Hannibal

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Filmkritik:

Zwanzig Jahre dauerte es, bis mit Hannibal die Fortsetzung des genreprägenden Erfolgsthrillers Das Schweigen der Lämmer erschien. Zuvor hatte der Film lange mit Produktionsproblemen zu kämpfen – Regisseur Jonathan Demme sagte ebenso ab wie Hauptdarstellerin Jodie Foster, die der höchsten Gage ihrer Karriere entsagte, weil ihr die Figurenentwicklung nicht gefiel. Die Namen der Ersatzleute lesen sich allerdings ausgezeichnet: Foster wurde von Julianne Moore ersetzt und auf dem Regiestuhl nahm Ridley Scott Platz.

Scotts Inszenierung überzeugt allerdings nicht. Der britische Meisterregisseur (Alien, Blade Runner) findet keine gestalterische Linie und ignoriert die Tugenden des Vorgängers. Wo Das Schweigen der Lämmer seine düstere Atmosphäre vor allem aus der realistischen, oft nicht besonders ansehnlichen Bildgestaltung zog, versucht sich Scott an einem hochgradig ästhetischen Thriller und landet damit wie die zahllosen Epigonen des ersten Teils im beliebigen Einerlei des Genres.

Das Hauptproblem von Hannibal ist jedoch ein anderes. Da sich der titelgebende Protagonist nicht länger hinter Gittern befindet, sondern tatsächlich aktiv wird, fehlt ein entscheidendes Detail des Vorgängers. Wo dieser unsere Fantasie beflügelte, in dem er Lecters geniale Perfidie nur andeutet und wir uns das Ausmaß seiner Abscheulichkeit selbst ausmalen mussten, liefert Scotts Werk nun eine banale Realisierung der zuvor abstrakten Gedanken. Das Auftreten Hannibals gerät zur platten Antiheldennummer, wenn das Drehbuch versucht, diese diabolische Figur durch coole Sprüche massenkompatibler zu machen. Im Roman ist dies nicht der Fall – Thomas Harris zeichnet Lecter deutlich ambivalenter und mit teuflischer Unberechenbarkeit. Im Film verkommt er zum ironischen Schurken mit besonderer Passion.

Die Darstellung von Anthony Hopkins rettet die Figur Lecters dann, der britische Darsteller verliert durch die Aufweichung der Rolle zwar die unheimliche Aura, sein nuanciertes Spiel gefällt dennoch. Von einem anderen Großen seiner Zunft lässt sich das nicht behaupten – Gary Oldman ist ein fantastischer Schauspieler, der hier unter einer zentimeterdicken Latexmaske vollkommen verschenkt wird. Auch Julianne Moore als Clarice Starling müht sich redlich, erreicht aber nicht die Verbissenheit, die Jodie Foster ausstrahlte.

Im grotesken Finale deutet der Film sein Potenzial an, beweist mit einer unappetitlichen Szene zumindest den Mut, einige Kinobesucher zu vergraulen und nahm dafür sogar eine ungewohnt hohe Altersfreigabe in Kauf. Die zwei Stunden zuvor geraten allerdings zur völlig oberflächlichen Nachbuchstabierung des deutlich komplexeren Romans, weisen kaum Spannung auf und wirken wie strukturloses Stückwerk. Damit bleibt Hannibal deutlich hinter Das Schweigen der Lämmer und dem ein Jahr später produzierten Prequel Roter Drache zurück.

Handlung:

Zehn Jahre, nachdem der kannibalische Psychiater Dr. Hannibal Lecter aus einer Haftanstalt geflohen und untergetaucht ist, hat er sich unerkannt in Florenz niedergelassen und strebt den Posten des Kurators der Palazzo-Capponi-Bibliothek an. Doch nicht nur das FBI ermittelt nach wie vor, auch der durch Lecter entstellte Milliadär Mason Verger sehnt sich nach Rache. Während ein einfacher italienischer Detective Hannibals Identität herausfindet, nutzt Verger seine Kontakte zum FBI: Er will Lecter fangen, indem er Clarice Starling als Lockvogel einsetzt…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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