In seinem Regiedebüt Der große McGinty erzählt Preston Sturges eine klassische Geschichte um den Aufstieg und Fall eines Protagonisten. Für nur zehn Dollar verkaufte Sturges, der zuvor schon viele Jahre als Drehbuchautor gearbeitet hatte, sein Script an Paramount, um es selbst verfilmen zu dürfen und wurde damit Vorreiter einer prominenten Reihe von Filmemachern, die sich Inhalten und Inszenierungen zugleich widmeten.

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Filmkritik:

Obwohl Sturges den Film durchaus als Komödie anlegt, die Laufzeit mit nur 78 Minuten kurz und das Tempo stets hoch hält, beinhaltet Der große McGinty auch eine für damalige Verhältnisse nicht übliche Spitzzüngigkeit, die durch spätere Werke zum Markenzeichen des Filmemachers werden sollte. Statt seichte Gags zu präsentieren, formuliert Der große McGinty treffsichere Kommentare auf die Politik im Allgemeinen und den allgegenwärtigen Lobbyismus, die Macht- und Geldgier der Politiker im Besonderen.

Dies vollzieht das Drehbuch über die Position eines Außenstehenden: Der Protagonist Dan McGinty soll für einen schmierigen Geschäftsmann als Strohmann für das Amt des Bürgermeisters kandidieren und erlebt dadurch einen steilen Aufstieg, solange er den politischen Zirkus nicht hinterfragt. So lebt es sich für McGinty recht gut, bis er, von seiner (Schein-)Ehefrau beeinflusst, das korrupte System infrage stellt und ironischerweise durch seine Ehrlichkeit unversehens wieder in der Gosse landet.

Die Süffisanz, mit der Sturges diesen Werdegang zeigt und damit auch in ironischem Gewand den Traum einer Demokratie bloßstellt, unterschied Der große McGinty von vorherigen Filmen, die sich dem Thema deutlich zaghafter näherten.

Die Geschichte seiner Politikerkarriere, die McGinty einem Fremden (und dem Zuschauer) immerhin auf launige Art rückwirkend in einer Bar erzählt, erweist sich gleichzeitig als formelhaft und vorhersehbar; alles läuft auf eine schlichte moralische Wertung hinaus: Ehrlichkeit wird nicht belohnt, den Skrupellosen gehört die Welt.

Doch eine Episode führt uns auch abseits der Politik auf ein zweites Schlachtfeld der Menschheit und offenbart in bester Screwballkomödientradition, wie der aufstrebende Politiker zu seiner Ehefrau – die eigentlich nur seine Sekretärin ist – kam. Das voreheliche Techtelmechtel besitzt einigen Unterhaltungswert.

Damit erweist sich Der große McGinty durchaus als kurzweilig und auf schöne Weise altmodisch, vermag jedoch nicht immer mitzureißen und verharrt letztlich in einem Zwiespalt: Zu viele komödiantische Elemente würden die Botschaft verwässern, doch für eine Satire fehlt der Biss.

Dennoch ermöglicht Sturges‘ Film mit seinem kritischen Subtext bereits einen Ausblick auf das spätere Werk des Regisseurs, der sich insbesondere mit seinem amüsanten Roadmovie Sullivans Reisen noch weiterentwickelte.

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DIE ÄRA

Die Vierziger Jahre wurden durch den Zweiten Weltkrieg geprägt. Die pessimistische Weltlage schwappte in die Filmwelt über und sorgte für einen ernsteren Tonfall und düstere Bilder. Gleich zwei Strömungen von Weltruf entstanden in diesem Jahrzehnt: Der Film Noir mit seinen harten Genrefilmen und der Italienische Neorealismus mit seinem Pessimismus.

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Die Komödie zählt zu den Grundfesten des Kinos und funktioniert – wie auch der Horrorfilm – affektgebunden. Deshalb bringt uns der Slapstick aus den Stummfilmen von Charlie Chaplin genauso zum Lachen wie die rasenden Wortgefechte der Screwball-Komödien aus den Dreißiger Jahren, die spleenigen Charaktere von Woody Allen oder die wendungsreichen Geschichten von Billy Wilder.

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Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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