastischen Drehbüchern für die Romanverfilmungen L.A. Confidential und Mystic River einen Namen machen konnte, adaptierte er Donald E. Westlakes Buch The Hunter und übernahm für die Verfilmung auch den Posten als Regisseur. Noch konsequenter als in seinen vorherigen Werken entwirft Helgeland eine nihilistische Welt, die mit ihrer geballten Ansammlung sadistischer Gangster und korrupter Polizisten beinahe wie eine Comicverfilmung wirkt. Es handelt sich bereits um die zweite Adaption des Stoffes – wo in der ersten Verfilmung Point Blank noch Lee Marvin die Unterwelt aufmischte, spielte nun Mel Gibson die Hauptrolle.

Das Actionkino der Achtziger Jahre durchlief zu Beginn der Neunziger eine Trendwende: Statt bierernsten Thrillern veröffentlichte Hollywood zunehmend Werke, die über einen höheren Humoranteil eine bessere Mainstreamkompatibilität erreichten. Werke wie Demolition Man, Stirb Langsam – Jetzt erst Recht! oder die Lethal Weapon-Reihe steckten rassige Action in ein ironisches Gewand. Im Vergleich mit diesen Werken wirkte Helgelands Payback wie ein rückständiger Rüpel. Die Testvorführungen liefen mau, Mel Gibson fürchtete um sein sauberes Image und das unerklärlich hohe Budget von 90 Millionen Dollar. Da Gibson nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch Produzent des Films agierte, kam es zu den berühmt-berüchtigten „kreativen Differenzen“.

Helgeland ging von Bord, Gibson ließ den dritten Akt des Films neu drehen. Helgelands Retro-Konzept blieb mitsamt des nihilistischen Tonfalls auf dem Boden des Schneideraums zurück, Gibson brachte eine moralisch gemäßigtere Version in die Kinos. Erfreulicherweise durfte Helgeland einige Jahre später die unveröffentlichten Reste „seines“ Films zusammenklauben und zu einer Version schneiden, die noch am ehesten dessen Ur-Version entsprechen. Dank der Speicherkapazitäten moderner Blu-ray-Discs können wir uns inzwischen an einer Veröffentlichung erfreuen, die sowohl Mel Gibsons Kinofassung, als auch Brian Helgelands Director’s Cut beinhaltet und zum Vergleichen einlädt.

Helgelands Film atmet den pessimistischen Tonfall des Film Noir und kombiniert seinen hard boiled-Gestus mit der unaufgeregten Inszenierung der Kriminalfilme der Siebziger Jahre. Auch die blassen, verwaschenen Farben der Bilder erinnern an triste Klassiker wie French Connection, dessen miesepetriger Protagonist von Porter, der Hauptfigur von Payback, noch übertroffen wird. In Helgelands Version beklaut er zu Beginn gleich mal einen Bettler, schlägt später seine Ex-Frau zusammen (bevor der Plot einen Grund dafür liefert) und handelt den gesamten Film über wie ein ausgemachter Scheißkerl. Der Reiz des Films liegt in der sardonischen Kompromisslosigkeit, mit der Porter sich wegen läppischer 70.000 Dollar die Nahrungskette einer Verbrecherorganisation emporarbeitet.

Mel Gibsons Kino-Cut verpasst den Bildern einen heftigen Blaustich und unterlegt sie mit einem Voice-Over Porters, das zwar unnötig ist, aber immerhin an die alten Film Noirs erinnert und darüber hinaus versucht, seinen Protagonisten weniger unfreundlich wirken zu lassen. Der Tonfall von Gibsons Fassung erweist sich als milder, setzt deutlicher auf schlagfertige Sprüche und einen höheren Entertainmentfaktor. Hier sterben keine unschuldigen Hunde, stattdessen liefert der Film Explosionen und den Boss der Verbrecher – wo dieser in Helgelands Version gesichtslos blieb, tritt er für die Kinofassung, in der Gestalt des nachträglich engagierten Kris Kristofferson, persönlich auf den Plan.

Beide Fassungen von Payback besitzen eine ganze Reihe von Tugenden, doch mir gefällt der im besten Sinne altmodische, reduzierter inszenierte Director’s Cut besser als die Kinofassung, die weniger düster, dafür aber runder ist. Filmfans, die sich nicht für eine der beiden Fassungen entscheiden können, sei der fantastisch inszenierte, von der Nouvelle Vague beeinflusste Originalfilm Point Blank mit Lee Marvin empfohlen.

Handlung:

Zusammen mit einem Komplizen erbeutet der hart gesottene Profigangster Porter 140.000 Dollar bei einem Überfall. Doch sein Partner hintergeht ihn zusammen mit Porters Ehefrau, die ihm zwei Kugeln in den Rücken jagt und ihn zum Sterben zurücklässt. Doch Porter überlebt und sinnt auf Rache. Eines Tages taucht er wieder in der Stadt auf. Weil sein Komplize inzwischen einer großen Verbrecherorganisation angehört, beschließt Porter, sich gründlich von ganz unten hochzuarbeiten, um seinen Anteil von 70.000 Dollar zu fordern …

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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