Mit Spectre durfte Regisseur Sam Mendes den recht gelungenen Vorgänger Skyfall fortsetzen und konnte auch wieder auf sein Drehbuchautorentrio bauen, doch die Vorannahme, Teil 24 des Franchise würde das Bond-Universum wie sein Vorgänger erneut mit düsteren Hintergründen bereichern und eine moderne Thrillerhandlung mit vielen spannenden Unwägbarkeiten servieren, wird komplett negiert.

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Filmkritik:

Leider verkörpert Spectre all das, was 2006 beim „Neustart“ des Franchise mit Casino Royale ausgemerzt werden sollte. So dreht sich der Plot ausschließlich um Nicht-Greifbares, was sich in seltsam nichtssagenden Dialogen äußert, reiht routiniert gehetzte Verfolgungsjagden sowie funktionelle Figuren aneinander und weist keine einzige Szene auf, die eine Reflexion über die Charaktere oder ihr Tun im Sinn hat.

Und noch schlimmer: Spectre nimmt seinen rein schematischen Rückgriff auf bewährte Ur-Elemente, seinen Verzicht auf Esprit und mutige Ideen auch noch todernst. Dabei bleiben nicht nur die wenigen Actionszenen blass, auch Christoph Waltz als Bösewicht liefert zum wiederholten Mal einen lauwarmen Aufguss seines Hans Landa aus Inglourious Basterds ab, während seine eigentlich ikonographische Figur zur Gänze verschenkt wird und keinerlei aktiven Einfluss auf die Handlung ausübt.

Das fällt gerade im Vergleich zur Präsenz von Javier Bardems Antagonisten in Skyfall deutlich auf – wo Bardem den ganzen Film im Griff hatte, wirkt Waltz wie ein ironischer Sidekick. Spectre misslingt der Versuch, sich auf die Stärken der Reihe zu verlassen, während keinerlei Wille, den eingeschlagenen Weg des Vorgängers fortzusetzen, erkennbar ist. Damit zählt Mendes‘ Werk zu den Fehlschlägen der Bond-Reihe und wirkt insbesondere im Anschluss an einen der besten Bondfilme, Skyfall, enttäuschend.

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DAS GENRE

Ähnlich wie der Actionfilm basiert auch das Thriller-Genre nicht auf inhaltlichen, sondern auf formalen Gesichtspunkten. Eine größtmögliche, im Optimalfall konstant gehaltene Spannung ist das Ziel. Dafür bedienen sich Thriller in der Regel einer konkreten Bedrohungslage. Wird die Gefahr überwiegend über Andeutungen und Suspense transportiert, findet gerne der Terminus Psychothriller Anwendung.

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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