Mit Ministerium der Angst drehte der in die Vereinigten Staaten emigrierte Fritz Lang ein launiges B-Movie, das beschwingt über die Stränge schlägt und viele Qualitäten und einige kleine Schwächen aufweist.

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Filmkritik:

Dem Vernehmen nach sagte Lang spontan zu, als er die Gelegenheit erhielt, einen Roman des von ihm geschätzten Graham Greene zu verfilmen. Als er das Drehbuch erhielt, sollte sich seine Meinung rasch ändern, der vertraglichen Verpflichtung entziehen konnte sich Lang jedoch nicht mehr und stand vor der Aufgabe, einen Plot mit mysteriösen Torten, schlagkräftigen Blinden, schrägen Séancen, verschwörerischen Nazispionen und der obligatorischen Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges in eine passende Form zu gießen.

Da am Script ohnehin nichts mehr zu retten war, scherte sich Lang nicht um eine realistische Erzählweise und inszenierte Ministerium der Angst als aberwitzige Achterbahnfahrt, die Plausibilitäten und Kohärenz mit einem Augenzwinkern beiseiteschiebt und Unvorhersehbarkeit zum Hauptprinzip erhebt.

Insbesondere die erste Hälfte des Films entfaltet obskures Suspense und lässt keinerlei Rückschlüsse auf den Fortgang der Story zu. Die zweite, konventionellere Filmhälfte fällt im Vergleich dramaturgisch etwas ab, doch Langs routinierte Regie und die ansehnliche noireske Bildgestaltung tragen die Handlung zusammen mit dem wie so oft großartigen Hauptdarsteller Ray Milland.

Wer sich von Filmfehlern in seiner Unterhaltung gestört fühlt, sollte um Ministerium der Angst einen Bogen machen und lieber die herausragende Greene-Adaption Der dritte Mann schauen; wer eine offen ausgestellte B-Movie-Attitüde charmant findet, kann mit Langs unkonventionellem Thriller einen unterhaltsamen Abend verbringen.

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DER REGISSEUR

Fritz Lang prägte die Kinogeschichte wie kein zweiter deutscher Regisseur. Mit aufwendigen Stummfilmen wie Metropolis setzte er technische Maßstäbe, mit M – Eine Stadt sucht einen Mörder drehte er den modernsten Tonfilm seiner Zeit. Um dem Nationalsozialismus zu entgehen, emigrierte Lang nach Hollywood und verwirklichte dort den Beschränkungen des Studiosystems zum Trotz weitere bedeutende Klassiker.

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DER REGISSEUR

Fritz Lang prägte die Kinogeschichte wie kein zweiter deutscher Regisseur. Mit aufwendigen Stummfilmen wie Metropolis setzte er technische Maßstäbe, mit M – Eine Stadt sucht einen Mörder drehte er den modernsten Tonfilm seiner Zeit. Um dem Nationalsozialismus zu entgehen, emigrierte Lang nach Hollywood und verwirklichte dort den Beschränkungen des Studiosystems zum Trotz weitere bedeutende Klassiker.

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DIE STRÖMUNG

Rund zwanzig Jahre lang bereicherte Hollywood die Kinos mit düster gestalteten Kriminalfilmen. Deren heruntergekommende Detektive und abgebrühte Femme Fatales gingen ebenso in die Popkultur ein wie ihr pessimistischer Tonfall. Damit zählt die Schwarze Serie auch abseits seiner zahllosen Klassiker zu den einflussreichsten Strömungen der Filmgeschichte.

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ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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