Perfect Blue

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Filmkritik:

Mit seinem Debütfilm Perfect Blue legte der leider viel zu früh verstorbene Satoshi Kon einen überragenden Psychothriller vor und reißt in bester Genretradition die Grundfesten von Realität und Identität ein.

Offenkundig von klassischen Genrevertretern wie den Werken von Brian de Palma beeinflusst, inspiriert Satoshi Kons Anime für Erwachsene inzwischen selbst nachfolgende Filmemacher wie beispielsweise Darren Aronofsky. Der Amerikaner sicherte sich die Filmrechte an Perfect Blue, zitiert eine Szene direkt in Requiem For A Dream und ließ zahlreiche Elemente (wenig gelungen) in Black Swan einfließen.

Zunächst beginnt die Handlung ganz konventionell und schildert den letzten Auftritt der Sängerin Mima mit ihrer mäßig erfolgreichen Popgruppe Cham, bei dem sie ankündigt, die Band zu verlassen und es mit der Schauspielerei zu versuchen.

Diese Entscheidung erweist sich als fatal. Wirkt Mima anfangs noch wie ein souveränes strahlendes Popsternchen mit bodenständigem Privatleben, verfliegt dieser Eindruck mit Beginn der Dreharbeiten an der Thrillerserie Double Bind. Drohbriefe von Fans und die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit setzen ihr ebenso zu wie ihre Besetzung als geisteskranke Protagonistin der Serie, zumal sie als Neuling in einem eingespielten Team auch hinter der Kamera eine Rolle spielen muss, um sich einzugliedern.

Mit grausig-großartiger Präzision treibt Satoshi Kon die Entmenschlichung des Showgeschäfts auf die Spitze, wenn Mimas Persönlichkeit und ihr Privatleben auf der Strecke bleiben. Nicht nur der Wandel von der Sängerin zur Schauspielerin erweist sich als schwierig, sondern auch ihre persönliche Entwicklung vom Mädchen zur Frau wecken Selbstzweifel, die durch eine an sie adressierte Briefbombe und den Dreh einer psychisch herausfordernden Vergewaltigungsszene eskalieren. Durch ihre vielen Rollen und den hohen Erfolgsdruck verliert die ausgehöhlte Mima nach und nach ihr wahres Ich.

Während sie nach außen hin ihre Selbstbeherrschung und den Schein einer ambitionierten Schauspielerin aufrecht zu erhalten versucht, bricht sie innerlich zusammen und wird fortan von ihrem imaginären Alter Ego in Gestalt der „alten“ Cham-Sängerin Mima verfolgt und verspottet. Ihr geisterhaftes Ebenbild erscheint ihr in Spiegelungen und manifestiert sich sogar in voller Größe in ihrer Wohnung, wenn Mima allein ist.

Im weiteren Verlauf treibt Satoshi Kons Inszenierung ein perfides Spiel mit seinem Publikum, das in Mimas Lage versetzt wird und fortwährenden Täuschungen unterliegt: Dramatische Momente entpuppen sich plötzlich als Szenen der Krimiserie und Albträume gleiten in Alltagsszenen hinüber. Ständige Déjà-vus und Dopplungen von Dialogen lassen zunehmend an einer glaubhaften Wirklichkeit zweifeln; der herausragende Schnitt verbindet immer wieder geschickt Imaginäres mit Realem.

Mimas psychische Probleme erweisen sich jedoch nur als Teil dieses fantastischen Puzzles. Perfect Blue fährt auch noch einen gruseligen, entstellten Fan der „alten Mima“ auf, der sie beständig stalkt. Zusätzlich schreibt ein Unbekannter auf einer eigens eingerichteten Internetseite ein mit zahlreichen vertraulichen Details gespicktes Tagebuch in Mimas Namen und zu guter Letzt beginnt ein Killer, gezielt und grausam Menschen zu ermorden, die Mimas Weg vom Popstar zur Schauspielerin begünstigen.

Die zeichnerische Präsentation erreicht aufgrund des niedrigen Budgets zu keinem Zeitpunkt die Opulenz eines 5 Centimeters Per Second oder den Detailreichtum von Ghost In The Shell; dennoch zählt Perfect Blue zu den Referenzfilmen im Animationsbereich, weil den Drehbuchautoren die Meisterleistung gelingt, eine Vielzahl von Themen und Plotelementen auf nur 81 Minuten Spielzeit zu verdichten.

Die letzte halbe Stunde reißt dem Publikum endgültig den Boden unter den Füßen weg und lässt die Grenzen zwischen Mimas Zuständen vollends verschwimmen. Manche Szenen sehen wir gleich drei Mal, ohne noch bestimmen zu können, ob es sich um Realität, Traum oder Wahn handelt. Und so herrscht eine gehörige Portion Skepsis vor, wenn uns Mimas Spiegelbild (!) nach dem packenden Finale und der vermeintlichen Auflösung in der letzten Szene des Films zuzwinkert und freudig feststellt: „Es gibt keinen Zweifel, ich bin echt.“

Handlung:

Als die junge Mima die Trennung von ihrer Popband Cham bekannt gibt und erste Gehversuche als Schauspielerin bei der Thrillerserie Double Bind ankündigt, sind Fans und Öffentlichkeit skeptisch. Als ihre Rolle schließlich kontrovers ausgebaut wird und sie nebenbei noch Aktaufnahmen in einem Magazin veröffentlicht, ist der Aufschrei groß. Doch nicht nur Drohbriefe erreichen sie, auch ein mysteriöser Stalker fällt ihr immer wieder auf. Als ein Unbekannter beginnt, Menschen zu ermorden, die ihr auf dem Weg zur Schauspielerei geholfen haben, verliert sich Mima zwischen ihren Rollen…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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