Der Feuerwehrball

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:
Strömung: |

Filmkritik:

Die tschechische Komödie Der Feuerwehrball schildert, wie die feierliche Veranstaltung einer Kleinstadtfeuerwehr vollkommen misslingt. Da das Werk des Regisseurs Milos Forman andeutet, die herrschenden Missstände in der kommunistischen Tschechoslowakei seien die Ursache dieser Farce, zog das Regime den Film prompt aus dem Verkehr.

Es sollte für lange Zeit der letzte tschechische Film des Regisseurs werden. Forman emigrierte in die Vereinigten Staaten und gewann mit dem Meisterwerk Einer flog über das Kuckucksnest sowie dem absurden Mozart-Biopic Amadeus mehrere Oscars.

Die Aversion der staatlichen Stellen lässt sich problemlos nachvollziehen, da Der Feuerwehrball kein gutes Haar an den Zuständen des Landes lässt. In nur 80 Minuten bricht Forman die missliche Lage der Tschechoslowakei auf den Festsaal einer Kleinstadt herunter, in dem die Feuerwehr einen Ball ausrichtet. Die Party zu Ehren eines ehemaligen Vorsitzenden misslingt in allen Belangen, doch Forman liegt wenig daran, sich über die nicht besonders hellen Protagonisten lustig zu machen, im Gegenteil: Er zeichnet sie als einfache, gutmütige Leute und zieht nicht sie, sondern letztlich die verfahrenen Umstände – dem alltäglichen Wahnsinn des Lebens in der Tschechoslowakei – durch den Kakao.

Dass die Tombola ins Wasser fällt, weil die Gäste die als Preise deklarierten Lebensmittel noch während der Feier stehlen, mag zunächst ein negatives Licht auf die Festbesucher werfen; zu Ende gedacht, verdeutlicht diese Episode jedoch, wie hungrig die Dorfbewohner sein müssen – so etwas Gutes wie eine große Presswurst oder einen Schweinskopf haben sie offenkundig lange nicht zu Gesicht bekommen.

Auch die Feuerwehrleute wirken heillos überfordert. Sie scheitern nicht nur bei der Organisation der Festivitäten, sondern versagen auch in ihrem eigentlichen Metier, als in der Nachbarschaft ein Feuer ausbricht, das die Brandbekämpfer nicht unter Kontrolle bekommen. Was zunächst einen negativen Eindruck von der Tüchtigkeit der Männer erweckt, verdeckt beinahe die Tatsache, dass die einzige gezeigte Gegenmaßnahme darin besteht, mit Schaufeln Schnee in die Flammen zu schippen – offensichtlich fehlt es der Feuerwehr schlichtweg an funktionierendem Gerät, der Staat scheint keine Löschfahrzeuge, Pumpen oder Schläuche zur Verfügung stellen zu können.

Meine Lieblingsszene spielt sich ebenfalls während des Brandes ab, wenn Forman seine Kritik anhand einer großartigen Karikatur auf den Punkt bringt: Als die Männer erkennen, dass das lichterloh brennende Gebäude nicht mehr zu retten ist, setzen sie den nun mittellosen Hausbewohner mit dem Rücken zum Feuer auf den letzten verbliebenden Stuhl. Wir lernen: Hier werden Probleme nicht gelöst, sondern es wird so getan, als gäbe es sie gar nicht. Stattdessen erfreut man sich an der Wärme des Kommunismus – die Feuerwehrmänner rücken Mann und Stuhl sogar noch etwas dichter an das brennende Haus, damit er nicht friert.

Wer eine rassige Komödie sucht, sollte nicht zur Formans Werk greifen; Der Feuerwehrball interessiert sich weniger für eine möglichst effektvolle Aneinanderreihung von Gags, sondern für die Formulierung eines sardonischen politischen Kommentars. Statt auf Übertreibungen setzt der tschechische Klassiker auf einen genreuntypischen Realismus, der durch die Laiendarsteller und die schlichten Kulissen zur Geltung kommt. Aufgrund der kurzen Spielzeit und einiger witziger Einfälle unterhält Der Feuerwehrball auf solidem Niveau, während der politische Subtext das eigentliche Highlight des Films darstellt.

Handlung:

Eine Kleinstadt irgendwo in der Tschechoslowakei in den späten 60ern: Das Festkomitee der Feuerwehr bereitet einen Ball vor. Der Höhepunkt soll die Preisverleihung an den ehemaligen Vorsitzenden der Truppe sein. Das Komitee, bestehend aus zehn gestandenen Feuerwehrmännern, hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Neben einer Tombola soll eine Miss-Wahl nach westlichem Vorbild die Stimmung der Einwohner heben. Allerdings kommt dem Komitee diese Idee recht spät, und so ist man gezwungen, erst am Abend mit der Auswahl der Damen zu beginnen, die schließlich – wie auch alles andere – in einem Fiasko endet.

0

E

D

C

Bei Amazon anschauen

Auch aus diesem Genre:

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

FilmsuchtPLUS abonnieren

Als Abonnent von FilmsuchtPLUS erhältst du 32 Geheimtipps auf einmal und kannst herausfinden, welcher Empfehlungsgrad am besten zu dir passt. Außerdem verpasst du keine neuen Filmtipps mehr, weil ich dich per E-Mail auf dem Laufenden halte.
Email-Adresse
100% kostenlos und spamfrei