L.A. Confidential bietet bestes Hollywoodkino: Basierend auf der hard boiled novel Stadt der Teufel von Genrereferenz James Ellroy und getragen von imponierenden Schauspielleistungen lässt der Film von Curtis Hanson eine pessimistische literarische Version des Los Angeles der Fünfziger Jahre wiederauferstehen und huldigt dem klassischen Film Noir.

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Filmkritik:

Das Drehbuch von Curtis Hanson und Brian Helgeland bedient sich bei Ellroys komplexem Roman, ohne ihn gänzlich werkgetreu zu adaptieren. Einigen Kürzungen zum Trotz übernimmt der Film jedoch Grundkonstrukt und Hauptfiguren und setzt damit noch kräftiger auf die spannende Dynamik zwischen den drei grundverschiedenen Cops, die hier aufeinanderprallen. Der Mut, neben Kevin Spacey auch das damals noch recht unbekannte Duo Russell Crowe und Guy Pearce zu verpflichten, zahlt sich aus. Insbesondere Pearce liefert eine Meisterleistung ab. Die tollen Nebendarsteller (u. a. David Strathairn, James Cromwell und Danny DeVito) addieren zusätzliche Qualität zum Ensemble.

Zum Auftakt beweist das Skript gleich mal seine erzählerische Klasse. Zunächst malt uns ein Voice-over des von DeVito gespielten Klatschreporters die Idylle von Los Angeles aus, um sie anschließend genüsslich in Skandale und Mafiablut zu tauchen. Im Anschluss stellen uns einige Szenen die drei Hauptfiguren vor und charakterisieren sie äußerst gekonnt mit wenigen Pinselstrichen. Bereits nach diesem Schnellstart befindet sich das Publikum in der Lage, die Protagonisten einzuschätzen – was in dieser amoralischen Welt nur bedeutet, Kenntnis von dem jeweiligen Grad an Verdorbenheit zu haben. Allerdings entwickelt das Drehbuch seine Figuren auch weiter, denn im im Laufe der Spielzeit verschiebt sich deren Wertempfinden zunehmend.

Die pessimistische Weltsicht sowie die ansehnlichen Fünfziger-Jahre-Kulissen akzentuieren die dichte Stimmung, der ironische Tonfall und die ausgeklügelte Struktur der Handlung sorgen für Kurzweil. Weil L.A. Confidential die Kriminalfälle nur als Aufhänger für eine Betrachtung menschlicher Abgründe benutzt und diese nahezu unerschöpflich erscheinen, gelingt es dem Film über die vollen 140 Minuten Spielzeit, einen konstanten Erzählfluss ohne dramaturgische Durchhänger aufrechtzuerhalten. Die Regie erweist sich als unauffälligste Komponente, lässt Hansons Werk jedoch zumindest rund wirken.

Wegen Hansons konventioneller Inszenierung sehe ich L.A. Confidential auch nicht als Film Noir, sondern als Hommage, die sich vor allem inhaltlich mit der klassischen Schwarzen Serie auseinandersetzt, was aufgrund der ambivalenten Moral und der pessimistischen Weltsicht hervorragend gelingt. Im Vergleich mit einer weiteren Ellroy-Adaption, Brian de Palmas virtuos in Szene gesetztem Black Dahlia, treten jedoch die handwerklichen Unterschiede zutage, Letzterer nähert sich den Klassikern deutlich mutiger an.

Unabhängig von dieser Randnotiz überzeugt L.A. Confidential mit seinem Flair, der griffigen Figurenzeichnung und den gut aufgelegten Darstellern, die überdurchschnittliche Spielzeit vergeht wie im Flug.

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Der Kriminalfilm zählt aufgrund unterschiedlichster Ausprägungen zu den breitesten Genres. Die sogenannten Whodunnits beschäftigen sich mit der Täterfindung in einem einzelnen Fall; ebenso zählen die fatalistischen Detektivgeschichten des Film Noir zum Genre. Nicht zu vergessen sind Werke aus der gegensätzlichen Perspektive: Die Heist- und Gangsterfilme machen einen wesentlichen Teil des Krimigenres aus.

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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