Das Schweigen der Lämmer

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Filmkritik:

Das Schweigen der Lämmer avancierte 1991 ein wenig überraschend zum Kinohit der Saison. Die Adaption von Thomas Harris‘ zweitem Hannibal Lecter-Roman verpasste dem Subgenre des Psychothrillers einen ungeheuren Schub, zog zahllose Serienkillerfilme nach sich und gewann die fünf wichtigsten Oscars.

Noch etwas deutlicher als in der Buchvorlage erweist sich die Jagd der jungen Profilerin Clarice Starling (Jodie Foster) auf einen Serienkiller als Vehikel für die fortlaufenden Begegnungen zwischen der Protagonistin und dem legendären Hannibal Lecter, der aufgrund seiner diabolischen Kombination aus ungeheurer Intelligenz und soziopathischer Perfidie in einem regelrechten Kellerverlies gefangen gehalten wird. Wie es zu Lecters Verhaftung kam, enthüllte später Roter Drache, der dritte Film der Reihe.

Die Begegnungen zwischen Starling und Lecter sorgen für eine dichte Atmosphäre und profitieren von der Qualität der Dialoge aus dem Roman. Auch die Darsteller überzeugen vollends: Während Jodie Foster die Verkniffenheit ihrer Figur perfekt trifft, mimt Anthony Hopkins seinen Soziopathen mit bösartiger Eleganz und dem Charme eines Raubtiers, das vergnügt mit seiner Beute spielt. Wie schon in Harris‘ Buch funktionieren diese Szenen so gut, weil wir Starlings Faszination für Lecter teilen und dessen Gefährlichkeit verborgen bleibt, während sein Habitus durchaus einnehmend wirkt.

Etwas ironisch erweist sich die Vorlagentreue des Films von Jonathan Demme, denn Das Schweigen der Lämmer übernimmt zwar die psychologische Grundspannung des Romans, allerdings auch dessen Defizite. Abseits der sinisteren Stimmung, die Kameramann Tak Fujimoto durch eine absichtlich unästhetisch gehaltene Bildgestaltung untermauert, erweist sich die Dramaturgie als wenig ausgeprägt. Hopkins‘ imposante Darstellung des Hannibal Lecter und die damit einhergehende Erhöhung zum Anti-Helden, der durchaus unsere Sympathie gewinnt, sorgt für ein Vakuum, da dem Film dadurch die Bedrohungen ausgehen. Der einzige Antagonist des Films ist nur wenige Minuten zu sehen und wirkt nie sonderlich gefährlich; Starling hat in der zweiten Filmhälfte keinen einzigen Konflikt zu bewältigen. Erst im clever vorbereiteten Finale findet Das Schweigen der Lämmer einen Höhepunkt, der zumindest einen spannenden Akzent setzt.

Quasi mit seinem Erscheinen zum Klassiker ausgerufen, bietet Demmes Werk eine der ikonografischsten Figuren der jüngeren Kinogeschichte und lebt von seiner Atmosphäre und den tollen Darstellern. Insbesondere als Thriller vermag Das Schweigen der Lämmer allerdings nicht zu überzeugen, da das Spannungsniveau zu höhepunktarm verläuft und die Konfliktlage überschaubar bleibt.

Handlung:

Die junge, psychologisch geschulte FBI-Agentin Clarice Starling wird auf den Fall eines Serienmörders angesetzt. „Buffalo Bill“, wie sich der Psychopath selbst nennt, tötet zumeist junge Mädchen, zieht ihnen die Haut ab und versenkt sie in abgelegenen Seen. Um Hinweise auf Motiv und Täter zu bekommen, will Clarice einen anderen Serienkiller interviewen, den inhaftierten Dr. Hannibal Lecter. Der hochintelligente, aber gemeingefährliche Lecter durchschaut Clarices Absicht – und macht sie zum Spielball seiner kühl kalkulierenden, grausamen Lust…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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