Paprika

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Filmkritik:

Paprika erschien 2006 und stellt den letzten Langfilm des leider viel zu früh verstorbenen Animationsfilmgenies Satoshi Kon dar. Sein Sci-Fi-Thriller zählt zu den wesentlichen Inspirationsquellen für Christopher Nolans Inception.

Die superb inszenierte Eröffnungssequenz deutet bereits die Stärken des Films an und vermittelt gekonnt den Spalt zwischen Realität und Traum, der sich durch Paprika zieht. Doch obwohl wir damit von Anfang an vor der Illusionskraft von Kons Bilderwelten gewarnt sind, werden wir in den folgenden neunzig Minuten oft genug auf die bunten Imaginationskonzepte des Japaners hereinfallen.

Dies geschieht auch aufgrund des durchgängig hohen Tempos, das der Film anschlägt. Aufgrund der vielen narrativen Ebenen und Motive gelingt es Paprika spielend, mit wenigen Figuren auszukommen und kann sich ganz auf das stetige Vorantreiben seiner Geschichte konzentrieren. Doch wo Christopher Nolan die Traumarchitektur von Inception mit klaren Regeln trennscharf aufbaut und dafür eine geradelinige Erzählweise einsetzt, lässt Satoshi Kon sein Geschehen untrennbar mäandern und schildert das Geschehen in unzähligen kurzen Fragmenten, die sich überschneiden, wiederholen und perspektivisch verändern.

Dabei erzählt Paprika nicht nur mehrere kleine Geschichten, sondern gibt sich auch äußerst referenziell. Ständig verweist Kons Werk auf Filmgenres und ihre typischen Motive, bindet den Film Noir und Tarzan ein und lässt Szenen sowohl in einem Kino, als auch in dort laufenden Filmen spielen. Nebenbei durchbricht der Animationsfilm sogar die vierte Wand, wenn er einen Protagonisten mal eben die 180-Grad-Regel erklären lässt und diese für das Publikum visualisiert. Trotz seiner Meta-Ebenen und derartiger Auflockerungen zielt Paprika jedoch vornehmlich auf ein hohes Spannungslevel ab. Die Handlung lässt sich zu keinem Zeitpunkt vorhersehen und die Figuren bieten viel Identifikationspotenzial.

Phasenweise droht sich die Geschichte in den vielen imaginären Nebenschauplätzen zu verlieren und ist in Verbindung mit der so detailversessenen wie übertriebenen Bildebene durchaus auf Überforderung des Publikums angelegt; diese Kompromisslosigkeit erhöht jedoch auch den Wiedersehwert deutlich. Hinter der farbenprächtigen Oberfläche und seinen bunten Übersteigerungen offenbart der Film zudem durchaus erwachsene Reflexionen. Im Gegensatz zu Kons genialem Debütthriller Perfect Blue konnotiert sein letztes Werk Paprika das Irreale deutlich positiver und vergleicht das Internet und die Neuen Medien mit unseren Träumen. Hier können wir verborgene Wünsche erforschen und ausleben.

Paprika mag bisweilen zu chaotisch erscheinen und bringt seine vielen Elemente selten kohärent zusammen, überzeugt jedoch als Film zum puren Erleben. Die spannende Traumwelten sorgen für gute Unterhaltung und das mit viel Herzblut präsentierte Sujet für interessante Gedanken über das Filmende hinaus. Kons Werk liefert jene Träume, wegen denen wir ins Kino gehen.

Handlung:

Im Japan der Zukunft kann die Psychotherapeutin Dr. Chiba dank eines neuartigen Gerätes – dem DC Mini – die Träume ihrer Patienten miterleben und ihnen so bei der Bewältigung ihrer Probleme helfen. Doch als der DC Mini von einem Unbekannten gestohlen wird, häufen sich bizarre Vorfälle: Der Täter hackt sich damit in das Unterbewusstsein seiner Opfer. Dr. Chiba, der Ingenieur Tokita und der Polizist Konakawa begeben sich auf die Spur des Diebes…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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