Goldfinger zählt zu den Höhepunkten der Bond-Reihe. Das dritte Abenteuer von 007 bringt die formalen und inhaltlichen Bestandteile des Franchise erstmals auf die typische Weise zusammen. Dabei verabschiedet sich die Arbeit von Guy Hamilton endgültig von den Konventionen des Agentenfilms und verschreibt sich ganz seiner eigenen Welt.

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Filmkritik:

In Jagd nach Dr. No und Liebesgrüße aus Moskau musste sich James Bond mit der globalen Verbrecherorganisation SPECTRE auseinandersetzen. Nicht so in Teil 3, der 007 auf eine Routinemission schickt. Doch die Ermittlung zur Geldwäsche des skrupellosen Millionärs Auric Goldfinger enttarnen ein gewaltiges Verbrechen, sodass Bond einmal mehr in die Bresche springen muss.

Goldfinger startet mit dem charakteristischen Beginn der Reihe: Auf den Blick aus dem Pistolenlauf folgt eine actionreiche Pre-Title-Sequenz, an die sich ein stilsicherer Vorspann mit dem launigen Titelsong von Shirley Bassey anschließt. Das macht Lust auf mehr und erzeugt das typische Bond-Flair.

Der routinierte Start zeugt von einer neu gewonnenen konzeptuellen Sicherheit und lässt die Findungsphase der beiden Vorgänger hinter sich. Jagd nach Dr. No suchte noch nach der passenden Figurenanlage seines Protagonisten, Liebesgrüße aus Moskau nach dem richtigen Genre-Mix. In den unterschiedlichen Tendenzen der beiden Vorgänger findet Goldfinger das Patentrezept der Reihe.

Der Fortschritt tritt im Vergleich zum zweiten Teil zutage: Wo Liebesgrüße aus Moskau noch nach den Grundzügen des Agentenfilmes funktionierte, ist Goldfinger deutlich freier gestaltet. Teil 3 begreift das Bond-Universum als eigene Welt und gibt sich nicht länger mit Fragen nach Realismus ab. In der Praxis bedeutet dies, dass James Bond nicht länger ein bloßer Agent ist, sondern zum überlebensgroßen (Super)Helden mutiert.

Das schlägt sich auch in der Plotentwicklung nieder. Im Gegensatz zum Vorgänger verzichtet Goldfinger auf eine politische Dimension. In Liebesgrüße aus Moskau standen sich noch zwei Supermächte im Kalten Krieg gegenüber; Bond auf der einen und die Antagonisten auf der anderen Seite agierten als Auftragnehmer ihrer Dienstherren.

Teil 3 reduziert diese Konstellation auf das Wesentliche und bricht seinen Konflikt auf den Zweikampf zwischen zwei gar nicht so unähnlichen Männern herunter. Bond und Goldfinger reagieren nicht mehr auf höhere Anweisungen, sondern handeln nach eigenen Prinzipien.

Die Larger Than Life-Attitüde wird auch durch einen Wechsel auf dem Regisseursposten bedient. Die Produzenten installierten den Briten Guy Hamilton, der auch die nächsten drei Teile gestalten sollte. Hamilton zentriert seine Inszenierung auf die Strahlkraft der Stars und findet dabei die perfekte Balance zwischen Coolness, Action und Humor.

Hamiltons Regie profitiert auch vom ausgezeichneten Drehbuch: Goldfinger besitzt die bis dato besten Dialoge der Filmreihe. Darüber hinaus etabliert das Script durch besondere Figurentypen die letzten noch fehlenden Markenzeichen des Franchise. Mit Pussy Galore steht das Bond-Girl erstmals auf Seite des Bösewichts, in Gestalt des tödlichen Oddjob tritt der erste Handlanger mit einem Gimmick auf.

Ebenfalls erwähnenswert: Die erste Einsatzbesprechung mit dem MI6-Tüftler Q, der Bond mit neuen Gadgets ausstattet und dabei stets auf die Handbücher verweist. In Goldfinger erhält Bond den legendären Aston-Martin DB5 – selbstverständlich mit Maschinengewehren und Schleudersitz.

Bonds schärfste Waffe bleibt jedoch sein Sex-Appeal. Wer Bond als Superhelden begreift, findet hier unweigerlich seine Superkraft. Selbst die rigorose Pussy Galore kann sich nicht dagegen wehren – konfrontiert mit Bonds Potenz, wechselt sie nicht nur die Seiten, sondern auch ihre sexuelle Ausrichtung.

Sean Connery geht vollkommen in diesem neuen 007 auf. Zuvor haftete seinem Bond allen Kapriolen zum Trotz immer eine konzentrierte Ernsthaftigkeit an. In Goldfinger agiert er deutlich lässiger, als Macho mit einer ausgestellten Unbekümmertheit. Es ist Connerys beste Darstellung des Agenten.

Seinen Gegenspieler sollte ursprünglich der große Orson Welles spielen. Welles wäre sicherlich ein fantastischer Bösewicht geworden, doch sein extraordinärer Gehaltswunsch verhinderte das Engagement. Stattdessen verpflichteten die Produzenten den weniger bekannten Gert Fröbe und taten damit einen Glücksgriff. Fröbe legt seinen Auric Goldfinger als schalkhaften Exzentriker an und findet damit das perfekte Gegengewicht zu Bond. Fröbes Darstellung gilt nach wie vor als Musterbeispiel für einen Bond-Bösewicht.

Aufgrund eines wenig spannenden Mittelteils erreicht Goldfinger nicht den Unterhaltungswert von Liebesgrüße aus Moskau, für die Weiterentwicklung des Franchise setzte Hamiltons Film jedoch Maßstäbe. Das dritte Bond-Abenteuer findet die von allen folgenden Werken kopierte Standardmixtur. Natürlich geschüttelt, nicht gerührt.

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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