So überrascht Irrational Man mit einer lauen ersten Hälfte, die sich aus unerfindlichen Gründen zu viel Zeit nimmt, um Klischee-Figuren einzuführen, die jeder Zuschauer ohnehin nach wenigen Minuten einzuschätzen weiß. Dementsprechend routiniert agieren die Darsteller; lediglich die wunderbare Parker Posey kann ihrer Nebenfigur Facetten verleihen. Um größtmögliche narrative Sicherheit bemüht wirkt dann auch das Voice-Over, das eigentlich keinerlei Funktion erfüllt und damit gänzlich unnötig erscheint.
Lange, bis zum Anbruch des letzten Drittels des Films, muss das Publikum warten, um endlich einmal angenehme Unsicherheit bezüglich des Fortgangs der Geschichte zu verspüren und sich zum aktiven Teilnehmen eingeladen zu fühlen, wenn Allen sich dem Sujet annähert, das er zuvor nur bemüht über Kant-, Kierkegaard- und Dostojewski-Reminiszenzen angedeutet hatte. Im Gegensatz zu früheren Werken wie beispielsweise Harry außer sich bleibt Allen jedoch lieber diffus und locker, wenn er unbequem und garstig werden könnte – die monotone, weil völlig vom Geschehen unbeeinflusste heitere Musik spricht da Bände.
Letztlich verzichtet Irrational Man auf Zwischentöne, scheint sich altersmilde auf allen seinen Ebenen mit dem Oberflächlichen abzufinden, sodass der Zuschauer immerhin die schöne Bildgestaltung wertschätzen kann, weil er von den schlichten Gags nicht abgelenkt wird. Es ist immer noch ein ordentlicher, unterhaltsamer Film, doch eben auch eindeutig nur eine Light-Fassung von Allens besseren Werken.