Roter Drache basiert auf dem ersten Hannibal Lecter-Roman von Thomas Harris und ist das einzige Buch des amerikanischen Schriftstellers, das bereits zum zweiten Mal verfilmt wurde. Bereits 1986 adaptierte Michael Mann den Stoff unter dem Titel Blutmond. Obwohl diesem Werk kein großer Erfolg beschienen war, trug die ausgewiesene Filmtauglichkeit des Stoffes dazu bei, einige Jahre später Harris‘ zweiten Roman Das Schweigen der Lämmer zu verfilmen – mit dem bekannten Erfolg. 2001 folgte mit Hannibal der dritte Film der Reihe, die sich nun endgültig über die ungeheure Präsenz von Anthony Hopkins definierte. Da lag es nahe, Roter Drache erneut zu verfilmen, um die Filmreihe geschlossen mit Hopkins umzusetzen.

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Filmkritik:

Das erscheint ein wenig paradox, da der soziopathische Kannibale im ersten Roman nur eine Nebenrolle einnimmt, die das Drehbuch ausweitet, wo es nur geht. Neben Hopkins, der charismatisch wie eh und je spielt, aber kaum spannende Szenen erhält, fährt Roter Drache eine Phalanx erstklassiger Darsteller auf: Edward Norton gibt den Ermittler, Joseph Fiennes einen blutrünstigen Serienmörder und in den Nebenrollen versammeln sich Harvey Keitel, Philip Seymour Hoffman und Emily Watson.

Schon die namhafte Besetzung macht deutlich, dass die Produzenten nach dem gefloppten Hannibal auf Nummer sicher gehen, was sich auch im Engagement des Regisseurs Brett Ratner niederschlägt. Der bis dato eher durch Stangenware wie Rush Hour bekannte Regisseur besitzt ein ausgeprägtes Organisationstalent und dürfte vornehmlich deshalb ausgewählt worden sein, um die Dreharbeiten reibungslos zu bewältigen.

Ratners Regie fällt in jeder Hinsicht konventionell aus, doch Roter Drache liefert trotzdem gehobenen Hollywoodstandard. Zwar bekommt der Film seine vielen interessanten Einzelteile nie unter einen Hut und verzichtet nahezu komplett auf den inneren Konflikt des Ermittlers Will Graham, doch das gelungene Drehbuch vereint stimmige Dialogsequenzen mit vielen Schauplatzwechseln, hohem Tempo und einigen herrlich spannenden Szenen. Zum Schluss traut sich das Script dann sogar, die Bahnen des Romans hinter sich zu lassen und von dessen Handlung abzuweichen. Der finale Showdown erweist sich als netter Einfall und funktioniert prächtig.

Einen Innovationspreis gewinnt Roter Drache nicht, die konventionelle Herangehensweise sorgt allerdings für den rundesten und tatsächlich auch spannendsten Film der Reihe. Das geht zulasten der Figurentiefe und der düsteren Atmosphäre, wie sie die erste Adaption von Michael Mann aufs Tapet brachte, sorgt jedoch für gute Unterhaltung.

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DAS GENRE

Ähnlich wie der Actionfilm basiert auch das Thriller-Genre nicht auf inhaltlichen, sondern auch formalen Gesichtspunkten. Eine größtmögliche, im Optimalfall konstant gehaltene Spannung ist das Ziel. Dafür bedienen sich Thriller in der Regel einer konkreten Bedrohungslage. Wird die Gefahr überwiegend über Andeutungen und Suspense transportiert, findet gerne der Terminus Psychothriller Anwendung.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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